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Bleistiftskizze zum Begriff Below the Fold
Web, UX & Conversion

Below the Fold

Alles, was erst nach dem Scrollen auftaucht. Weniger Blicke als oben, aber kein Niemandsland — wenn der erste Bildschirm neugierig macht.

Auch bekannt alsunterhalb der Falzunterhalb des sichtbaren BereichsBelow-the-Fold-Bereich

5 Min

Lesezeit

25.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was heißt Below the Fold?

Wie viel deiner Seite sieht jemand, der nicht scrollt? Meist nur einen kleinen Teil. Der Rest liegt Below the Fold, unterhalb der Falz — wie bei der Zeitung am Kiosk, wo man nur die obere Hälfte der Titelseite sieht.

Eine feste Linie gibt es im Web nicht. Wo der erste Bildschirm endet, hängt von Gerät, Fenstergröße und Browser ab. Microsoft Clarity zeigt deshalb in der Scrollmap eine „Average fold“: die durchschnittliche Stelle, die deine echten Besucher sehen, bevor sie scrollen.

Liest das überhaupt jemand?

Ja — aber weniger. In der Eyetracking-Studie der Nielsen Norman Group von 2018 bekam der zweite Bildschirm rund 17 % der Blickzeit, etwa ein Drittel des ersten. Die restlichen 26 % verteilten sich in kleinen Portionen auf alles, was weiter unten kam.

Wie weit Leute scrollen, hängt stark von Seite und Gerät ab. Laut dem Digital Experience Benchmark 2026 von Contentsquare liegt die Scroll-Rate am Handy bei 45,2 %, am Desktop bei 50,5 % — mit leicht sinkender Tendenz. Andere Messungen zeigen ein anderes Bild: Auf Nachrichtenseiten entfielen laut Chartbeat 2014 sogar 66 % der aktiven Lesezeit auf den Bereich unterhalb der Falz. Der Unterschied liegt in der Methode: Chartbeat misst Lesezeit auf langen Artikeln, NN/g Blicke auf gemischten Seiten.

Was gehört unter die Falz?

  • Details und Belege: Leistungen im Einzelnen, Preise, Referenzen, Zahlen.
  • Antworten auf Einwände: eine FAQ, Garantien, Ablauf.
  • Ein zweiter Call to Action: Wer bis unten gelesen hat, soll nicht wieder hochscrollen müssen.
  • Orientierung: klare Zwischenüberschriften und Hervorhebungen, damit man beim Überfliegen findet, was man sucht — so empfiehlt es NN/g.

Lang ist dabei kein Problem, langweilig schon. NN/g warnt zwar, dass sehr lange Seiten das Risiko erhöhen, Aufmerksamkeit zu verlieren. Bei erklärungsbedürftigen oder teuren Angeboten haben Besucher aber viele Fragen — und eine Seite, die sie beantwortet, verkauft.

Technik: Laden und gefunden werden

Was unter der Falz liegt, muss nicht sofort geladen werden. Mit Lazy Loading lädt der Browser Bilder und eingebettete Videos erst kurz bevor sie ins Bild scrollen. Ein eingebettetes YouTube-Video spart beim ersten Laden laut Google rund 500 KB. Für Bilder im ersten Bildschirm gilt das Gegenteil: dort nie verzögert laden.

Wichtig für Google: Die Suchmaschine scrollt und klickt nicht. Inhalte, die erst nach einer Nutzeraktion nachgeladen werden, sieht sie womöglich nie. Bei Infinite Scroll, also endlos nachladenden Listen, braucht jeder Abschnitt laut Google eine eigene dauerhafte URL, etwa mit Seitenzahl.

Beispiele aus der Praxis

Case A · Software

Crazy Egg testet eine 20-mal längere Startseite

20×

so lang wie das Original

+30 %

Conversions im A/B-Test

Lang gewinnt, wenn Besucher viele Fragen haben

Fallstudie der Agentur Conversion Rate Experts, ohne Datum und Stichprobe. Ein gutes Beispiel, kein Beweis, dass lang immer besser ist.

Case B · Medienseiten

Chartbeat misst, wer überhaupt scrollt

71 %

scrollen bei redaktionellen Inhalten

24 %

scrollen bei Native Ads

Inhalt entscheidet, ob gescrollt wird

Chartbeat-Daten von Verlagsseiten, veröffentlicht 2014 im TIME Magazine. Älter, aber die Lehre gilt: Werbung im Gewand eines Artikels liest kaum jemand zu Ende.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Das Wichtigste nur ganz unten

Wenn das Angebot oder der einzige Button erst am Seitenende steht, sieht ihn gut die Hälfte der Handy-Besucher nie. Oben das Versprechen, unten die Vertiefung.

Fehler 2 · Ein falscher Boden

Ein bildschirmfüllendes Bild ohne Hinweis, dass es weitergeht, wirkt wie das Seitenende. Lass den Anfang des nächsten Abschnitts sichtbar angeschnitten.

Fehler 3 · Lazy Loading an der falschen Stelle

Unter der Falz spart Lazy Loading Ladezeit. Oben bremst es das wichtigste Bild aus. Und Inhalte, die erst beim Klicken laden, findet Google womöglich gar nicht.

Fehler 4 · Infinite Scroll ohne Plan

Endloses Nachladen fühlt sich modern an, hat aber Tücken. Bei Etsy führte es in Tests dazu, dass Nutzer in der Suche weniger Artikel ansahen und weniger darüber kauften. Ohne eigene URLs je Abschnitt bleibt außerdem vieles für Google unsichtbar.

So nutzt du den Bereich

  • Scrollmap ansehen: Microsoft Clarity zeigt kostenlos, wie viele Besucher wie weit kommen.
  • Reihenfolge nach Fragen bauen: Was will ein Besucher als Nächstes wissen?
  • Den Call to Action wiederholen, wo die Entscheidung fällt.
  • Technik prüfen: in der Search Console mit dem URL-Prüftool, ob nachgeladene Inhalte gerendert werden.

Häufige Fragen

Sieht Google Inhalte unterhalb der Falz?

Ja, wenn sie ohne Klick oder Scrollen im Seiteninhalt landen. Google interagiert nicht mit der Seite. Wer Inhalte erst per Klick nachlädt oder endlos scrollen lässt, sollte sich an Googles Anleitung zu Lazy Loading und Paginierung halten.

Wann ist eine lange Seite besser als eine kurze?

Wenn das Angebot erklärungsbedürftig, teuer oder neu ist. Dann haben Besucher viele Fragen, und eine Seite, die sie beantwortet, überzeugt mehr. Bei einfachen Angeboten, die man sofort versteht, reicht oft eine kurze Seite.

Soll ich den Button unten wiederholen?

In den meisten Fällen ja. Wer bis unten gelesen hat, ist interessiert und soll nicht zurückscrollen müssen. Belastbare Zahlen dazu gibt es kaum — teste es auf deiner Seite.

Infinite Scroll oder Seitenzahlen?

Für Feeds, die man nebenbei durchstöbert, passt Infinite Scroll. Wer gezielt sucht und vergleicht, kommt mit Seitenzahlen oder einem „Mehr laden“-Knopf besser zurecht. Und für Google braucht jede Seite eine eigene URL.

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