Was heißt Above the Fold?
Was sehen deine Besucher, bevor sie auch nur einmal scrollen? Genau das ist Above the Fold: der Bereich, der direkt nach dem Laden auf dem Bildschirm steht. Google übersetzt den Begriff in der AdSense-Hilfe schlicht mit „ohne Scrollen sichtbar“.
Alles darunter heißt Below the Fold. Das ist nicht unsichtbar, kostet aber eine Handlung: Wer es sehen will, muss scrollen. Die Nielsen Norman Group nennt das Interaktionskosten — je höher die Hürde, desto weniger Leute nehmen sie.
Warum der erste Bildschirm so viel zählt
Weil die Aufmerksamkeit nach unten steil abfällt. Die Nielsen Norman Group hat 2018 per Eyetracking gemessen, wohin 120 Testpersonen auf Desktop-Bildschirmen schauen:
Bereich der Seite
Blickzeit
Erster Bildschirm
57 %
Erste zwei Bildschirme
74 %
Erste drei Bildschirme
81 %
2010 lag der erste Bildschirm noch bei 80 %. Die Leute scrollen also mehr als früher — aber der Abfall direkt nach der Falz ist geblieben. Schon innerhalb des ersten Bildschirms bekam die obere Hälfte mehr als 65 % der Blickzeit.
Dazu kommt die Technik. Die Kennzahl Largest Contentful Paint (LCP) misst, wie schnell das größte Bild oder der größte Textblock im sichtbaren Bereich geladen ist. Gut sind laut Google 2,5 Sekunden oder weniger. Was oben steht, muss also nicht nur überzeugen, sondern auch schnell da sein.
Wo liegt die Falz?
Kurz: überall woanders. Auf jedem Gerät, in jeder Fenstergröße liegt sie an einer anderen Stelle. Allein in Deutschland teilen sich die häufigsten Auflösungen im September 2026 so auf (StatCounter):
- Smartphone: 414 × 896 Pixel bei 13 % der mobilen Aufrufe, dicht gefolgt von 384 × 832 und 393 × 873.
- Desktop: 1920 × 1080 bei 34 %, dann 2560 × 1440 und 1536 × 864.
- Verteilung: rund 60 % der Seitenaufrufe kommen vom Smartphone, 38 % vom Desktop.
Und das sind nur die Bildschirmmaße. Browserleisten, Tastatur und Cookie-Banner fressen zusätzlich Höhe. Responsive Seiten haben deshalb nicht eine Falz, sondern viele.
Beispiele aus der Praxis
Zwei Fälle, in denen es nicht um Design ging, sondern darum, wie schnell der erste Bildschirm steht:
Case A · WordPress
Lazy Loading im sichtbaren Bereich
1.657 ms
LCP mobil mit Lazy Loading
1.403 ms
LCP mobil ohne
Rund 15 % schneller, wenn das erste Bild sofort lädt
WordPress lud ab Version 5.5 auch Bilder im ersten Bildschirm verzögert. Seit 5.9 bleibt das erste Bild ausgenommen (Messung von Google und WordPress-Entwicklern, 2021).
Case B · Telekommunikation
Vodafone beschleunigt den ersten Bildschirm
31 %
besserer LCP
8 %
mehr Verkäufe
A/B-Test mit rund 34.000 Besuchen pro Tag und Variante
Der sichtbare Teil wurde auf dem Server vorbereitet, das Hero-Bild verkleinert, alles weiter unten später geladen (web.dev, 2021).
Häufige Fehler
Fehler 1 · Glauben, dass niemand scrollt
Doch, sie scrollen — wenn sich das lohnt. Die Nielsen Norman Group bringt es so auf den Punkt: Nutzer scrollen, aber nur, wenn das, was oben steht, vielversprechend genug ist. Der erste Bildschirm ist ein Versprechen, kein Lagerraum.
Fehler 2 · Alles nach oben quetschen
Fünf Botschaften, drei Buttons, ein Slider — und nichts davon bleibt hängen. Selbst bei Werbung lag die beste Position laut einer Google-Auswertung von 2014 direkt über der Falz, nicht ganz oben. Oben gehört hin, worum es geht und was der nächste Schritt ist. Der Rest darf warten.
Fehler 3 · Ein falscher Boden
Ein Hero-Bild über die volle Höhe, darunter viel Weißraum: Das wirkt wie das Ende der Seite. In einer Studie der Nielsen Norman Group merkten sechs von acht Testpersonen nicht, dass es weitergeht. Lass den Anfang des nächsten Abschnitts unten anschneiden.
Fehler 4 · Das wichtigste Bild verzögert laden
Lazy Loading spart Daten bei Bildern weiter unten. Im ersten Bildschirm bremst es. web.dev rät ausdrücklich davon ab, Bilder im sichtbaren Bereich so zu laden. Trotzdem tun es laut Web Almanac 2025 rund 16 % der Seiten mit ihrem LCP-Bild.
Was gehört über die Falz?
- Eine klare Überschrift, die sagt, was du anbietest und für wen.
- Ein Satz Nutzen — warum sollte ich hier bleiben?
- Ein sichtbarer nächster Schritt: Button, Telefonnummer oder ein Hinweis, dass es unten weitergeht.
- Ein Vertrauenssignal, wenn Platz ist: Bewertung, Kundenlogo, Siegel.
- Schnell geladen: das Hero-Bild klein halten und nicht verzögert laden.
Häufige Fragen
Muss der Call to Action immer above the fold stehen?
Nicht zwingend. Bei einfachen Angeboten, die man sofort versteht, gehört er nach oben. Bei erklärungsbedürftigen oder teuren Angeboten wollen Leute erst lesen — dann muss oben klar werden, dass sich das Scrollen lohnt, und der Button steht dort, wo die Entscheidung fällt. Testen schlägt Faustregel.
Ist Above the Fold für SEO wichtig?
Indirekt. Google fragt in seinen Hinweisen zur Nutzererfahrung, ob zu viel Werbung vom Hauptinhalt ablenkt und ob man den Hauptinhalt gut erkennt. Außerdem misst der Largest Contentful Paint, wie schnell der sichtbare Bereich lädt. Eine Seite, deren erster Bildschirm nur aus Bannern besteht, hat damit doppelt schlechte Karten.
Scrollen Leute auf dem Handy mehr?
Scrollen ist dort die normale Bewegung, aber der erste Bildschirm ist kleiner. Umso wichtiger ist, dass oben sofort klar wird, worum es geht. Vergleichbare Eyetracking-Zahlen wie für den Desktop gibt es für Smartphones nicht.
Wie finde ich heraus, was meine Besucher ohne Scrollen sehen?
Mit einer Scrollmap, etwa in Microsoft Clarity oder Hotjar. Clarity zeigt die durchschnittliche Falz deiner echten Besucher und wie viele jeweils weiterscrollen. Für einen schnellen Blick reichen die Gerätevorschau in den Chrome-Entwicklertools und dein eigenes Handy.
Quellen
- Google AdSense-Hilfe: Above the fold (ohne Scrollen sichtbar)
- Nielsen Norman Group: Scrolling and Attention
- web.dev: Largest Contentful Paint
- HTTP Archive: Web Almanac 2025, Performance
- StatCounter: Bildschirmauflösungen in Deutschland
- web.dev: Vodafone-Fallstudie zu LCP
- Google Search Central: Nutzererfahrung auf Seiten