Was ist Ad Fraud?
Deine Google-Kampagne kostet plötzlich doppelt so viel, die Anfragen bleiben gleich. Vielleicht ist nur die Konkurrenz stärker geworden. Vielleicht klickt aber auch jemand, der nie etwas kaufen wollte. Das ist der Kern von Ad Fraud: Jemand fälscht Werbekontakte, damit Geld fließt.
Die Branche spricht meist von Invalid Traffic (IVT), auf Deutsch ungültige Zugriffe. Google definiert sie als Klicks und Impressionen, die nicht auf echtem Nutzerinteresse beruhen. Dazu zählt Betrug, aber auch Harmloses: der zweite Klick eines Doppelklicks oder Suchmaschinen-Crawler. Ad Fraud ist also der absichtliche Teil davon.
Der Branchenstandard des Media Rating Council (MRC) teilt IVT in zwei Gruppen:
- GIVT (General Invalid Traffic): leicht erkennbar über Listen — bekannte Bots, Rechenzentren, Crawler. Oft kein Betrug.
- SIVT (Sophisticated Invalid Traffic): getarnte Bots, gekaperte Geräte, Klickfarmen. Schwer zu erkennen — hier sitzt der eigentliche Betrug.
Die häufigsten Arten
- Klickbetrug: Bots, Klick-Software oder Menschen klicken auf Anzeigen, die pro Klick abgerechnet werden. Auch Wettbewerber, die dein Budget leerklicken, gehören dazu.
- Bot-Traffic: Programme, die sich als echte Besucher ausgeben, Seiten laden und Anzeigen „sehen“.
- Domain Spoofing: Eine wertlose Seite gibt sich in der Werbeauktion als bekannte Premium-Seite aus.
- Pixel Stuffing: Die Anzeige wird in einem 1×1-Pixel-Rahmen ausgeliefert — gezählt, aber unsichtbar.
- Ad Stacking: Mehrere Anzeigen liegen übereinander, nur die oberste ist zu sehen, abgerechnet werden alle.
- Install Fraud: gefälschte App-Installationen oder gefälschte Zuordnung zu einer Anzeige.
Wie groß das werden kann, zeigt der Fall Methbot: Bots in gemieteten Rechenzentren luden echte Anzeigen auf leere Seiten und gaben sich dabei als über 6.000 bekannte Publisher aus, darunter die New York Times. Schaden laut US-Justizministerium: über 7 Millionen US-Dollar. Der Drahtzieher wurde 2021 zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Wie groß ist das Problem?
Es kommt darauf an, wo du wirbst — und wer misst. Die bekanntesten Zahlen stammen von Firmen, die Betrugsschutz verkaufen. Deshalb immer mit Messgegenstand lesen:
Messung
Anteil
Programmatic ohne Schutz (IAS)
10,9 %
Programmatic mit Schutz (IAS)
0,7 %
Web in DE, offene Auktion (Pixalate)
18 %
Bezahlte Klicks, alle Plattformen (Lunio)
8,5 %
IAS misst Betrug bei programmatischer Display- und Videowerbung Ende 2024, Pixalate alle ungültigen Zugriffe in der offenen Auktion im zweiten Quartal 2025, Lunio ungültige bezahlte Klicks auf Google, Meta, TikTok, LinkedIn und Bing zwischen August 2024 und August 2025. Die Zahlen lassen sich nicht nebeneinanderlegen — aber sie zeigen: Am höchsten ist das Risiko in offenen Werbenetzwerken und Apps, deutlich niedriger bei Suchanzeigen.
Was Google mit ungültigen Klicks macht
Google filtert ungültige Klicks automatisch und berechnet sie dir nicht. Erkennt Google sie erst später, bekommst du eine Gutschrift auf eine der nächsten Rechnungen — die automatischen Prüfungen reichen 60 Tage zurück. Eine Rückzahlung im eigentlichen Sinn gibt es laut Google-Hilfe nicht.
So siehst du, ob du betroffen bist:
- In der Kampagnenübersicht die Spalten „Ungültige Klicks“ und „Rate ungültiger Klicks“ einblenden.
- Unter Abrechnung nach Gutschriften für ungültige Aktivitäten schauen.
- Bei konkretem Verdacht das Formular zur Klickqualität ausfüllen und eine Prüfung beantragen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Jeden Klick ohne Anfrage für Betrug halten
Eine schwache Landingpage, zu breite Keywords oder falsches Geotargeting sehen genauso aus wie Betrug. Googles eigene erste Empfehlungen sind deshalb Kampagnen-Hygiene, keine Betrugsjagd.
Fehler 2 · Display-Netzwerke ungeprüft laufen lassen
Die höchsten Raten messen Anbieter in offenen Netzwerken und Apps. Schau regelmäßig, auf welchen Seiten und in welchen Apps deine Anzeigen laufen, und schließ Auffälliges aus.
Fehler 3 · Angstzahlen von Tool-Anbietern übernehmen
Wer ein Schutz-Tool verkauft, hat ein Interesse an großen Zahlen. Prüf erst mit den Bordmitteln deiner Plattform, ob du überhaupt ein Problem hast.
So schützt du dein Budget
- Geotargeting auf „Präsenz“: Nur Menschen, die sich tatsächlich in deiner Region aufhalten, sehen die Anzeige.
- Suchbegriffe prüfen: Im Suchbegriffsbericht Unpassendes finden und als auszuschließende Keywords eintragen.
- IP-Adressen ausschließen: Fällt eine Adresse mit vielen Klicks ohne Anfrage auf, sperr sie.
- Placements kontrollieren: Im Display- und Partnernetzwerk Seiten und Apps mit verdächtigen Werten ausschließen.
- Tools erst bei Bedarf: Klickschutz wie fraud0, Lunio oder ClickCease lohnt sich eher bei großen Budgets oder viel Display- und App-Werbung.
Häufige Fragen
Erstattet Google ungültige Klicks?
Nicht als Rückzahlung. Ungültige Klicks werden gar nicht erst berechnet oder, wenn Google sie später findet, als Gutschrift auf einer Folgerechnung verrechnet. Die automatischen Prüfungen umfassen die letzten 60 Tage.
Was ist der Unterschied zwischen Invalid Traffic und Ad Fraud?
Invalid Traffic ist der Oberbegriff für alle Zugriffe ohne echtes Nutzerinteresse — auch Doppelklicks und Crawler. Ad Fraud ist der absichtliche, betrügerische Teil davon.
Kann ein Wettbewerber meine Anzeigen leerklicken?
Er kann es versuchen. Google nennt manuelle Klicks, die die Werbekosten anderer erhöhen sollen, ausdrücklich als ungültig und filtert sie. Hast du einen konkreten Verdacht, schließ die IP aus und nutze das Formular zur Klickqualität.
Brauche ich als kleines Unternehmen ein Klickschutz-Tool?
Bei reinen Suchkampagnen mit kleinem Budget meist nicht. Nutz zuerst die Bordmittel von Google Ads. Ein Tool lohnt sich eher bei viel Display-, App- oder Partnernetzwerk-Werbung.
Sind KI-Crawler auch Invalid Traffic?
Ja, als einfacher ungültiger Traffic (GIVT). Laut DoubleVerify gingen 16 % des Anstiegs dieser Kategorie im zweiten Halbjahr 2024 auf Bots von KI-Anbietern zurück — gemessen in Nordamerika.