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Bleistiftskizze zum Begriff Token (KI)
KI im Marketing

Token (KI)

KI-Modelle lesen keine Wörter, sondern Tokens — und rechnen auch in Tokens ab. Was ein Token ist, warum Deutsch mehr davon braucht als Englisch und was ein Blogartikel wirklich kostet.

Auch bekannt alsTokenTokensKI-Token

5 Min

Lesezeit

27.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist ein Token?

Wenn du ChatGPT oder Claude einen Text gibst, liest das Modell ihn nicht Wort für Wort. Es zerlegt ihn erst in kleine Stücke, die Tokens. Ein Token kann laut Anthropic ein ganzes Wort sein, ein Wortteil, ein einzelnes Zeichen oder sogar ein Byte.

Häufige kurze Wörter sind oft ein einziges Token. Lange oder seltene Wörter werden zerstückelt: Ein Wort wie „Kundenzufriedenheitsumfrage“ besteht aus mehreren Tokens. Das Werkzeug, das zerlegt, heißt Tokenizer — und jeder Anbieter hat seinen eigenen.

Warum dich das interessiert? Weil alles in Tokens gemessen wird:

  • Der Preis: Über die Schnittstelle zahlst du je Million Tokens.
  • Das Kontextfenster: wie viel Text das Modell auf einmal im Blick behält.
  • Das Ausgabelimit: wie lang eine einzelne Antwort werden darf.

Wie viele Tokens hat ein Wort?

Für Englisch nennt Google als Faustregel: Ein Token sind etwa vier Zeichen, 100 Tokens etwa 60 bis 80 Wörter. Für Deutsch gilt das nicht. Deutsche Wörter sind länger und werden stärker zerlegt.

Eine Studie vom Mai 2026 hat dazu sechs Tokenizer auf parallelen Texten in 24 europäischen Sprachen verglichen. Deutsch kam im Mittel auf 1,76 Tokens je Wort, je nach Tokenizer zwischen 1,55 und 1,98. Englisch lag bei 1,23. Deutsch braucht also rund 40 % mehr Tokens für denselben Inhalt. Die Studie ist noch nicht begutachtet, und die Tokenizer von Claude und Gemini waren nicht dabei.

Dazu kommt: Tokenizer ändern sich. Laut Anthropic erzeugen die neueren Claude-Modelle ab Version 4.7 für denselben Text rund 30 % mehr Tokens als ältere. Zahlen von einem Modell kannst du also nicht einfach aufs nächste übertragen.

Was kosten Tokens?

Über die Schnittstellen der Anbieter zahlst du getrennt für Eingabe (dein Prompt, Dokumente, der bisherige Verlauf) und Ausgabe (die Antwort). Die Ausgabe ist immer deutlich teurer.

Modell

Ein / Aus je Mio. Tokens

Claude Opus 5.5

4 $ / 20 $

Claude Sonnet 5.5

2 $ / 10 $

Claude Haiku 5.5

0,10 $ / 0,50 $

Gemini 3.1 Pro

2 $ / 12 $

Gemini 3.1 Flash-Lite

0,25 $ / 1,50 $

Die Preise stammen von den offiziellen Preisseiten von Anthropic und Google, Stand Oktober 2026, für kurze Prompts im Standard-Tarif. Sie ändern sich oft. Bei langen Prompts gelten teils höhere Sätze, und wer Anfragen gesammelt per Batch schickt, spart bei Anthropic 50 %.

So rechnest du

Kosten = Eingabe-Tokens ÷ 1 Mio. × Eingabepreis + Ausgabe-Tokens ÷ 1 Mio. × Ausgabepreis

Beispiel: 5.000 Tokens Briefing und 1.760 Tokens Artikel mit Sonnet 5.5 → 0,01 $ + 0,018 $ = knapp 3 Cent

Ein einzelner Artikel ist also spottbillig. Teuer wird es, wenn mehrere Schritte hintereinander laufen: Recherche, Entwurf, Prüfung, Überarbeitung — und jeder Schritt schickt den ganzen Text wieder als Eingabe mit. Dann wird aus 3 Cent schnell ein Vielfaches.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Token gleich Wort setzen

Wer mit englischen Faustregeln rechnet, unterschätzt deutsche Texte um rund 40 %. Bei kleinen Mengen egal, bei Tausenden Anfragen im Monat nicht.

Fehler 2 · Nur auf den Eingabepreis schauen

Die Ausgabe kostet bei allen großen Anbietern das Fünf- bis Sechsfache. Und Modelle, die vor der Antwort „nachdenken“, rechnen diese Denk-Tokens als Ausgabe ab — Google schreibt das ausdrücklich. Du siehst sie im Text gar nicht, zahlst sie aber.

Fehler 3 · Den Verlauf vergessen

In einem langen Chat wird bei jeder neuen Frage der ganze bisherige Verlauf erneut als Eingabe verarbeitet. Dazu kommen Systemanweisungen und Werkzeugbeschreibungen. Lange Gespräche werden deshalb mit jeder Runde teurer.

Fehler 4 · Bilder und Videos unterschätzen

Auch Bilder, Audio und Video werden in Tokens umgerechnet. Bei Gemini kostet laut Google eine Sekunde Video 263 Tokens, eine Sekunde Audio 32. Eine Stunde Video sind damit fast eine Million Tokens.

So zählst du Tokens

  • OpenAI Tokenizer: eine Webseite, in die du Text kopierst und die Tokens siehst.
  • Anthropic: eine kostenlose Zählfunktion in der Schnittstelle, die eine Schätzung liefert.
  • Google AI Studio: zeigt die Token-Zahl direkt beim Prompt an.
  • Verbrauch beobachten: in der Konsole des Anbieters oder bei OpenRouter, das die Kosten je Anfrage zeigt.

Häufige Fragen

Wie viele Tokens hat ein deutsches Wort?

Im Schnitt etwa 1,5 bis 2. Eine Studie mit sechs Tokenizern kam 2026 auf 1,76 Tokens je deutschem Wort, Englisch lag bei 1,23. Der genaue Wert hängt vom Modell ab.

Was kostet eine Million Tokens?

Je nach Modell zwischen wenigen Cent und einigen Dollar. Im Oktober 2026 kosteten kleine Modelle wie Claude Haiku 5.5 0,10 Dollar für die Eingabe, große wie Claude Opus 5.5 4 Dollar. Die Ausgabe ist jeweils rund fünfmal so teuer.

Warum braucht Deutsch mehr Tokens als Englisch?

Weil deutsche Wörter oft lang und zusammengesetzt sind. Zusammengesetzte Wörter wie „Datenschutzerklärung“ werden in mehrere Stücke zerlegt.

Zählen Bilder und Dateien auch als Tokens?

Ja. Bilder, Audio und Video werden in Tokens umgerechnet. Bei Gemini kostet ein kleines Bild 258 Tokens, eine Sekunde Video 263 Tokens.

Was sind Denk-Tokens?

Manche Modelle denken vor der Antwort in einem internen Zwischenschritt nach. Diese Tokens siehst du nicht oder nur zusammengefasst, sie werden aber als Ausgabe abgerechnet.

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