Was ist Rendering?
Wenn du eine Website öffnest, bekommt dein Browser zuerst nur Code: HTML, CSS, JavaScript. Erst wenn er das alles verarbeitet hat, siehst du Texte, Bilder und Buttons. Dieser Schritt heißt Rendering.
Suchmaschinen müssen dasselbe tun. Google beschreibt seine Verarbeitung in drei Phasen: Crawling, Rendering, Indexierung. Der Googlebot holt das rohe HTML. Dann rendert ein Headless-Chromium, also ein Chrome ohne Bildschirm, die Seite und führt das JavaScript aus. Erst was dabei herauskommt, landet im Index.
Das System dahinter heißt Web Rendering Service (WRS). Laut Google arbeitet es wie ein moderner Browser, lädt JavaScript, CSS und Datenabfragen nach, aber keine Bilder und Videos. Und es merkt sich nichts: Local Storage und Sitzungsdaten werden zwischen den Abrufen gelöscht.
Wie Google rendert
Seit Mai 2019 ist der Googlebot „evergreen“: Er rendert mit einer laufend aktualisierten Chromium-Version. Moderne JavaScript-Funktionen versteht er also. Die Frage ist eher, wann er dazu kommt.
Google selbst sagt nur: Die Warteschlange fürs Rendering dauert ein paar Sekunden, kann aber länger dauern. Genauer hat es Vercel mit dem Datenanalysten MERJ gemessen, an über 37.000 gerenderten Seiten im April 2024:
Anteil der Seiten
Zeit bis gerendert
Hälfte (Median)
10 Sekunden
75 %
26 Sekunden
90 %
rund 3 Stunden
99 %
rund 18 Stunden
Alle auswertbaren HTML-Seiten wurden vollständig gerendert. Die Messung stammt allerdings von nextjs.org, einer großen, technisch sauberen Website, und Vercel verkauft selbst Rendering-Lösungen. Für eine kleine Seite mit wenig Crawl-Budget ist das eine Orientierung, kein Versprechen. Die oft gehörte „zweite Welle nach Wochen“ belegt die Messung jedenfalls nicht.
Eine Grenze gibt es: Der Googlebot verarbeitet je URL höchstens 2 MB, Header eingeschlossen (Stand 2026). Was darüber liegt, wird laut Google weder geladen noch gerendert noch indexiert. Die Grenze gilt für jede nachgeladene JavaScript- und CSS-Datei einzeln.
Was KI-Crawler sehen
Hier wird es für dich spannend. Vercel und MERJ haben im Dezember 2024 die Crawler der KI-Anbieter ausgewertet. Ergebnis: Keiner der großen KI-Crawler führt JavaScript aus. Genannt werden GPTBot, OAI-SearchBot und ChatGPT-User von OpenAI, ClaudeBot von Anthropic, PerplexityBot, Meta-ExternalAgent und Bytespider. Rendern tun nur Gemini, weil es Googles Infrastruktur nutzt, und AppleBot.
Die Crawler von OpenAI laden zwar bei 11,5 % ihrer Abrufe JavaScript-Dateien herunter, die von Anthropic bei knapp 24 %. Ausgeführt wird davon nichts. Und das Volumen ist nicht klein: GPTBot kam auf 569 Millionen Abrufe im Monat, Claude auf 370 Millionen.
Szenario A · Shop mit Client-Side Rendering
Produkttexte entstehen erst im Browser
10 s
Median bis Google rendert
0
Text für GPTBot und ClaudeBot
Bei Google sichtbar, in ChatGPT und Claude praktisch unsichtbar
Typisches Szenario, keine Fallstudie. Werte aus den Vercel/MERJ-Analysen 2024. Gegenmittel: Server-Side Rendering oder statische Seiten.
Szenario B · noindex per JavaScript entfernen
Die Seite soll erst nach dem Laden indexierbar werden
noindex
im ersten HTML
0
Rendering durch Google
Google rendert gar nicht erst, die Seite bleibt draußen
Steht noindex schon im ausgelieferten HTML, überspringt Google das Rendering. Das Skript, das es entfernen soll, läuft nie.
Welche Rendering-Variante passt?
- Server-Side Rendering (SSR): Der Server liefert fertiges HTML aus. Jeder Bot sieht den Inhalt sofort.
- Static Rendering: Beim Bauen der Website entsteht für jede URL eine fertige HTML-Datei. Schnell und robust, ideal für Inhalte, die sich selten ändern.
- Hydration: Der Server liefert HTML, JavaScript macht es danach interaktiv. Das Beste aus beiden Welten.
- Client-Side Rendering (CSR): Der Server schickt ein fast leeres Gerüst, der Browser baut alles. Riskant für SEO und fatal für KI-Crawler.
- Dynamic Rendering: Bots bekommen eine vorgerenderte Fassung, Menschen die JavaScript-Fassung. Google nennt das ausdrücklich einen Workaround, keine empfohlene Lösung.
Klassische WordPress-Seiten sind übrigens kein Problem: PHP erzeugt das HTML auf dem Server. Kritisch wird es bei Single-Page-Apps mit React, Vue oder Angular ohne Server-Rendering und bei Shop-Systemen, die Produktdaten erst im Browser nachladen. Dynamic Rendering ist kein Cloaking, solange beide Fassungen ähnlichen Inhalt zeigen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Wichtiges nur per JavaScript ausliefern
Title, Meta-Description, Canonical, Haupttext und Links gehören ins erste HTML. Links brauchen ein echtes Link-Element mit href, ein Klick-Ereignis auf einem beliebigen Seitenelement ist für Crawler kein Link.
Fehler 2 · JavaScript und CSS in der robots.txt sperren
Was Google nicht laden darf, kann es nicht rendern. Dann sieht der Googlebot eine kaputte oder leere Seite, obwohl sie im Browser tadellos aussieht.
Fehler 3 · Jede URL mit Status 200 beantworten
Single-Page-Apps zeigen „Seite nicht gefunden“ oft mit Status 200. Das ist ein Soft 404, und Google schickt jede dieser Seiten in die Rendering-Warteschlange. Echte Fehlerseiten brauchen echte Statuscodes.
Fehler 4 · Nur an Google denken
„Google kann doch JavaScript“ stimmt. Für Sichtbarkeit in ChatGPT, Claude oder Perplexity reicht das aber nicht. Wer dort genannt werden will, liefert seinen Inhalt im HTML.
So prüfst du, was ankommt
- URL-Prüfung in der Google Search Console: „Live-URL testen“, dann „Getestete Seite anzeigen“. Du siehst gerendertes HTML, Screenshot, JavaScript-Fehler und blockierte Ressourcen.
- Quelltext gegen DOM: Rechtsklick „Seitenquelltext anzeigen“ zeigt, was ein KI-Crawler bekommt. Die Entwicklertools zeigen, was nach dem Rendering dasteht. Fehlt dein Haupttext im Quelltext, hast du ein Problem.
- Screaming Frog SEO Spider: Rendering auf „JavaScript“ stellen und mit dem Crawl ohne JavaScript vergleichen.
- Logfile-Analyse: Welche Bots kommen überhaupt, und welche Seiten rufen sie ab?
Häufige Fragen
Kann Google JavaScript lesen?
Ja. Der Googlebot rendert seit 2019 mit einer laufend aktualisierten Chromium-Version und führt JavaScript aus. Google weist aber selbst darauf hin, dass nicht alle Bots JavaScript ausführen können. Inhalte im ausgelieferten HTML sind deshalb immer die sicherere Wahl.
Wie lange dauert es, bis Google eine Seite rendert?
Laut Google meist wenige Sekunden, manchmal länger. Eine Messung von Vercel und MERJ aus dem Jahr 2024 ergab einen Median von 10 Sekunden; 90 % der Seiten waren nach rund 3 Stunden gerendert, 99 % nach rund 18 Stunden.
Sehen ChatGPT, Claude und Perplexity meine JavaScript-Inhalte?
Nach einer Analyse von Vercel und MERJ vom Dezember 2024 nein. Die Crawler von OpenAI, Anthropic, Perplexity und Meta führen kein JavaScript aus. Gerendert haben nur Gemini über Googles Infrastruktur und AppleBot.
Sollte ich Dynamic Rendering nutzen?
Nein. Google nennt Dynamic Rendering einen Workaround und keine empfohlene Lösung. Besser sind Server-Side Rendering, Static Rendering oder Hydration, weil dann jeder Besucher und jeder Bot dasselbe fertige HTML bekommt.
Haben WordPress-Seiten ein Rendering-Problem?
In der Regel nicht. WordPress erzeugt das HTML auf dem Server, Texte und Links stehen also schon im Quelltext. Prüfen solltest du nur Bereiche, die per JavaScript nachgeladen werden, etwa Produktfilter, Bewertungs-Widgets oder Inhalte in Tabs von Zusatz-Plugins.