Startseite > Lexikon > Marketing-Grundlagen & Strategie > Jobs to be Done

Bleistiftskizze zum Begriff Jobs to be Done
Marketing-Grundlagen & Strategie

Jobs to be Done

JTBD

Kunden kaufen kein Produkt, sie „heuern“ es an, um in einer Situation weiterzukommen. Wer diesen Job versteht, findet seine echte Konkurrenz — und die ist oft nicht die, die man denkt.

Auch bekannt alsJobs-to-be-DoneJobs-to-be-Done-Theorie

6 Min

Lesezeit

27.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Jobs to be Done?

Jobs to be Done dreht die übliche Marketing-Frage um. Statt „Wer ist mein Kunde?“ fragst du: Welchen Job will mein Kunde gerade erledigen — und wofür heuert er dafür mein Produkt an?

Der Harvard-Professor Clayton Christensen hat die Theorie bekannt gemacht. Ein Job ist für ihn der Fortschritt, den ein Mensch in einer bestimmten Situation erreichen will. Das Produkt ist nur das Werkzeug, das er dafür „anheuert“ — und wieder „feuert“, wenn etwas Besseres kommt.

Jeder Job hat laut Christensen Institute drei Seiten:

  • Funktional: Was soll erledigt werden? Ein Regal soll an die Wand.
  • Emotional: Wie will ich mich dabei fühlen? Nicht überfordert, ein bisschen stolz.
  • Sozial: Wie will ich vor anderen dastehen? Als jemand, der so was selbst kann.

Das Milchshake-Beispiel

Das bekannteste Beispiel stammt aus Christensens Arbeit für eine Fast-Food-Kette. Die wollte mehr Milchshakes verkaufen und fragte Kunden, wie der perfekte Shake schmecken soll. Die Antworten wurden umgesetzt — verkauft wurde nicht mehr.

Dann beobachtete das Team, wann und warum Leute Shakes kaufen. Ein großer Teil ging früh morgens über den Tresen, an Pendler allein im Auto. Ihr Job: eine lange, langweilige Fahrt überbrücken, mit einer Hand, ohne Krümel, und bis zum Mittag satt bleiben.

Damit war plötzlich klar, wer die echte Konkurrenz ist: nicht andere Milchshakes, sondern Bananen, Bagels und Schokoriegel. Ein dickerer Shake, der länger hält, erledigt diesen Job besser als ein leckererer.

Beispiele aus der Praxis

Case A · Immobilien

Bauträger für Eigentumswohnungen, USA 2007

−49 %

Verkäufe der Branche

+25 %

eigenes Geschäft

Wachstum im Krisenjahr, trotz Preiserhöhung um 3.500 $

Der Job war nicht „Wohnung kaufen“, sondern „ein Leben umziehen“. Geholfen hat Umzugsservice und Platz für alte Möbel — nicht mehr Ausstattung.

Case B · Bildung

Southern New Hampshire University

2.500

Studierende 2003

80.000+

Studierende 2016

Online-Angebot auf den Job berufstätiger Erwachsener zugeschnitten

Schnelle Antworten auf Anfragen, Hilfe bei der Finanzierung, Kurse neben dem Job — statt Campusleben für 18-Jährige. Zahl von 2016.

Beide Fälle stammen aus dem Umfeld der Erfinder der Theorie (Christensen Institute, Bob Moesta) und sind gut erzählte Erfolgsgeschichten. Den Kern zeigen sie trotzdem: Wer den Job versteht, baut andere Dinge als die Konkurrenz.

So findest du den Job deiner Kunden

  • Switch-Interview: Sprich mit Kunden, die gerade gewechselt haben — zu dir oder weg von dir. Geh den Weg rückwärts durch: Wann kam der erste Gedanke? Was gab den Ausschlag?
  • Vier Kräfte prüfen: Was drückt weg vom Alten (Push)? Was zieht zum Neuen (Pull)? Welche Angst bremst (Anxiety)? Welche Gewohnheit hält fest (Habit)? Gewechselt wird nur, wenn Push und Pull stärker sind.
  • Job Story schreiben: „Wenn ich … möchte ich …, damit ich …“ — aus der Situation heraus, nicht aus einer Rolle.
  • Lösungsneutral formulieren: Der Job darf dein Produkt nicht enthalten. „Rechnungen schnell loswerden“, nicht „Buchhaltungssoftware nutzen“.

Es gibt zwei Schulen: Bob Moesta und Chris Spiek arbeiten mit Interviews und Geschichten. Tony Ulwick hat Anfang der 1990er die Methode Outcome-Driven Innovation entwickelt, die Jobs in Schritte zerlegt und messbare Ergebnisse abfragt. Beide streiten gern, wer das Original ist — für die Praxis reicht oft das Interview.

Häufige Fehler

Fehler 1 · JTBD als neue Persona verkaufen

Wer in die Buyer Persona einfach „Job: will Zeit sparen“ schreibt, hat nichts gewonnen. Der Kern ist die Situation und die Ursache, nicht ein weiteres Merkmal der Person.

Fehler 2 · Den Job zu nah am Produkt formulieren

„Einen Milchshake kaufen“ ist kein Job. Ist der Job zu eng, siehst du nur Konkurrenten, die genauso aussehen wie du — und übersiehst Banane und Bagel.

Fehler 3 · Nur die funktionale Seite sehen

Viele Kaufentscheidungen fallen über Gefühl und Ansehen. Wer nur Funktionen vergleicht, verliert gegen den Anbieter, bei dem sich der Kunde besser fühlt.

Fehler 4 · Mehr Features statt weniger Angst

Oft scheitert der Wechsel nicht am fehlenden Nutzen, sondern an der Unsicherheit. Neue Funktionen machen das laut Moesta eher schlimmer. Probezeit, Umzugshilfe oder Garantie helfen mehr.

Jobs to be Done im Marketing

Im Marketing hilft JTBD vor allem bei drei Dingen: der Botschaft (sprich über den Fortschritt, nicht über Funktionen), der Wettbewerbsanalyse (wer erledigt den Job sonst noch?) und dem Content (schreib für die Situation, in der jemand sucht).

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Jobs to be Done und einer Buyer Persona?

Die Buyer Persona beschreibt, wer kauft: Rolle, Alter, Ziele. Jobs to be Done beschreibt, warum und in welcher Situation gekauft wird. Zwei völlig verschiedene Menschen können denselben Job haben — und derselbe Mensch morgens einen anderen als abends.

Wie formuliere ich eine Job Story?

Mit dem Muster „Wenn ich …, möchte ich …, damit ich …“. Zum Beispiel: „Wenn ich am Monatsende vor dem Belegstapel sitze, möchte ich alles in einem Rutsch erfassen, damit ich den Abend frei habe.“ Die Situation steht vorne, nicht die Rolle.

Hat Theodore Levitt das Bohrer-Zitat geprägt?

Nein. Levitt hat den Satz 1969 selbst zitiert und dem Werbemann Leo McGivena zugeschrieben. Christensen schrieb ihn später Levitt zu, seitdem hält sich die falsche Herkunft.

Lohnt sich JTBD für kleine Unternehmen?

Ja, gerade dort. Du brauchst keine Marktforschung, sondern ein paar ehrliche Gespräche mit Kunden, die kürzlich gekauft oder abgesprungen sind. Fünf bis zehn Interviews zeigen meist schon ein Muster.

Woher stammt die Theorie?

Bekannt gemacht hat sie Clayton Christensen, unter anderem 2016 im Harvard Business Review und im Buch „Competing Against Luck“. Wichtige Mitstreiter sind Bob Moesta mit dem Switch-Interview und Tony Ulwick mit Outcome-Driven Innovation.

Begriff teilenHat dir die Definition geholfen? Schick sie weiter.