Was ist Employee Advocacy?
Deine Firmenseite auf LinkedIn postet einen Fachartikel. Ein paar Likes, fertig. Teilt ihn deine Vertriebsleiterin in ihrem Profil, sehen ihn plötzlich Hunderte Leute, die deine Seite gar nicht kennen. Das ist der Kern von Employee Advocacy.
Das Unternehmen stellt Inhalte bereit: Blogartikel, Stellenanzeigen, Event-Hinweise. Mitarbeitende teilen sie freiwillig über ihre eigenen Kanäle, meist mit einem eigenen Satz dazu. Viele Firmen nutzen dafür eine Plattform, in der freigegebene Inhalte mit wenigen Klicks geteilt werden können.
Der Hebel ist doppelt: Reichweite, weil die Netzwerke der Mitarbeitenden weit über die Follower der Firma hinausgehen. Und Vertrauen, weil Menschen eher Menschen glauben als Logos.
Employee Advocacy oder Corporate Influencer?
Advocacy
Corp. Influencer
Wer
Viele
Wenige
Was
Teilen
Selbst posten
Aufwand
Minuten
Stunden
Bei Employee Advocacy teilen viele Mitarbeitende fertige Inhalte der Firma. Corporate Influencer sind wenige ausgewählte Leute, die mit eigener Stimme und eigenen Inhalten auftreten. Beides ergänzt sich gut: Advocacy schafft Breite, Corporate Influencer schaffen Tiefe.
Verwandt sind auch Social Selling, bei dem Vertriebsleute über Social Media Beziehungen aufbauen, und Employer Branding, das Ziel, als Arbeitgeber attraktiv zu wirken. Employee Advocacy ist für beide ein Werkzeug.
Was bringt es wirklich?
Ehrliche Antwort: Unabhängige, aktuelle Zahlen gibt es kaum. Die bekanntesten stammen von LinkedIn aus dem Jahr 2017. Danach ist die Klickrate doppelt so hoch, wenn Mitarbeitende einen Inhalt teilen, statt das Unternehmen. Und: Nur 3 % der Mitarbeitenden teilen Inhalte, erzeugen aber 30 % des gesamten Engagements eines Unternehmens.
Fallstudie · Versicherung
Gallagher, laut LinkedIn
unter 1.000
Teilnehmende am Start
über 7.000
nach zwei Jahren
Rund siebenmal so viele aktive Teiler
LinkedIn-Fallstudie von 2021, bei über 25.000 Mitarbeitenden auf LinkedIn. Das genutzte LinkedIn-Werkzeug gibt es inzwischen nicht mehr.
Fallstudie · Gesundheit
Athletico, laut Hootsuite
+40 %
Reichweite
79 %
Beteiligungsquote
Hohe Beteiligung als Erfolgsfaktor
Angaben des Tool-Anbieters. Solche Fallstudien zeigen, was möglich ist, nicht was normal ist.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Teilen zur Pflicht machen
Advocacy lebt von Freiwilligkeit. Wer das Teilen anordnet, bekommt lustlose Posts und genervte Leute. Lade ein, erkläre den Nutzen, feiere die, die mitmachen.
Fehler 2 · Ohne Richtlinie starten
Laut einer Umfrage des Anbieters DSMN8 von 2024 hatte ein Drittel der Teilnehmenden weder Schulung noch Social-Media-Richtlinie bekommen. Das ist auch rechtlich riskant: Das Landgericht Freiburg ließ 2013 ein Autohaus für den werblichen Facebook-Post eines Verkäufers auf dessen Privatprofil haften — obwohl die Firma nichts davon wusste.
Fehler 3 · Alle posten denselben Text
Zwanzig identische Posts in einer Timeline wirken wie Spam. Gib Vorlagen als Anregung, nicht als Pflichttext. Ein Satz in eigenen Worten macht den Unterschied.
Fehler 4 · Auf LinkedIns Funktion setzen
LinkedIn hat seine Advocacy-App Elevate 2020 eingestellt und den Tab „My Company“ samt Advocacy-Bereich ab November 2024 abgeschaltet. Ältere Ratgeber empfehlen ihn noch. Heute brauchst du ein externes Tool oder einen einfachen eigenen Prozess.
So startest du — auch im kleinen Team
- Richtlinie schreiben: Eine Seite reicht. Was darf geteilt werden, was nicht, wie wird Werbung gekennzeichnet?
- Inhalte bereitstellen: Ein Kanal im Team-Chat mit zwei, drei teilbaren Inhalten pro Woche genügt am Anfang.
- Vorbild sein: Wenn die Geschäftsführung mitmacht, machen andere eher mit.
- Messen: Wie viele teilen, wie viele Klicks und Anfragen kommen über die Profile?
- Später ein Tool: Wenn es mehr Teilnehmende werden, helfen Plattformen wie Haiilo, Sprout Social, Hootsuite oder DSMN8.
Rechtlich gilt: Werbung muss als Werbung erkennbar sein (§ 6 DDG, § 5a UWG). Postet jemand ein konkretes Angebot mit Preis für seinen Arbeitgeber, sollte das klar als Werbung erkennbar sein. Für den Einzelfall frag einen Anwalt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zu Corporate Influencern?
Bei Employee Advocacy teilen viele Mitarbeitende Inhalte, die das Unternehmen bereitstellt. Corporate Influencer sind wenige Personen, die mit eigenen Inhalten und eigener Stimme für das Unternehmen auftreten. Das eine bringt Breite, das andere Tiefe.
Gibt es bei LinkedIn noch eine kostenlose Advocacy-Funktion?
Nein. LinkedIn hat den Tab „My Company“ mit dem Advocacy-Bereich ab November 2024 schrittweise eingestellt, die App Elevate schon 2020. Du brauchst heute ein eigenes Tool oder einen einfachen Prozess, etwa einen Kanal im Team-Chat.
Lohnt sich Employee Advocacy für kleine Firmen?
Ja, gerade dort. Fünf Mitarbeitende mit je 500 Kontakten erreichen oft mehr Menschen als eine junge Firmenseite. Ein Tool brauchst du dafür nicht, eine kurze Richtlinie und regelmäßig teilbare Inhalte reichen.
Müssen Mitarbeitende Posts als Werbung kennzeichnen?
Werbliche Posts mit konkretem Angebot oder Preis sollten klar als Werbung erkennbar sein, das verlangen § 6 DDG und § 5a UWG. Ob der Bezug zum Arbeitgeber schon aus dem Profil ersichtlich ist, hängt vom Einzelfall ab. Eine Richtlinie schafft Klarheit.
Wie messe ich den Erfolg?
Zähl, wie viele Mitarbeitende teilen und wie oft, und welche Reichweite, Klicks und Anfragen über ihre Profile kommen. UTM-Parameter in den geteilten Links zeigen dir in der Webanalyse, was wirklich ankommt.