Was ist ein Prompt?
Ein Prompt beantwortet der KI eine Frage, die sie sich nicht selbst beantworten kann: Was genau willst du von mir?
Der Begriff kommt aus dem Englischen: „to prompt“ heißt auffordern. Gemeint ist alles, was du in das Eingabefeld von ChatGPT, Claude oder Gemini schreibst. Das kann ein einzelnes Wort sein oder eine ganze Seite mit Hintergrund, Beispielen und Vorgaben.
Prompts gibt es nicht nur für Texte:
- Text: „Fass diesen Vertrag in fünf Punkten zusammen.“
- Bild: eine Beschreibung von Motiv, Stil, Licht und Bildformat.
- Code und Daten: „Schreib mir eine Formel, die doppelte Einträge markiert.“
Dein Prompt ist selten das Einzige, was das Modell liest. Davor steht meist ein System-Prompt: Vorgaben des Anbieters oder Entwicklers zu Rolle, Ton und Regeln. Den siehst du nicht. Er erklärt aber, warum dieselbe Frage in zwei Werkzeugen verschieden beantwortet wird.
Woraus besteht ein guter Prompt?
Google nennt in seinem Leitfaden vier Bausteine. Du brauchst nicht jedes Mal alle — aber jeder, der fehlt, ist eine Lücke, die die KI selbst füllt.
Baustein
Frage dahinter
Rolle
Aus welcher Sicht soll die KI antworten?
Aufgabe
Was soll entstehen?
Kontext
Für wen, wozu, was gibt es schon?
Format
Wie lang, in welcher Form?
Zusammengesetzt sieht das so aus:
Der wichtigste Teil ist laut Google die Aufgabe mit einem klaren Verb: schreib, kürze, vergleiche. Dazu kommen Beispiele. Sie gehören zu den verlässlichsten Mitteln, um Ton und Form zu steuern — Anthropic, der Anbieter von Claude, empfiehlt drei bis fünf.
Beispiele aus der Praxis
Derselbe Auftrag, einmal knapp und einmal vollständig.
Case A · Knapp
„Schreib Betreffzeilen für unseren Newsletter“
5
Wörter
1
Baustein
Ergebnis: beliebig
Die KI weiß nichts über Thema, Leser und Länge — also rät sie.
Case B · Vollständig
Der Beispiel-Prompt von oben
34
Wörter
4
Bausteine
Ergebnis: ein brauchbarer erster Wurf
Rolle, Aufgabe, Kontext und Format stehen drin. Nachbessern musst du nur noch Feinheiten.
Brauchst du Prompt-Tricks?
Lange kursierten Formeln wie „Denk Schritt für Schritt“. Die Anbieter sagen inzwischen selbst, dass aktuelle Modelle das kaum noch brauchen:
- OpenAI: Prompts einfach und direkt halten. Die Aufforderung zum schrittweisen Denken ist bei Modellen, die von sich aus nachdenken, unnötig.
- Anthropic: Oft genügt eine kurze, klare Anweisung. Vorgaben, die für ältere Modelle geschrieben wurden, sind häufig zu detailliert und können das Ergebnis verschlechtern.
- Google: präzise und direkt formulieren, überredende Sprache weglassen.
Der gemeinsame Nenner: Klarheit schlägt Tricks. Was bleibt, ist das Handwerk — sagen, was du willst, für wen und in welcher Form.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Zu wenig verraten
„Schreib einen Post über unser Angebot“ — welches Angebot, für wen, auf welcher Plattform? Schwache Antworten liegen oft am fehlenden Kontext, nicht an der KI. Google schrieb dazu 2024: Die ergiebigsten Prompts hatten im Schnitt rund 21 Wörter, getippt wurden meist weniger als neun.
Fehler 2 · Vertrauliches eintippen
Kundennamen, Verträge und Gehaltslisten haben in einem Prompt nichts verloren, solange du nicht weißt, was der Anbieter damit macht. Die deutschen Datenschutzbehörden warnen: Namen zu löschen reicht in der Regel nicht, weil sich Personen oft aus dem Zusammenhang erkennen lassen. Nutz für die Arbeit einen Geschäfts-Tarif und prüf die Einstellung zum Training.
Fehler 3 · Nach dem ersten Versuch aufgeben
Ein Prompt ist der Anfang eines Gesprächs, kein Bestellformular. Passt das Ergebnis nicht, sag, was dich stört: „kürzer“, „weniger werblich“, „mit einem Beispiel aus dem Handwerk“. Ändere dabei eine Sache nach der anderen.
Fehler 4 · Der Antwort blind glauben
Ein sauberer Prompt macht die Antwort nicht wahr. Sprachmodelle erfinden Zahlen, Zitate und Quellen, wenn ihnen etwas fehlt — das nennt man Halluzination. Prüf alles, was du veröffentlichst.
So schreibst du bessere Prompts
- Ziel in einem Satz: Was soll am Ende vor dir liegen?
- Kontext dazugeben: Leser, Anlass, Vorwissen — und warum du es brauchst.
- Format festlegen: „Ein Absatz mit drei bis fünf Sätzen“ statt „eher kurz“.
- Gegenlesen: Würde eine neue Kollegin ohne Vorwissen den Auftrag verstehen? Wenn nicht, versteht ihn die KI auch nicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Prompt und Prompt-Engineering?
Der Prompt ist die einzelne Eingabe. Prompt-Engineering ist das Handwerk dahinter: Anweisungen so aufzubauen und zu testen, dass ein Modell verlässlich das Gewünschte liefert. Im Alltag reicht es, klar zu formulieren. Wichtig wird das Handwerk, wenn ein Prompt hundertfach automatisch läuft.
Wie lang sollte ein Prompt sein?
So lang wie nötig. Für eine einfache Frage reicht ein Satz. Für einen Text in deinem Ton brauchst du Kontext, Beispiele und Vorgaben, das können mehrere Absätze sein. Bei Bildern ist es je nach Werkzeug umgekehrt: Midjourney etwa empfiehlt kurze, einfache Prompts.
Werden meine Prompts zum Training der KI benutzt?
Das hängt vom Tarif ab. Bei Privat-Tarifen können Eingaben ins Training fließen; bei ChatGPT lässt sich das in den Einstellungen abschalten. Bei Geschäfts-Tarifen und Programmierschnittstellen nutzt OpenAI die Daten standardmäßig nicht. Schau bei deinem Anbieter nach, bevor du etwas Internes eingibst.
Was ist Prompt Injection?
Eine Schwachstelle, die sich ausnutzen lässt. Jemand versteckt Anweisungen in einer Webseite, einem Dokument oder einer E-Mail. Liest die KI diesen Inhalt, kann sie die versteckte Anweisung befolgen statt deiner. Der Grund: Sprachmodelle trennen nicht sauber zwischen Auftrag und Daten. Das Sicherheitsprojekt OWASP führt Prompt Injection als Risiko Nummer eins für KI-Anwendungen.