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Bleistiftskizze zum Begriff Brand Awareness
Content & Branding

Brand Awareness

Wie viele Menschen deine Marke kennen — und ob sie ihnen einfällt, wenn es darauf ankommt. Schwer zu greifen, aber die Voraussetzung dafür, dass Werbung später überhaupt wirkt.

Auch bekannt alsMarkenbekanntheitBrand-AwarenessMarkenbewusstsein

5 Min

Lesezeit

24.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Brand Awareness?

Brand Awareness beantwortet eine schlichte Frage: Fällt den Leuten dein Name ein, wenn sie brauchen, was du anbietest?

Auf Deutsch heißt das Markenbekanntheit. Der Marketing-Forscher Kevin Lane Keller hat 1993 zwei Formen unterschieden, mit denen bis heute gearbeitet wird:

  • Wiedererkennung (Brand Recognition): Jemand sieht deinen Namen oder dein Logo und weiß, dass er dir schon begegnet ist. In Umfragen heißt das gestützte Bekanntheit.
  • Erinnerung (Brand Recall): Jemand hört nur die Kategorie — „Steuerberater in Rostock“ — und nennt dich von selbst. Das ist die ungestützte Bekanntheit.
  • Top of Mind: Du bist die erste Marke, die genannt wird. Das gilt als höchste Stufe.

Wie misst du Markenbekanntheit?

Große Marken buchen Brand-Lift-Studien bei den Werbeplattformen. Google verlangt dafür in Deutschland mindestens 15.000 US-Dollar Budget in zehn Tagen, Meta 110.000 US-Dollar. Für kleine Unternehmen scheidet das meist aus. Es geht auch günstiger:

Methode

Zeigt dir

Umfrage

Gestützte und ungestützte Bekanntheit

Marken-Suchen

Wie viele gezielt nach dir suchen

Share of Search

Deinen Anteil an den Suchen der Branche

Direkte Zugriffe

Wer deine Adresse schon kennt

Share of Search geht auf den britischen Werbeforscher Les Binet zurück. Die Daten dafür liefert Google Trends kostenlos.

Share of Search

Suchen nach deiner Marke ÷ Suchen nach allen Marken der Kategorie × 100

Beispiel: 1.200 Suchen nach dir, 12.000 nach allen Anbietern zusammen → 10 %

Woher du die Zahlen bekommst:

  • Google Trends: kostenlos. Du vergleichst deinen Markennamen mit denen der Wettbewerber und trägst die Indexwerte ein.
  • Google Search Console: zeigt, wie oft deine Seite bei Suchen nach deinem Namen erschien. Das gilt nur für deine eigene Marke.
  • Keyword-Planer von Google Ads: nennt das monatliche Suchvolumen für jeden Begriff, auch für fremde Markennamen.
  • Keyword-Tools wie SISTRIX, Ahrefs oder Semrush: liefern das Suchvolumen für alle Markennamen deiner Branche auf einen Blick.

Binet zeigte 2020 für Autos, Energie und Handys: Der Anteil an den Suchen läuft dem Marktanteil voraus, bei Autos um bis zu ein Jahr. Ein perfekter Vorhersagewert sei das nicht, sagt er selbst. Und Google Trends zeigt bei wenig Suchvolumen oft null.

Lohnt sich das für kleine Unternehmen?

Ja — weil die meisten deiner künftigen Kunden heute gar nicht kaufen wollen. Der Forscher John Dawes hat dafür die 95-5-Regel geprägt: Firmen wechseln etwa ihre Bank oder Kanzlei rund alle fünf Jahre. Pro Quartal sind also nur etwa 5 % auf der Suche. Die anderen 95 % erreichst du nur über Erinnerung.

Wie viel Budget in Bekanntheit gehört, haben Les Binet und Peter Field an 996 Kampagnen untersucht. Ihr Durchschnitt: rund 60 % für den Markenaufbau, 40 % für kurzfristige Verkaufswerbung. Je nach Branche schwankt das Verhältnis aber zwischen 48:52 und 80:20. Im Geschäft mit Firmenkunden liegt es eher bei 46:54.

Bei Meta gibt es dafür das Kampagnenziel „Bekanntheit“. Es spielt Anzeigen an Menschen aus, die sich wahrscheinlich daran erinnern. Bezahlt wird nach Einblendungen, nicht nach Klicks.

Beispiele aus der Praxis

Zwei Rechnungen: eine Umfrage, wie sie ein kleiner Betrieb selbst machen kann, und die 95-5-Regel in Zahlen.

Case A · Umfrage

Handwerksbetrieb befragt 400 Menschen in der Region

48

nennen ihn von selbst

140

erkennen ihn in der Liste

Ungestützt 12 %, gestützt 35 %

Konstruiertes Beispiel. Bei 400 Befragten schwankt so ein Wert um rund drei Punkte — kleine Veränderungen sagen wenig.

Case B · Firmenkunden

Kunden wechseln etwa alle fünf Jahre den Anbieter

20 %

pro Jahr im Markt

5 %

pro Quartal im Markt

95 % kaufen gerade nicht

Nach John Dawes, Ehrenberg-Bass-Institut. Eine Faustformel, kein Messwert.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Reichweite mit Bekanntheit verwechseln

10.000 erreichte Personen sind nicht 10.000, die sich erinnern. Meta trennt das selbst: Reichweite zählt, wer die Anzeige gesehen hat. Die Werbeerinnerung ist ein eigener, geschätzter Wert.

Fehler 2 · Zu früh an Verkäufen messen

Eine Bekanntheits-Kampagne, die nach vier Wochen keine Anfragen bringt, ist nicht gescheitert. Sie zielt auf die 95 %, die erst später kaufen. Miss sie an Marken-Suchen, nicht am Umsatz des Monats.

Fehler 3 · Follower zählen

Wer dir folgt, kennt dich schon. Über alle anderen sagt die Zahl nichts. Als Maß für Bekanntheit taugt sie deshalb kaum.

Fehler 4 · 60/40 als Gesetz nehmen

Die Regel ist ein Durchschnitt aus großen Kampagnen. Die Spanne nach Branche ist riesig. Nimm sie als Erinnerung, dass Markenaufbau überhaupt ein Budget braucht — nicht als Rechenvorschrift.

Wie baust du Brand Awareness auf?

  • Wiedererkennbar bleiben: gleicher Name, gleiche Farben, gleicher Ton — überall. Wer jedes Quartal anders aussieht, fängt jedes Quartal von vorn an.
  • Für eine Sache stehen: Menschen merken sich „die mit den Wärmepumpen“, nicht zwölf Leistungen.
  • Regelmäßig auftauchen: lieber jeden Monat ein bisschen als einmal im Jahr groß.
  • Dort sein, wo deine Zielgruppe ist: Vereinsheft, LinkedIn oder Suchmaschine — das entscheidet sie, nicht du.
  • Messen: einmal im Quartal die Marken-Suchen notieren.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen gestützter und ungestützter Bekanntheit?

Gestützt heißt: Die Befragten bekommen eine Liste mit Marken und sagen, welche sie kennen. Ungestützt heißt: Sie hören nur die Kategorie und nennen Marken von selbst. Der ungestützte Wert ist immer niedriger — und aussagekräftiger, weil im Alltag niemand eine Liste vorlegt.

Wie messe ich Markenbekanntheit mit kleinem Budget?

Mit drei Dingen: einer eigenen kleinen Umfrage, den Marken-Suchanfragen in der Search Console und dem Share of Search über Google Trends. Brand-Lift-Studien der Plattformen scheiden meist aus, sie setzen fünf- bis sechsstellige Budgets voraus. Der Marken-Filter der Search Console braucht allerdings ein gewisses Suchvolumen.

Ist Reichweite dasselbe wie Bekanntheit?

Nein. Reichweite zählt, wie viele Menschen eine Anzeige gesehen haben. Bekanntheit fragt, ob sie sich an die Marke erinnern. Meta weist die „Steigerung der Werbeerinnerung“ deshalb als eigenen Schätzwert aus — und empfiehlt für eine genaue Messung einen Brand-Lift-Test.

Was besagt die 60/40-Regel?

Sie stammt von Les Binet und Peter Field. Im Schnitt ihrer Daten wirkten Kampagnen am besten, wenn rund 60 % des Budgets in Markenaufbau und 40 % in kurzfristige Aktivierung flossen. Spätere Auswertungen zeigen je nach Branche Werte von 48:52 bis 80:20. Die Regel ist ein Richtwert, kein Gesetz.

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