Was ist ein Stockfoto?
Du brauchst bis morgen ein Bild für den Blogartikel und hast keinen Fotografen. Also: Bilddatenbank auf, Suchbegriff rein, Download. Das Bild ist ein Stockfoto — ein Foto, das schon da war, bevor du es gebraucht hast.
Der wichtigste Punkt: Du kaufst nicht das Bild, sondern ein Nutzungsrecht, also eine Lizenz. Die Rechte bleiben bei der Agentur oder beim Fotografen. Die Lizenz legt fest, wo, wie oft und wofür du das Bild verwenden darfst.
Es gibt zwei Welten:
- Kostenpflichtige Datenbanken: Adobe Stock, iStock und Getty Images, Shutterstock, Depositphotos. Große Auswahl, klare Lizenzen, teils mit Haftungsschutz.
- Gratis-Plattformen: Unsplash, Pexels, Pixabay. Kostenlos, auch für Werbung — aber mit eigenen Regeln.
Was heißt „lizenzfrei“?
„Lizenzfrei“ (englisch royalty-free) ist das häufigste und am meisten missverstandene Wort. Es heißt nicht gratis und nicht frei von Regeln. Es heißt: einmal zahlen, dann ohne weitere Gebühr pro Nutzung — innerhalb der Grenzen der Lizenz.
Lizenz
Was sie erlaubt
Standard
Website, Social Media, Werbung; Druck bis 500.000 Kopien
Erweitert
höhere Auflagen, Produkte zum Weiterverkauf
Redaktionell
nur Berichterstattung, keine Werbung
So handhaben es Adobe Stock und iStock (Stand Oktober 2026). Bei beiden ist die Standardlizenz für Website und Social Media ohne Grenze bei den Aufrufen. Für T-Shirts, Tassen oder Poster, bei denen das Bild den Hauptwert ausmacht, brauchst du die erweiterte Lizenz. iStock deckelt selbst dann noch: höchstens 2.000 T-Shirts oder 10.000 Tassen.
Redaktionelle Bilder zeigen oft echte Marken, Prominente oder Ereignisse. Sie sind nur für Berichte über Themen von öffentlichem Interesse gedacht. In einer Anzeige haben sie nichts zu suchen.
Unsplash und Pexels: gratis, aber nicht grenzenlos
Beide Plattformen erlauben kostenlose Nutzung, auch kommerziell, ohne Namensnennung. Verboten ist aber unter anderem:
- unveränderte Bilder zu verkaufen, etwa als Poster
- erkennbare Personen negativ darzustellen (Pexels)
- den Eindruck zu erwecken, abgebildete Personen oder Marken empfehlen dein Produkt (Pexels)
- ein Bild als Teil deiner Marke oder deines Logos zu nutzen (Pexels)
Und: Gratis-Plattformen geben dir keinen Lizenzbeleg pro Bild und keinen Haftungsschutz. iStock dagegen sichert dich bei der Standardlizenz mit bis zu 10.000 US-Dollar pro Bild ab, falls doch jemand Rechte geltend macht.
Wann brauchst du einen Bildnachweis?
Nach § 13 Urheberrechtsgesetz hat jeder Urheber das Recht, genannt zu werden. Viele Stock-Lizenzen verzichten aber darauf:
- iStock und Adobe Stock, kommerziell: kein Nachweis nötig.
- Redaktionelle Nutzung: Nachweis Pflicht, etwa „iStock.com/Künstlername“.
- Unsplash und Pexels: nicht nötig, aber erwünscht.
- Bild ohne klare Lizenz gefunden: Finger weg.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Die Klischee-Bilder
Händeschütteln, die Frau mit Headset, das lachende Team am Whiteboard. Die Nielsen Norman Group fand schon 2010 in Eyetracking-Studien: Fotos von beliebigen Models werden übersehen, Fotos echter Mitarbeitender angeschaut. Jedes Bild, das auch auf der Website deiner Konkurrenz stehen könnte, ist verschenkt.
Fehler 2 · Die Lizenz nicht dokumentieren
Drei Jahre später kommt eine Abmahnung — und du weißt nicht mehr, woher das Bild stammt. Leg zu jedem Bild Lizenzbeleg, Bild-ID, Download-Datum und Konto ab. Bei Gratis-Plattformen einen Screenshot von Bildseite und Lizenz.
Fehler 3 · Stockfoto im Logo
iStock und Pexels verbieten ausdrücklich, ein Stockfoto zum prägenden Teil einer Marke oder eines Logos zu machen. Logisch: Dasselbe Motiv kann jeder andere auch lizenzieren.
Fehler 4 · Sensible Themen ohne Hinweis
Zeigst du ein Model in einem heiklen Zusammenhang — Krankheit, Schulden, Sucht —, verlangt iStock einen Hinweis wie „Agenturfoto. Mit Model gestellt.“ Sonst sieht es aus, als sei die abgebildete Person selbst betroffen.
So nutzt du Stockfotos richtig
- Erst die Bildsprache, dann die Suche: Licht, Farben und Motive festlegen und nur Bilder wählen, die dazu passen.
- Echte Szenen statt Posen suchen — Hände bei der Arbeit, Details, Orte.
- Einheitlich bearbeiten, damit Stockfotos und eigene Bilder zusammenpassen.
- Lizenz prüfen, bevor ein Bild auf Flyer, Produkt oder Logo landet.
- Alt-Text schreiben und die Datei sinnvoll benennen.
Häufige Fragen
Darf ich Unsplash- und Pexels-Bilder kommerziell nutzen?
Ja, beide erlauben die kostenlose Nutzung auch für Werbung und ohne Namensnennung. Nicht erlaubt ist unter anderem, die Bilder unverändert zu verkaufen. Pexels verbietet außerdem, Personen negativ darzustellen oder eine Empfehlung durch Abgebildete vorzutäuschen.
Muss ich bei Stockfotos einen Bildnachweis angeben?
Kommt auf die Lizenz an. Bei kommerziell lizenzierten Bildern von Adobe Stock und iStock nicht, bei redaktionellen Bildern dagegen schon. Unsplash und Pexels verlangen keinen, freuen sich aber darüber. Bei allem anderen gilt: Lizenz lesen. Keine Rechtsberatung.
Was ist der Unterschied zwischen Standard- und erweiterter Lizenz?
Die Standardlizenz deckt Website, Social Media und Werbung ab, im Druck bis zu 500.000 Kopien. Die erweiterte Lizenz erlaubt höhere Auflagen und Produkte zum Weiterverkauf wie T-Shirts oder Tassen, bei denen das Bild den Hauptwert ausmacht.
Was droht, wenn ich ein Bild ohne Lizenz nutze?
Meist eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung, Schadensersatz in Höhe einer üblichen Lizenzgebühr und Anwaltskosten. Fehlt eine nötige Urhebernennung, kann laut Bundesgerichtshof ein Zuschlag dazukommen. Deshalb: nur Bilder mit klarer Lizenz, und die Lizenz ablegen.
Sind KI-Bilder eine Alternative zu Stockfotos?
Für Hintergründe und Illustrationen oft ja. Viele Datenbanken bieten inzwischen eigene KI-Generatoren an. Bei realistisch wirkenden Bildern von Menschen solltest du aber vorsichtig sein: Ab August 2026 verlangt die EU-KI-Verordnung, täuschend echte KI-Bilder offenzulegen.