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Bleistiftskizze: Pipette lässt einen orange hervorgehobenen Tropfen in einen gemauerten Brunnen mit Eimer fallen, als Bild für vergiftete Datenquellen
KI im Marketing

Data Poisoning

Eine KI ist nur so gut wie das, woraus sie lernt. Beim Data Poisoning mischt jemand gezielt falsche Daten darunter — und das System liefert später, was der Angreifer will.

Auch bekannt alsDatenvergiftung

5 Min

Lesezeit

02.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Data Poisoning?

Wer einen Brunnen vergiftet, muss nicht jeden Eimer einzeln anfassen. Genauso funktioniert Data Poisoning, auf Deutsch Datenvergiftung: Jemand manipuliert die Quelle, und alles, was daraus kommt, ist betroffen.

OWASP führt das Risiko als Punkt 4 seiner Top 10 für Sprachmodell-Anwendungen. Gemeint ist: Daten für Training, Feintuning oder Embeddings werden so verändert, dass Schwachstellen, Hintertüren oder Verzerrungen entstehen. Embeddings sind die Zahlen, mit denen eine KI Texte vergleichbar macht.

Das Ziel kann unterschiedlich sein:

  • Breite Störung: Das Modell wird insgesamt schlechter.
  • Gezielte Verfälschung: Nur bestimmte Themen oder Fragen liefern falsche Ergebnisse.
  • Hintertür: Das Modell verhält sich normal, bis ein bestimmter Auslöser fällt.

Data Poisoning, Prompt Injection, RAG-Poisoning

Drei Dinge, die gern in einen Topf kommen:

Begriff

Wo die Manipulation sitzt

Prompt Injection

In der Eingabe, während der Nutzung

Data Poisoning

In den Trainingsdaten, dauerhaft im Modell

RAG-Poisoning

In der Wissensdatenbank, die das System abfragt

Die Grenzen sind fließend. Liegt eine böswillige Anweisung in einem Dokument, das die KI gerade liest, sprechen Fachleute von indirekter Prompt Injection. Eine Halluzination gehört nicht dazu, denn da steckt kein Angreifer dahinter.

Wie wenig Gift reicht?

Lange galt: Man müsste einen großen Anteil der Daten verändern. Zwei Studien sprechen dagegen, beide unter Laborbedingungen.

Studie · Anthropic u. a. 2025

Hintertür in Sprachmodellen

250

vergiftete Dokumente

0,00016 %

der Trainingstokens

Es zählt die absolute Zahl, nicht der Anteil

Getestet wurde eine harmlose Hintertür bei Modellen bis 13 Mrd. Parameter. Mehr lässt sich daraus nicht ableiten.

Studie · PoisonedRAG, USENIX 2025

Eingeschleuste Texte in Wissensdatenbanken

5

Texte je Zielfrage

90 %

Erfolgsrate

Bei Datenbanken mit Millionen Texten

Laborwert, keine Aussage über echte Unternehmenssysteme.

Die Studie von Anthropic, dem UK AI Security Institute und dem Alan Turing Institute stammt vom Oktober 2025. Ob sich das Ergebnis auf größere Modelle und echte Schadfunktionen übertragen lässt, sagen die Autoren selbst, ist offen.

Wenn Kreative zurückvergiften

Nicht jede Vergiftung kommt von Kriminellen. Das Forschungsprojekt Nightshade der Universität Chicago verändert Bilder so, dass sie für Menschen normal aussehen, das Training von Bild-KI aber stören. Die Autoren verstehen es als letzte Verteidigung für Urheber gegen Scraper, die Crawl-Verbote ignorieren.

Laut Paper reichten bei Stable Diffusion SDXL unter 100 präparierte Bilder, um einen einzelnen Prompt zu verfälschen. Das betrifft Text-zu-Bild-Modelle, nicht ChatGPT & Co.

Häufige Fehler

Fehler 1 · „Unsere Wissensdatenbank ist intern, also sicher“

Auch intern landen Webseiten, Mails, Uploads und Support-Tickets im Index. Wer alles automatisch einsaugt, übernimmt ungeprüft, was darin steht.

Fehler 2 · Nur auf Prompt Injection schauen

Filter im Chatfenster helfen nicht, wenn die falsche Information schon in deinen Daten liegt. Die Antwort sieht dann völlig normal aus.

Fehler 3 · Fremde Modelle ungeprüft nutzen

OWASP warnt auch vor manipulierten Modelldateien aus öffentlichen Sammlungen. Prüf die Herkunft, bevor du etwas einbindest.

Fehler 4 · Laborzahlen überdehnen

„250 Dokumente knacken jede KI“ stimmt so nicht. Die Studie zeigt eine einfache Hintertür unter klaren Bedingungen. Bleib bei dem, was belegt ist.

So schützt du deine KI-Anwendung

Die wichtigsten Maßnahmen nach OWASP, übersetzt für kleinere Teams:

  • Herkunft dokumentieren: Woher stammen die Daten, und wer hat sie geändert?
  • Quellen freigeben: Lieber kuratierte Inhalte als alles automatisch indexieren.
  • Schreibrechte begrenzen: Nicht jeder darf in die Wissensdatenbank.
  • Versionen sichern: Damit du zu einem sauberen Stand zurückkannst.
  • Ergebnisse prüfen: Antworten stichprobenartig gegen vertrauenswürdige Quellen abgleichen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Data Poisoning und Prompt Injection?

Prompt Injection manipuliert die Eingabe während der Nutzung und wirkt meist nur in dieser Sitzung. Data Poisoning verändert die Daten, aus denen das System lernt oder nachschlägt, und wirkt dauerhaft.

Kann ich als kleines Unternehmen betroffen sein?

Am ehesten über eine eigene Wissensdatenbank für Chatbots oder Assistenten. Wenn dort ungeprüfte Inhalte landen, können die Antworten darunter leiden. Eine Statistik zur Verbreitung bei Unternehmen haben wir nicht gefunden.

Wie viele vergiftete Daten braucht es?

Das hängt vom Angriff ab. In einer Studie von 2025 reichten 250 Dokumente für eine einfache Hintertür, unabhängig von der Modellgröße. Das ist ein Laborergebnis, keine allgemeine Regel.

Was ist Nightshade?

Ein Forschungswerkzeug der Universität Chicago. Es verändert Bilder so, dass sie das Training von Bild-KI stören, und soll Urheber gegen ungefragtes Scraping schützen.

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