Was ist Card Sorting?
Beim Card Sorting, auf Deutsch Kartensortierung, bekommen Testpersonen einen Stapel Karten. Auf jeder steht ein Inhalt deiner Website: eine Seite, ein Produkt, eine Funktion. Die Aufgabe: Sortier die Karten so in Gruppen, wie es für dich Sinn ergibt. Oft sollen die Leute ihre Gruppen auch benennen.
Die Nielsen Norman Group, eine der bekanntesten UX-Beratungen, beschreibt die Methode genau so. Heraus kommt ein Blick in die Köpfe deiner Nutzer: welche Inhalte zusammengehören und welche Wörter sie dafür benutzen. Das ist das Rohmaterial für deine Informationsarchitektur, also Struktur, Menü und Benennung deiner Seite.
Das Schöne daran: Du brauchst weder ein Design noch einen Prototyp. Ein Stapel Karteikarten oder ein Online-Tool reicht.
Offen, geschlossen, hybrid
Variante
So läuft es
Offen
Testpersonen bilden und benennen eigene Gruppen.
Geschlossen
Die Gruppen sind vorgegeben, nur zuordnen.
Hybrid
Einige Gruppen vorgegeben, eigene erlaubt.
Laut NN/g ist das offene Card Sorting die häufigste und meist empfohlene Variante. Für das Prüfen einer fertigen Struktur rät NN/g eher zum Tree Testing als zum geschlossenen Sort. Die hybride Form lohnt sich nur, wenn du dir bei ein, zwei Kategorien schon sicher bist.
Dazu kommt die Frage, ob jemand dabei ist. Moderiert sitzt du daneben und fragst nach: „Warum liegt das hier?“ Das liefert Gründe. Unmoderiert läuft es online über ein Tool. Das liefert Zahlen, weil mehr Leute mitmachen können.
Wie viele Teilnehmer und Karten?
Die bekannteste Zahl stammt aus einer Studie von Tullis und Wood von 2004, über die Jakob Nielsen berichtet hat. Verglichen wurde, wie gut kleine Gruppen das Ergebnis aller 168 Teilnehmenden treffen.
Beispiel A
Kleine Runde
5
Teilnehmende
0,75
Korrelation
Schon wenige Personen zeigen die grobe Richtung, aber mit Lücken.
Beispiel B
Empfohlene Runde
15
Teilnehmende
0,90
Korrelation
Ab hier bringt jede weitere Person nur noch wenig dazu.
Mit 30 Personen stieg der Wert auf 0,95, mit 60 auf 0,98. Nielsen empfiehlt deshalb 15 Teilnehmende für die meisten Projekte. NN/g nennt heute mindestens 15 für einen qualitativen und 30 bis 50 für einen quantitativen Card Sort, bei dem du belastbare Zahlen willst.
Bei den Karten empfiehlt NN/g 30 bis 50 Stück. Darüber werden die Leute müde und werfen Reste in einen großen Topf „Sonstiges“. Tool-Anbieter wie Optimal Workshop nennen bis zu 60 Karten und rund 10 bis 15 Minuten Dauer online.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Gleiche Wörter auf mehreren Karten
Stehen „Versand“ auf drei Karten, landen die drei zusammen. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Worts. Formuliere die Karten so, dass jede für sich verständlich ist und keine Schlüsselwörter teilt.
Fehler 2 · Zu viele Karten, gemischte Ebenen
Mehr als 50 bis 60 Karten ermüden. Und mischst du Oberbegriffe mit Unterbegriffen, etwa „Schuhe“ neben „Sneaker“, weiß niemand, wohin damit. Halte alle Karten auf derselben Ebene.
Fehler 3 · Gruppennamen direkt ins Menü kopieren
Die Namen aus einem offenen Sort sind Hinweise, keine fertigen Menüpunkte. Fünfzehn Leute schreiben fünfzehn Varianten. Leite daraus Begriffe ab und prüf die neue Struktur danach mit einem Tree Test.
So machst du deinen ersten Card Sort
- Inhalte sammeln: 30 bis 50 wichtige Seiten oder Themen auf Karten schreiben, in der Sprache deiner Kunden.
- Variante wählen: Neue Seite oder Relaunch? Offen. Bestehende Struktur prüfen? Lieber Tree Testing.
- Leute finden: 15 Personen aus deiner Zielgruppe, nicht dein Team.
- Auswerten: Die Similarity Matrix zeigt, wie viel Prozent zwei Karten zusammengelegt haben. Das Dendrogramm zeigt die Gruppen als Baum.
- Prüfen: Neue Navigation per Tree Test oder Usability-Test gegenchecken.
Online helfen Tools wie OptimalSort von Optimal Workshop, Maze oder UXtweak, die die Auswertung gleich mitliefern. Für einen Workshop reichen Haftnotizen oder ein Whiteboard-Tool wie Miro.
Häufige Fragen
Wie viele Teilnehmer braucht ein Card Sorting?
Für die meisten Projekte reichen rund 15 Personen. Willst du belastbare Zahlen, plan 30 bis 50 ein, wie die Nielsen Norman Group empfiehlt.
Wie viele Karten sind sinnvoll?
Rund 30 bis 50, höchstens etwa 60. Bei mehr Karten ermüden die Teilnehmenden und die Ergebnisse werden ungenau.
Wann nehme ich offenes, wann geschlossenes Card Sorting?
Offen, wenn du eine Struktur neu entwickelst. Willst du eine bestehende Struktur prüfen, ist Tree Testing meist besser als ein geschlossener Sort.
Was ist der Unterschied zwischen Card Sorting und Tree Testing?
Card Sorting zeigt, wie Nutzer Inhalte gruppieren und benennen. Tree Testing prüft, ob sie in einer fertigen Menüstruktur finden, was sie suchen.
Wie lange dauert ein Card Sort?
Online rund 10 bis 15 Minuten pro Person, laut Angaben der Tool-Anbieter. Moderierte Sitzungen dauern länger, weil du nachfragst.