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Bleistiftskizze: Ein Toaster mit festgebundenem Roboterkopf aus Pappe, den eine Hand orange anstreicht, daneben ein Farbeimer, als Bild für Agent Washing
KI im Marketing

Agent Washing

Plötzlich ist jedes Tool ein „KI-Agent“: der Chatbot von gestern, die Automatisierung von vorgestern, die Vorlage in der Textsoftware. Oft hat sich nur das Etikett geändert. Das nennt man Agent Washing.

Auch bekannt alsAgentwashing

5 Min

Lesezeit

28.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Agent Washing?

Du kennst Greenwashing: Ein Produkt wird grüner dargestellt, als es ist. Agent Washing funktioniert genauso, nur mit KI-Agenten. Ein Anbieter nimmt ein bestehendes Produkt, klebt das Etikett „KI-Agent“ drauf und verkauft es als Neuheit.

Das Analystenhaus Gartner beschreibt es im Juni 2025 als Umetikettieren bestehender Produkte ohne nennenswerte agentische Fähigkeiten. Als typische Beispiele nennt Gartner KI-Assistenten, Software zur Prozessautomatisierung (RPA) und Chatbots.

Der Unterschied ist nicht nur Wortklauberei. Ein Chatbot antwortet. Ein echter KI-Agent plant selbst Schritte und setzt sie mit Werkzeugen um: Er recherchiert, schreibt ins CRM, verschickt eine Mail. Wer einen Agenten kauft und einen Chatbot bekommt, zahlt für etwas, das er nicht hat.

Wie verbreitet ist Agent Washing?

Gartner schätzt, dass nur rund 130 der Tausenden Anbieter agentischer KI echt sind. Eine Methodik dazu hat Gartner nicht veröffentlicht, es ist also eine Schätzung. In derselben Mitteilung steht eine Prognose: Über 40 % der Projekte mit agentischer KI werden bis Ende 2027 eingestellt, wegen steigender Kosten, unklarem Nutzen oder fehlender Risikokontrolle.

Gartner-Analystin Anushree Verma rät deshalb zu einer klaren Arbeitsteilung: Agenten für Entscheidungen, Automatisierung für Routine, Assistenten für einfache Abfragen. Viele angebliche Agenten-Fälle brauchen gar keinen Agenten.

Beispiele aus der Praxis

In den USA geht die Börsenaufsicht SEC seit 2024 gegen falsche KI-Versprechen vor. Zwei Fälle zeigen, wie das aussieht.

Fall A · Delphia und Global Predictions

Die ersten AI-Washing-Verfahren

400.000 $

Strafe zusammen

2024

Vergleich mit der SEC

Zwei Anlageberater warben mit KI, die sie laut SEC nicht hatten.

Delphia zahlte 225.000 $, Global Predictions 175.000 $. Beide verglichen sich, ohne die Vorwürfe anzuerkennen oder zu bestreiten. SEC-Chef Gensler: AI Washing schadet Anlegern.

Fall B · Presto Automation

Die Drive-in-KI mit Menschen dahinter

2025

Anordnung der SEC

„vast majority“

Bestellungen mit menschlichem Eingriff

Versprochen war Automatisierung, im Hintergrund arbeiteten oft Menschen.

Presto behauptete, die Bestellannahme sei ohne Menschen möglich. Laut SEC brauchte der Großteil der Bestellungen menschliches Eingreifen. Erstes AI-Washing-Verfahren gegen ein börsennotiertes Unternehmen, ohne Geldstrafe.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Chatbot und Agent gleichsetzen

Antwortet das Tool nur auf deine Fragen, ist es ein Chatbot oder Assistent. Ein Agent zerlegt ein Ziel selbst in Schritte und ruft Werkzeuge auf. Frag konkret: Was erledigt das Tool, ohne dass ich jeden Schritt anstoße?

Fehler 2 · Einen festen Ablauf für einen Agenten halten

Anthropic unterscheidet sauber: Workflows folgen vorab festgelegten Pfaden im Code, Agenten steuern ihre Schritte und Werkzeuge selbst. Beides ist nützlich, aber nicht dasselbe. Die Prüffrage: Wer entscheidet den nächsten Schritt — der Code oder das Modell?

Fehler 3 · Für alles einen Agenten wollen

Eine einfache Automatisierung in n8n oder Zapier ist oft billiger, schneller und verlässlicher als ein Agent. Wer Agent Washing kritisiert, sollte nicht selbst jedem Problem einen Agenten verordnen.

Fehler 4 · Selbst zu dick auftragen

Auch dein eigenes Angebot kann betroffen sein. Wer mit „KI-gestützt“ oder „autonomer Agent“ wirbt, muss das halten können. In Deutschland verbietet das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb in § 5 irreführende Angaben über wesentliche Merkmale einer Leistung. Ein Urteil speziell zu KI-Werbung gibt es laut Fachpresse bislang nicht.

So erkennst du echte KI-Agenten

  • Demo mit deinen Daten: nicht die Hochglanz-Vorführung, sondern dein echter Fall.
  • Schritte zeigen lassen: Gibt es ein Protokoll, was der Agent wann warum getan hat?
  • Werkzeuge nennen lassen: Welche Systeme kann er selbst bedienen — CRM, Mail, Kalender?
  • Modell erfragen: Welches Sprachmodell steckt dahinter, eigenes oder fremdes?
  • Nacharbeit klären: Wie oft muss ein Mensch eingreifen, und was passiert bei Fehlern?

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Agent Washing und AI Washing?

AI Washing ist der Oberbegriff für falsche oder übertriebene KI-Behauptungen. Agent Washing ist die Variante, bei der Produkte als KI-Agenten verkauft werden, obwohl sie keine echten agentischen Fähigkeiten haben.

Woran erkenne ich, ob ein Tool wirklich ein KI-Agent ist?

Ein echter Agent zerlegt ein Ziel selbst in Schritte und ruft Werkzeuge wie CRM oder Mail eigenständig auf. Lass dir eine Demo mit deinen Daten und ein Protokoll der Schritte zeigen.

Ist jeder Chatbot ein KI-Agent?

Nein. Ein Chatbot antwortet auf Fragen. Ein Agent handelt: Er plant Schritte und führt sie mit Werkzeugen aus. Viele Anbieter verwischen diese Grenze in der Werbung.

Wie verbreitet ist Agent Washing?

Gartner schätzte 2025, dass nur rund 130 der Tausenden Anbieter agentischer KI echt sind. Das ist eine Schätzung ohne veröffentlichte Methodik, zeigt aber die Größenordnung.

Ist Agent Washing in Deutschland verboten?

Ein eigenes Verbot gibt es nicht. Irreführende Angaben über wesentliche Merkmale einer Leistung sind aber nach § 5 UWG unlauter. Ein Urteil speziell zu KI-Werbung ist bislang nicht bekannt.

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