Was ist Share of Search?
Share of Search beantwortet eine einfache Frage: Wenn Menschen in deiner Branche nach einer Marke googeln — wie oft ist es deine?
Gemeint ist der Anteil deiner Marke an allen Markensuchen deiner Kategorie. Suchen 1.000 Leute im Monat nach Fahrradmarken und 150 davon nach deiner, liegt dein Share of Search bei 15 %. Auf Deutsch sagt man auch Suchanteil.
Bekannt gemacht hat die Kennzahl der britische Werbe-Effektivitätsforscher Les Binet. Er stellte sie 2020 beim Verband IPA vor — als schnellen, billigen Ersatz für teure Marktforschung. Gezählt werden nur organische Suchen, also das, was Leute selbst eintippen. Anzeigen und Klicks spielen keine Rolle.
Wie wird Share of Search berechnet?
Standard-Formel
SoS = Suchen nach deiner Marke ÷ Suchen nach allen Marken × 100
Beispiel: 2.000 Suchen nach deiner Marke, 3.000 nach drei Wettbewerbern zusammen → 2.000 ÷ 5.000 × 100 = 40 %
Wichtig: Deine eigene Marke gehört mit in den Nenner. Woher du die Zahlen bekommst:
- Google Trends: kostenlos, zeigt Indexwerte von 0 bis 100 statt echter Suchzahlen. Für die Formel reicht das — es kommt nur auf das Verhältnis an.
- Google Keyword-Planer: geschätzte monatliche Suchanfragen je Markenname.
- SEO-Tools: SISTRIX, Semrush, Ahrefs oder DataForSEO liefern Suchvolumen je Keyword. Eine fertige Share-of-Search-Funktion haben sie nicht — du summierst selbst.
Was sagt der Share of Search aus?
Binets Kernbefund: Share of Search und Marktanteil laufen zusammen — und der Suchanteil bewegt sich zuerst. Getestet hat er das an drei Branchen. Der Vorlauf war je nach Kaufentscheidung unterschiedlich lang:
Branche
Vorlauf
Autos
bis zu 12 Monate
Handys
bis zu 6 Monate
Energie
bis zu 3 Monate
Die Logik dahinter: Je länger Menschen über einen Kauf nachdenken, desto früher fangen sie an zu suchen. Beim Auto fängt die Recherche Monate vor dem Autohaus an, beim Stromvertrag kurz vor dem Wechsel.
Daraus folgt eine zweite Kennzahl: Liegt dein Suchanteil über deinem Marktanteil, ist eher Wachstum zu erwarten. Binet nennt die Differenz Excess Share of Search. Liegt er darunter, verlierst du wahrscheinlich bald Anteile.
Beispiele aus der Praxis
Studie A · Automarkt
Les Binets Auto-Analyse
23
Marken
920
Quartalswerte 2004–2015
Suchanteil läuft dem Marktanteil bis zu 12 Monate voraus
Bei Marken wie Audi, Hyundai oder Fiat sagte der Excess Share of Search von vor einem Jahr das Wachstum im Folgejahr voraus.
Studie B · Getränke UK
Britische Getränkemarken 2018–2021
74,6 %
Ø Korrelation mit Absatz
12
Monate geglättet
Enger Zusammenhang zwischen Suchen und verkauften Mengen
Auswertung des Tool-Anbieters MyTelescope mit Wochendaten — ein Anbieter mit eigenem Interesse, die Richtung deckt sich aber mit Binet.
Beide Studien zeigen Zusammenhänge, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Mehr Suchen machen nicht automatisch mehr Umsatz. Sie zeigen aber früh, wohin die Reise geht.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Abfragen getrennt addieren
Drei Marken einzeln in Google Trends nachschlagen und die Werte zusammenzählen ergibt Unsinn. Jede Abfrage hat ihre eigene 100. Alles in eine Abfrage.
Fehler 2 · Mehrdeutige Markennamen
Heißt deine Marke wie ein Alltagswort — „Mini“, „Smart“, „Apple“ — zählst du jede Suche nach dem Wort mit. Nimm dann in Google Trends das „Thema“ statt des Suchbegriffs oder gefilterte Keywords aus einem SEO-Tool.
Fehler 3 · Jede Suche als gutes Zeichen werten
Ein Rückruf, ein Shitstorm, eine Panne — und die Markensuchen schießen hoch. Gekauft wird deshalb nichts. Schau bei Ausschlägen immer nach, warum gesucht wurde.
Fehler 4 · Wochenwerte ernst nehmen
Suchen schwanken mit Ferien, Wetter und Nachrichten. Aussagekraft bekommt die Kennzahl erst als gleitender Durchschnitt über mehrere Monate.
So setzt du Share of Search ein
- Wettbewerbsfeld festlegen: Welche vier bis sieben Marken würde ein Kunde ernsthaft vergleichen? Die kommen in den Nenner — und bleiben drin.
- Monatlich messen: Gleiche Abfrage, gleiche Region, gleiche Marken. Nur so wird die Entwicklung sichtbar.
- Mit Werbung abgleichen: Steigt dein Suchanteil nach einer Kampagne, hat sie Nachfrage erzeugt. Der Gegenpart auf der Ausgabenseite ist der Share of Voice.
- Neben Brand Awareness stellen: Befragungen messen Bekanntheit, der Suchanteil die Bekanntheit, die zum Suchen führt.
Häufige Fragen
Wie berechne ich Share of Search mit Google Trends?
Gib alle Marken deines Wettbewerbsfelds in eine einzige Abfrage ein, gleiche Region, gleicher Zeitraum. Summiere die Indexwerte eines Monats und teile den Wert deiner Marke durch die Summe. Mal 100 ergibt deinen Suchanteil in Prozent.
Wie viel Vorlauf hat Share of Search vor dem Marktanteil?
Je nach Branche unterschiedlich. In Les Binets Analysen waren es bei Autos bis zu zwölf Monate, bei Handys bis zu sechs und bei Energieverträgen bis zu drei. Je länger Leute über den Kauf nachdenken, desto größer der Vorlauf.
Was ist der Unterschied zu Share of Voice?
Share of Voice misst deinen Anteil am Werbedruck einer Branche — also was du hineinsteckst. Share of Search misst deinen Anteil an der Nachfrage — also was herauskommt. Mehr Werbedruck hebt in der Regel auch den Suchanteil.
Funktioniert Share of Search für kleine Marken?
Mit Einschränkungen. Begriffe mit sehr wenig Suchen zeigt Google Trends als null. Dann helfen Suchvolumen aus SEO-Tools, das Trends-„Thema“ statt des Suchbegriffs oder ein Vergleich mit ähnlich großen Wettbewerbern.
Zählen Klicks auf Anzeigen mit?
Nein. Share of Search zählt nur, wie oft Leute nach einer Marke suchen. Ob danach eine Anzeige oder ein organisches Ergebnis geklickt wird, spielt keine Rolle.