Was ist Geotargeting?
Du bist Tischler in Kiel. Brauchst du Klicks aus München? Eher nicht. Geotargeting sorgt dafür, dass deine Inhalte und Anzeigen dort landen, wo deine Kunden sind — und nicht irgendwo.
Das passiert auf zwei Ebenen:
- In der Suche: Du sagst Google, für welches Land und welche Sprache eine Seite gedacht ist. Werkzeuge dafür sind Länderdomain, URL-Struktur und hreflang.
- In der Werbung: Du legst in Google Ads, Meta oder LinkedIn fest, in welchem Land, welcher Stadt oder welchem Umkreis deine Anzeigen erscheinen.
Die Plattformen erkennen den Standort meist über die IP-Adresse, auf dem Handy auch über GPS, WLAN und Mobilfunk. Google schreibt in seiner Ads-Hilfe offen: Das Standort-Targeting funktioniert nach bestem Bemühen, 100 % Genauigkeit gibt es nicht.
Geotargeting in der Suche
Hast du eine Website für Deutschland, Österreich und die Schweiz, muss Google wissen, welche Version wohin gehört. Google nutzt dafür laut Search Central mehrere Signale: Länderdomain wie .de oder .at, hreflang, lokale Adressen und Telefonnummern, Sprache und Währung, Links von regionalen Websites.
hreflang ist das wichtigste Werkzeug. Es ordnet Sprach- und Ländervarianten einer Seite einander zu, etwa de-DE, de-AT, de-CH. Die Regeln sind streng: Seiten müssen gegenseitig aufeinander verweisen, sonst ignoriert Google die Angabe. Ein Land allein geht nicht, es braucht immer die Sprache davor.
Das geht oft schief. Ahrefs fand 2023 bei 67 % von rund 375.000 untersuchten Domains mit hreflang mindestens einen Fehler. Am häufigsten fehlte die Angabe x-default für alle übrigen Länder.
Zwei Dinge, die nicht (mehr) wirken: Die Länderausrichtung in der Search Console hat Google 2022 abgeschaltet. Und Endungen wie .eu, .io oder .co wertet Google als allgemein, nicht als Länderdomain.
Geotargeting in der Werbung
In Anzeigenkampagnen ist Geotargeting der direkteste Hebel. Die Optionen unterscheiden sich je Plattform:
Plattform
Standort-Logik
Google Ads
Standard: Präsenz oder Interesse
Meta
Wohnt dort oder war kürzlich dort
Meta Umkreis
1 bis 80 km um einen Punkt
Bei Google Ads steht standardmäßig „Präsenz oder Interesse“. Damit erreichst du Menschen, die sich im Gebiet aufhalten, aber auch solche, die sich nur dafür interessieren. Googles Beispiel: Jemand in Paris sucht nach „Los Angeles Taxi“ — für ihn gilt Los Angeles als Ort von Interesse. Wer wirklich nur Leute vor Ort will, stellt auf „Präsenz“.
Bei Meta gibt es laut Entwickler-Doku nur noch eine Option: Menschen, die dort wohnen oder kürzlich dort waren. Reisende sind also immer dabei. Für Anzeigen zu Wohnen, Jobs und Finanzprodukten gilt in Europa ein Mindestradius von 15 km, Postleitzahlen sind dort tabu.
Beispiele aus der Praxis
Zwei typische Szenarien, an denen du siehst, wo die Stolperfallen liegen. Die Fälle sind ausgedacht, die Zahlen dahinter belegt.
Szenario A · Handwerk
Umkreis-Kampagne in Google Ads
71 %
deutscher IPs auf ≤ 50 km genau
27 %
deutscher IPs über 50 km daneben
Ohne Umstellung auf „Präsenz“ zahlt der Betrieb auch für Klicks von außerhalb.
Herstellerangabe von MaxMind ohne Datum. Ein Umkreis von 10 km ist also nie ganz scharf — und Google Ads zählt standardmäßig auch Interessierte von außerhalb.
Szenario B · Onlineshop
Versionen für DE, AT und CH
67 %
Domains mit hreflang-Fehlern
15,3 %
ohne Rückverweis
Fehlt der Rückverweis, ignoriert Google die Angabe — und zeigt Schweizern womöglich die deutschen Preise.
Zahlen aus der hreflang-Studie von Ahrefs (2023). Ein Crawl mit Screaming Frog deckt solche Fehler in Minuten auf.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Die Standardeinstellung in Google Ads nicht prüfen
„Präsenz oder Interesse“ ist für die Suche oft sinnvoll, für den Pizzadienst um die Ecke selten. Schau im Bericht „Wo sich Nutzer befanden“ nach, woher deine Klicks wirklich kommen.
Fehler 2 · Falsche Ländercodes in hreflang
Für Großbritannien heißt der Code GB, nicht UK — „UK“ hat laut Google keine Wirkung. Dazu kommen fehlende Rückverweise und fehlendes x-default.
Fehler 3 · Auf schwache Signale setzen
Serverstandort, Geo-Meta-Tags oder eine .io-Domain sagen Google wenig bis nichts über dein Zielland. Meta-Tags wie geo.position ignoriert Google laut eigener Doku ganz.
Fehler 4 · Den Datenschutz vergessen
Standortdaten nennt die DSGVO ausdrücklich als Merkmal, über das eine Person identifizierbar wird. Den genauen Standort darf ein Browser nur mit Erlaubnis des Nutzers an eine Website geben. Wer Standortdaten selbst auswertet, braucht eine saubere Grundlage.
Was tun?
Häufige Fragen
Brauche ich für Österreich und die Schweiz eine eigene Domain?
Nicht zwingend. Unterverzeichnisse wie /at/ und /ch/ mit hreflang funktionieren auch. Eine Länderdomain ist ein starkes Signal, macht aber mehr Arbeit. Lohnt sich erst, wenn sich Angebot oder Preise wirklich unterscheiden.
Kann ich in der Search Console noch ein Zielland einstellen?
Nein. Google hat die Länderausrichtung 2022 abgeschaltet und begründet, sie habe kaum Nutzen gehabt. hreflang nutzt Google weiterhin.
Warum sehen Menschen außerhalb meiner Region meine Google-Anzeige?
Weil Google Ads standardmäßig auf „Präsenz oder Interesse“ steht. Dann zählen auch Menschen, die sich nur für deine Region interessieren. Stell in den Standortoptionen auf „Präsenz“, wenn du nur Leute vor Ort willst.
Soll ich Besucher automatisch auf die richtige Länderversion weiterleiten?
Nein. Google crawlt meist aus den USA und könnte dann nur eine Version sehen. Besser ist ein Hinweis-Banner oder eine Länderauswahl mit Links zu allen Versionen.
Quellen
- Google Search Central: Mehrsprachige und länderspezifische Websites
- Google Search Central: Lokalisierte Versionen (hreflang)
- Google Ads-Hilfe: Standort-Targeting
- Google Ads-Hilfe: Erweiterte Standortoptionen
- Meta Marketing API: Standort-Targeting
- Search Console-Hilfe: Bericht zur internationalen Ausrichtung eingestellt
- EUR-Lex: Datenschutz-Grundverordnung