Was ist Affiliate-Marketing?
Was wäre, wenn du Werbung nur bezahlst, wenn sie wirklich etwas bringt? Das ist die Grundidee von Affiliate-Marketing. Partner empfehlen dein Produkt, und ein eigener Link merkt sich, wer den Kunden geschickt hat. Kauft er, gibt es Provision.
Drei Rollen spielen mit:
- Advertiser (auch Merchant): das Unternehmen, das verkaufen will.
- Affiliate (auch Publisher): der Partner mit Reichweite — Blog, Vergleichsportal, Gutscheinseite, Creator.
- Netzwerk: stellt Tracking und Abrechnung, zum Beispiel Awin, CJ, Tradedoubler oder AdCell. Große Händler wie Amazon betreiben ihr Programm selbst.
Wie wird bezahlt?
Fast immer nach Erfolg. So verteilten sich 2025 die Investitionen in Deutschland auf die Modelle, gemeldet von zwölf Netzwerken an den BVDW:
Modell
Anteil
Pro Verkauf (CPO)
79,7 %
Feste Gebühr
6,8 %
Pro Lead (CPL)
6,5 %
Sonstige
7,0 %
Feste Gebühren zahlen Advertiser für gute Platzierungen, etwa auf der Startseite eines Gutscheinportals. Unter „Sonstige“ fallen Mischmodelle und die Bezahlung pro Klick.
Wie viel Provision fließt, legt jedes Programm selbst fest. Amazon zahlt in Deutschland je nach Kategorie zwischen 0 und 6 % vom Kaufpreis: 6 % auf Mode und Schuhe, 5 % auf Bücher und Möbel, 3 % auf alles ohne eigenen Satz, 1 % auf Lebensmittel und Videospiele.
Wie groß ist das Ganze?
Größer, als die meisten denken. Laut BVDW investierten Unternehmen 2025 in Deutschland 932 Mio. € in Affiliate-Marketing, darüber liefen 18,7 Mrd. € Umsatz. Rund jeder sechste Euro im deutschen Online-Einzelhandel kam über Partner.
Die stärksten Partnertypen nach Budget waren Cashback- und Bonusprogramme (20,9 %), Content-Seiten (13,0 %) und Preisvergleiche (12,6 %). Influencer kamen auf 6,1 %, mit dem stärksten Wachstum. Beachte: Das sind Zahlen eines Branchenverbands, der den Kanal vertritt.
Beispiele aus der Praxis
Einmal die Rechnung aus Sicht eines Partners, einmal das, was passiert, wenn die Kennzeichnung fehlt:
Case A · Rechenbeispiel
Ein Blog empfiehlt ein Buch bei Amazon
20 €
Kaufpreis
5 %
Provision für Bücher
Provision = 20 € × 5 % = 1,00 €
Ein Rechenbeispiel, keine Erfahrungswerte. Für 100 € im Monat braucht es 100 solcher Verkäufe — Affiliate lebt von Volumen.
Case B · Urteil
Hörbuch-Artikel ohne klare Kennzeichnung
28
Affiliate-Links im Artikel
374,50 €
Abmahnpauschale
Unterlassung, weil „Produktempfehlung“ nicht reicht
OLG München, Urteil vom 30.10.2025 (29 U 2633/24 e): Auch der Teaser auf der Startseite hätte als Werbung erkennbar sein müssen.
Affiliate-Links kennzeichnen
Wer für ein fremdes Unternehmen wirbt und dafür etwas bekommt, muss das kenntlich machen (§ 5a Abs. 4 UWG). Bei Affiliate-Links ist die Provision die Gegenleistung — die Pflicht greift also immer.
- Direkt am Link: Die Medienanstalten verlangen ein Symbol wie das Sternchen und eine Erläuterung in unmittelbarer Nähe.
- Klare Worte: Gerichte waren strenger als die Medienanstalten. Ein Einkaufswagen-Symbol plus Hinweis am Artikelende reichte dem LG Berlin II nicht, „Produktempfehlung“ dem OLG München nicht. Auf der sicheren Seite bist du mit „Werbung“ oder „Anzeige“.
- Für Google: bezahlte Links im Quelltext mit dem Attribut rel="sponsored" markieren; nofollow geht auch.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Ein Sammelhinweis im Impressum
„Diese Seite enthält Affiliate-Links“ im Footer ist bequem — und reicht nicht. Der Hinweis gehört dorthin, wo der Link steht.
Fehler 2 · Händlertexte kopieren
Affiliate-Links an sich sind für Google kein Problem. Abgestraft werden Seiten, deren Produkttexte und Bewertungen nur vom Händler kopiert sind — Google nennt das „thin affiliation“. Ohne eigenen Test, eigene Meinung oder eigenen Vergleich gibt es keinen Grund, deine Seite zu zeigen.
Fehler 3 · Partner nur am letzten Klick messen
Laut einer Auswertung im BVDW-Bericht waren Affiliates an knapp 25 % der Online-Käufe beteiligt, beim letzten Klick aber nur an gut 12 %. Wer nur den letzten Klick zählt, unterschätzt Ratgeber- und Vergleichsseiten — und überschätzt Gutscheinseiten, die kurz vor dem Kauf noch dazwischengehen.
So startest du
- Als Shop: erst die Marge rechnen, dann die Provision festlegen. Netzwerkgebühren kommen obendrauf.
- Partner aussuchen: Content- und Vergleichsseiten bringen neue Kunden, Gutschein- und Cashback-Seiten oft Kunden, die sowieso gekauft hätten.
- Als Publisher: nur empfehlen, was du kennst, und jeden Link sauber kennzeichnen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Affiliate- und Influencer-Marketing?
Die Bezahlung. Influencer bekommen oft eine feste Summe pro Beitrag, Affiliates eine Provision, wenn verkauft wird. Beides geht auch zusammen: Viele Creator nutzen Affiliate-Links. Kennzeichnen müssen beide.
Schaden Affiliate-Links meinem Google-Ranking?
Nein, wenn sie mit rel="sponsored" oder nofollow markiert sind und die Seite eigenen Mehrwert bietet. Googles Spam-Richtlinien erlauben Affiliate-Links ausdrücklich. Problematisch ist nur kopierter Inhalt ohne eigene Leistung.
Wie lange zählt ein Affiliate-Klick?
Das legt jedes Programm selbst fest, oft über ein Cookie im Browser. Safari löscht per Skript gesetzte Cookies nach sieben Tagen ohne Besuch, das verkürzt die Laufzeit in der Praxis. Viele Netzwerke messen deshalb zusätzlich serverseitig.
Lohnt sich ein Partnerprogramm für kleine Shops?
Oft ja, weil du überwiegend für Ergebnisse zahlst. Rechne aber Provision, Netzwerkgebühr und Retouren gegen deine Marge. Und prüf regelmäßig, welche Partner wirklich neue Kunden bringen.
Quellen