Startseite > Lexikon > Web, UX & Conversion > Dark Patterns

Bleistiftskizze zum Begriff Dark Patterns
Web, UX & Conversion

Dark Patterns

Der versteckte Ablehnen-Knopf, der falsche Countdown, das Abo, das sich nicht kündigen lässt. Tricks, die kurzfristig Klicks bringen — und langfristig Vertrauen, Kunden und manchmal viel Geld kosten.

Auch bekannt alsDark PatternDeceptive PatternsDeceptive Designmanipulative Designmuster

5 Min

Lesezeit

25.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was sind Dark Patterns?

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC beschreibt Dark Patterns als Gestaltungspraktiken, die Nutzer täuschen oder manipulieren und sie zu Entscheidungen bringen, die sie sonst nicht getroffen hätten. Geprägt hat den Begriff 2010 der Designer Harry Brignull. Er spricht heute lieber von „Deceptive Patterns“, also täuschenden Mustern.

Typische Dark Patterns

Muster

Was passiert

Beispiel

Versteckte Kosten

Zusatzkosten erst an der Kasse

Servicegebühr im letzten Schritt

Falscher Zeitdruck

Countdown oder Frist ohne echten Grund

„Angebot endet in 09:59“, das bei jedem Besuch neu startet

Falsche Knappheit

Erfundene Restmengen oder Nachfrage

„Nur noch 2 Zimmer frei!“

Vorauswahl

Häkchen ist schon gesetzt

Versicherung oder Newsletter vorausgewählt

Schwere Kündigung

Abschließen leicht, Kündigen mühsam

Abo per Klick, Kündigung nur per Telefon

Confirmshaming

Ablehnen wird peinlich formuliert

„Nein danke, ich zahle lieber mehr“

Optische Täuschung

Die gewünschte Option wird hervorgehoben, die andere versteckt

Großer Button „Alle akzeptieren“, winziger Link „Einstellungen“

Wie verbreitet sind sie?

Sehr. Laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission von 2022 nutzten 97 % der populärsten Websites und Apps für EU-Verbraucher mindestens ein Dark Pattern — und zwar Händler aller Größen. Bei einer Prüfaktion der EU-Verbraucherschutzbehörden 2023 fielen 148 von 399 Online-Shops auf, 42 davon mit falschen Countdowns.

2024 haben Behörden weltweit nachgesehen: Bei Abo-Angeboten fanden sie in fast 76 % von 642 Websites und Apps mindestens ein mögliches Dark Pattern. Beim Datenschutz waren es sogar 97 % von 1.010 geprüften Angeboten — etwa ein vorausgewähltes Häkchen oder eine Kontolöschung, die sich nicht finden ließ.

Warum sie funktionieren — und was sie kosten

Case A · Experiment in den USA

Gleiches Abo, andere Gestaltung

11,3 %

Zusagen ohne Tricks

41,9 %

mit aggressiven Dark Patterns

Fast viermal so viele Abschlüsse — für ein fragwürdiges Abo

Luguri und Strahilevitz, Journal of Legal Analysis 2021, 1.963 Teilnehmende. Der Preis des Abos änderte die Zusage kaum.

Case B · Amazon Prime

Abschluss ohne klare Zustimmung, schwere Kündigung

2,5 Mrd. $

Vergleichssumme

35 Mio.

geschätzt Betroffene

Auflage: klarer Ablehnen-Knopf und Kündigung so einfach wie Abschluss

Vergleich mit der FTC vom 25.09.2025, ohne Schuldeingeständnis.

Was in Deutschland gilt

Ein eigenes Dark-Pattern-Gesetz gibt es nicht. Aber viele Tricks verbieten bestehende Regeln — und die gelten für jede Website, nicht nur für große Plattformen:

  • UWG: Die „schwarze Liste“ im Anhang des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb verbietet unter anderem falsche Behauptungen, ein Angebot gebe es nur sehr kurz (Nr. 7), und gefälschte Bewertungen (Nr. 23b und 23c). Dazu kommen die Verbote irreführender und aggressiver Werbung.
  • § 312k BGB: Wer online Abos verkauft, braucht einen gut sichtbaren Kündigungsbutton.
  • DSGVO und TDDDG: Eine Einwilligung muss freiwillig sein. Das Oberlandesgericht Köln hat 2024 einen Cookie-Banner beanstandet, bei dem es keine Ablehnen-Option auf der ersten Ebene gab und ein „X“ zum Schließen in Wahrheit „Akzeptieren“ bedeutete (6 U 80/23).
  • Digital Services Act: Artikel 25 verbietet Online-Plattformen täuschende Gestaltung. Kleinst- und Kleinunternehmen sind von diesem Teil ausgenommen, und eine normale Firmenwebsite ist keine Plattform.

Nicht jede Lenkung ist verboten. Die Datenschutzkonferenz schreibt: Nudging ist nicht generell unzulässig, und eine andere Button-Farbe allein macht eine Einwilligung nicht unwirksam. Problematisch wird es, wenn mehrere Tricks zusammenkommen.

Fair statt dunkel

  • Echte Knappheit zeigen, falsche weglassen: Ein Countdown ist erlaubt, wenn das Angebot wirklich endet.
  • Preise vollständig nennen: Versand und Gebühren gleich auf der Produktseite.
  • Gleichwertige Buttons: Ablehnen so groß und sichtbar wie Zustimmen.
  • Kündigen so leicht wie Abschließen.

Häufige Fragen

Sind Dark Patterns in Deutschland verboten?

Es gibt kein eigenes Gesetz, aber viele Tricks verbieten UWG, DSGVO und TDDDG sowie § 312k BGB. Für Online-Plattformen kommt der Digital Services Act dazu. Im Einzelfall lass dich beraten.

Ist ein Countdown-Timer auf meiner Website erlaubt?

Ja, wenn er stimmt. Verboten ist die falsche Behauptung, ein Angebot gebe es nur kurz — etwa ein Timer, der bei jedem Besuch neu startet.

Was ist der Unterschied zwischen Nudging und Dark Patterns?

Nudging lenkt im Interesse der Nutzer, etwa mit einer sinnvollen Voreinstellung. Dark Patterns lenken gegen ihr Interesse, oft mit Täuschung.

Was ist Confirmshaming?

Ein Trick, bei dem die Ablehnen-Option so formuliert ist, dass man sich schlecht fühlt, etwa „Nein danke, ich will kein Geld sparen“.

Begriff teilenHat dir die Definition geholfen? Schick sie weiter.