Was ist ein Candystorm?
Ein Shitstorm kennt jeder: Hunderte wütende Kommentare in wenigen Stunden. Der Candystorm ist das Gegenteil — eine Welle von Zuspruch, Sympathie und Solidarität. Statt Beschimpfungen kommen Herzen, aufmunternde Kommentare und oft auch Bestellungen.
Das Wort setzt sich aus dem englischen „candy“ (Süßigkeit) und „storm“ (Sturm) zusammen. Es ist ein Scheinanglizismus: Englischsprachige benutzen es nicht, im Deutschen hat es sich festgesetzt.
Typisch ist der Auslöser. Ein Candystorm entsteht selten aus dem Nichts, sondern oft als Antwort auf einen Angriff. Erst kommt der Shitstorm oder ein Hassbrief, dann stellen sich andere demonstrativ auf deine Seite.
Woher kommt das Wort?
Geprägt hat es der Grünen-Politiker Volker Beck im November 2012 auf Twitter. Claudia Roth war bei der Urwahl der grünen Spitzenkandidaten mit 26,2 % nur Vierte geworden. Beck fragte, wie eigentlich das Gegenteil eines Shitstorms heißt — und rief dann zum Candystorm für Roth auf.
Der Aufruf zündete. Roth trat wieder als Parteichefin an und wurde eine Woche später mit 88,5 % bestätigt, die Delegierten bewarfen sie mit Bonbons. Ein Jahr zuvor war „Shitstorm“ zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt worden. Ältere Versuche wie „Lovestorm“ oder „Flauschstorm“ setzten sich nicht durch.
Beispiele aus der Praxis
Fall A · Süßwaren
Niemetz Schwedenbomben, Wien 2013
8–10 ×
Umsatz im Werksverkauf
3–4 ×
Auslieferung an eine Supermarktkette
Kaufwelle nach der Insolvenz — über Facebook organisiert
Laut ORF war die Facebook-Aktion mitverantwortlich, dass viele Läden ausverkauft waren. Gerettet wurde die Firma am Ende aber von einem Investor, nicht von den Fans.
Fall B · Bäckerei
Café Heintz, Bad Königshofen 2020
erst Shitstorm
wegen Schoko-Nikoläusen mit Maske
dann Bestellungen
„eine Menge“ laut dpa
Die Stimmung kippte ins Positive
Nach wütenden Kommentaren nahmen die positiven zu, Bestellungen kamen aus ganz Deutschland. Nachbar-Konditoreien halfen beim Versand.
Auch große Marken kennen das: Als Vegetarier 2012 gegen einen Werbespot der ING-DiBa protestierten, ließ die Bank die Diskussion auf ihrer Facebook-Seite laufen, statt zu löschen. Laut Horizont ergriffen immer mehr Nutzer Partei für die Bank.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Einen Candystorm kaufen
Gekaufte Likes und Bot-Kommentare sind Astroturfing: vorgetäuschte Zustimmung. Das fliegt meist auf — und dann hast du den Shitstorm, den du vermeiden wolltest.
Fehler 2 · Herzen mit Umsatz verwechseln
Ein Candystorm fühlt sich großartig an. Aber nicht jeder, der ein Herz klickt, kauft auch. Und die Welle ist meist nach ein paar Tagen vorbei.
Fehler 3 · Sich darauf ausruhen
Der Zuspruch ist geliehenes Vertrauen. Wer danach nicht liefert, verspielt es schneller, als es gekommen ist.
So reagierst du auf einen Candystorm
- Danke sagen: öffentlich und persönlich, nicht mit einem Standardsatz.
- Diskussion zulassen: Wie die ING-DiBa zeigt, verteidigt dich deine Community oft besser als jede Pressemitteilung.
- Transparent bleiben: Erklär, was passiert ist und was du daraus machst.
- Kapazitäten prüfen: Kommen plötzlich Bestellungen, muss der Versand mithalten. Lieber ehrlich längere Lieferzeit ansagen, als Fans zu enttäuschen.
- Mitlesen: Mit Social Listening siehst du, ob die Stimmung hält oder wieder kippt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Candystorm und Shitstorm?
Beim Shitstorm prasselt massenhaft Kritik und Empörung auf eine Person oder Marke ein, beim Candystorm massenhaft Zuspruch. Oft folgt der Candystorm direkt auf einen Shitstorm, wenn sich andere demonstrativ auf die Seite des Angegriffenen stellen.
Woher kommt das Wort Candystorm?
Der Grünen-Politiker Volker Beck hat es im November 2012 auf Twitter geprägt, als Aufruf zur Unterstützung für Claudia Roth nach ihrem schwachen Urwahl-Ergebnis. Englischsprachige benutzen das Wort nicht.
Kann man einen Candystorm planen?
Nicht ehrlich. In den bekannten Fällen kam der Zuspruch von Kunden und Fans selbst. Was du tun kannst: im Alltag eine Community aufbauen, die im Ernstfall für dich spricht. Gekaufte Zustimmung ist Astroturfing und riskant.
Bringt ein Candystorm mehr Umsatz?
Manchmal kurzfristig deutlich. Beim Wiener Süßwarenhersteller Niemetz verkaufte der Werksverkauf nach der Insolvenz 2013 das Acht- bis Zehnfache. Dauerhaft retten konnte die Welle die Firma aber nicht.
Wie reagiere ich als Unternehmen richtig?
Bedank dich ehrlich, bleib transparent und sorg dafür, dass du liefern kannst, wenn plötzlich Bestellungen kommen. Und lies weiter mit — die Stimmung kann auch wieder kippen.