Was ist Voice Search?
„Hey Siri, wann hat der Baumarkt heute auf?“ — das ist Voice Search, deutsch Sprachsuche. Statt Stichworte zu tippen, stellst du eine ganze Frage, so wie du sie einem Menschen stellen würdest.
Gestellt wird die Frage über einen Sprachassistenten wie Siri oder Alexa, über das Mikrofon in der Google-App oder im Sprachmodus eines KI-Chats wie Gemini Live oder ChatGPT. Die Antwort kommt oft vorgelesen. Auf einem Smart Speaker gibt es meist nur diese eine Antwort statt zehn blauer Links.
Wie viele Deutsche suchen per Sprache?
Eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research unter 1.205 Menschen ab 16 Jahren (2024) zeigt: 53 % nutzen Sprachsteuerung zumindest gelegentlich. Gesucht wird damit aber seltener, als der Hype vermuten lässt. Wofür die Nutzer die Sprachsteuerung einsetzen:
Anwendung
Anteil der Nutzer
Musik, Hörbücher, Radio
89 %
Anrufe starten
75 %
Smart Home steuern
75 %
Suchanfragen, Recherche
59 %
Verkehrslage
45 %
Grob überschlagen sucht damit rund ein Drittel der Menschen ab 16 zumindest manchmal per Sprache — unsere eigene Rechnung aus 53 % mal 59 %, Bitkom nennt diese Zahl nicht. Wie groß der Anteil an allen Suchen ist, veröffentlicht niemand. Weder Google noch Bitkom.
Der Mythos von der Hälfte aller Suchen
„Bis 2020 läuft die Hälfte aller Suchen per Sprache“ — der Satz stand jahrelang in jeder zweiten Präsentation. Er geht auf eine Prognose von Andrew Ng zurück, damals bei Baidu, aus dem Jahr 2014. Gemeint waren Bild- und Sprachsuchen, und zwar bei Baidu in China. Eingetreten ist sie so nie.
Vom Sprachassistenten zum KI-Assistenten
Die klassische Sprachsuche — kurze Frage, kurze Antwort — wird gerade abgelöst. Die Anbieter ersetzen ihre alten Assistenten durch generative KI, die Gespräche führt und Nachfragen versteht:
- Google ersetzt den Google Assistant auf Handys durch Gemini, so die Ankündigung vom März 2025. Gemini Live ist der Sprachmodus der Gemini-App: Du kannst unterbrechen, nachfragen und die Kamera teilen.
- Amazon hat im Februar 2025 Alexa+ vorgestellt, die Alexa mit generativer KI. In den USA und Kanada ist sie für alle verfügbar, in Deutschland lief sie im Juli 2026 im Early Access.
- Google-Aktionen für Marken sind Geschichte: Die eigenen Sprach-Apps für den Assistant, die Conversational Actions, hat Google im Juni 2023 eingestellt.
Für dich heißt das: Sprachsuche wird Teil der KI-Suche. Optimieren für Voice Search ist heute im Kern dasselbe wie Optimieren für Antwortmaschinen — Answer Engine Optimization.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Voice Search als eigenen Kanal behandeln
Sprachassistenten erfinden ihre Antworten nicht neu. Sie greifen auf dieselben Quellen zu wie die Suche: Websites, Featured Snippets, lokale Einträge und KI-Antworten. Ein eigenes „Voice-Keyword-Set“ brauchst du nicht.
Fehler 2 · Auf Speakable-Markup setzen
Das Schema-Markup Speakable markiert Abschnitte zum Vorlesen. Laut Google ist es aber weiterhin Beta und nur für Nachrichten auf Englisch in den USA gedacht. Für eine deutsche KMU-Website bringt es nichts.
Fehler 3 · Alte Prognosen weitererzählen
Wer heute noch mit „50 % aller Suchen per Sprache“ argumentiert, verliert Glaubwürdigkeit. Die belastbare Zahl für Deutschland sind die 59 % der Sprachsteuerungs-Nutzer, die damit überhaupt suchen.
Fehler 4 · Das lokale Profil vergessen
„Wo ist der nächste…“, „Wann hat … auf“ — viele Sprachfragen sind lokal. Die Antwort kommt dann aus dem Google-Unternehmensprofil oder aus Apple Maps, nicht von deiner Website. Falsche Öffnungszeiten werden dort direkt vorgelesen.
So wirst du für Sprachantworten sichtbar
- Fragen als Überschriften: Formulier Zwischenüberschriften so, wie Leute fragen, und beantworte sie im ersten Satz knapp und vollständig.
- FAQ mit echten Kundenfragen: Fragen aus Anrufen und Mails sind näher an gesprochener Sprache als jede Keyword-Liste. Tools wie AnswerThePublic oder AlsoAsked helfen beim Sammeln.
- Lokale Einträge pflegen: Google-Unternehmensprofil, Apple Business Connect und Bing Places vollständig und aktuell halten.
- Selbst fragen: Stell die fünf wichtigsten Fragen deiner Kunden laut an Siri, Alexa und Gemini. Was wird vorgelesen? Woher kommt die Antwort?
Häufige Fragen
Wie viele Menschen nutzen Sprachsuche in Deutschland?
Laut Bitkom nutzen 53 % der Menschen ab 16 Sprachsteuerung zumindest gelegentlich, davon 59 % auch für Suchanfragen (2024). Das ist grob ein Drittel der Bevölkerung ab 16. Einen Anteil der Sprachsuche an allen Suchen veröffentlicht niemand.
Muss ich meine Website extra für Voice Search optimieren?
Nicht extra. Sprachassistenten nutzen dieselben Quellen wie die Suche. Wer Fragen klar beantwortet, strukturierte Inhalte hat und seine lokalen Einträge pflegt, ist auch für Sprachantworten gut aufgestellt.
Was ist der Unterschied zwischen Sprachsuche und KI-Assistenten?
Klassische Sprachsuche beantwortet eine Frage und ist fertig. KI-Assistenten wie Gemini Live oder Alexa+ führen ein Gespräch, verstehen Nachfragen und können teils auch sehen, was die Kamera zeigt. Die Grenze verschwimmt gerade.
Bringt Speakable-Markup etwas?
Für die meisten deutschen Websites nicht. Google führt Speakable weiter als Beta, gedacht für Nachrichten auf Englisch in den USA auf Google-Home-Geräten.
Kann ich messen, wie viele Besucher per Sprachsuche kommen?
Kaum. In Google Analytics und der Search Console lassen sich gesprochene und getippte Suchen nicht trennen, und viele Sprachantworten führen gar nicht auf eine Website. Lokal zeigt das Google-Unternehmensprofil immerhin Anrufe und Routenanfragen.