Was ist eine Sitemap?
Stell dir vor, ein neuer Mitarbeiter soll jeden Raum deines Gebäudes kennen. Du kannst ihn alle Türen selbst finden lassen. Oder du gibst ihm eine Liste. Die Sitemap ist diese Liste für Suchmaschinen: eine Datei, in der alle Adressen stehen, die Google crawlen und indexieren soll.
Google beschreibt sie als Datei, in der du Informationen über Seiten, Videos und andere Dateien deiner Website bereitstellst. Das Format legt das Sitemaps-Protokoll fest: XML, UTF-8, je Adresse ein Eintrag mit der URL und optional dem Datum der letzten Änderung.
Laut Google brauchst du eine Sitemap vor allem, wenn deine Website groß ist, neu ist und wenige externe Links hat oder viele Videos und Bilder enthält. Bei rund 500 Seiten oder weniger, die sauber untereinander verlinkt sind, findet Google alles auch ohne. Schaden tut sie trotzdem nie.
Wie ist eine Sitemap aufgebaut?
Die Grenzen sind bei Google, Bing und im Protokoll gleich. Wer sie überschreitet, teilt die Sitemap auf und bündelt die Teile in einem Sitemap-Index.
Grenze
Wert
URLs je Datei
50.000
Größe je Datei
50 MB unkomprimiert
Sitemaps je Index
50.000
Indexdateien je Property
500 in der Search Console
URL-Länge
unter 2.048 Zeichen
Alle Werte stammen aus der Google-Dokumentation und dem Sitemaps-Protokoll. Bing rechnet vor, was damit möglich ist: 50.000 Sitemaps mal 50.000 URLs ergeben bis zu 2,5 Milliarden Adressen je Index. Für ein KMU ist das Zehntausendfache des Nötigen.
lastmod, priority, changefreq
Das Protokoll kennt drei optionale Felder, aber nur eins zählt. Google ignoriert priority und changefreq komplett. lastmod, das Datum der letzten Änderung, nutzt Google nur, wenn es durchgehend stimmt und nachprüfbar ist. Bing nennt lastmod ein zentrales Signal für das erneute Crawlen und warnt davor, einfach den Zeitpunkt einzutragen, an dem die Sitemap erzeugt wurde.
Eine wesentliche Änderung ist neuer Inhalt, nicht das Copyright-Jahr im Footer. Wer alle URLs täglich mit frischem Datum versieht, wird nicht bestraft. Das Datum wird nur wertlos.
Sitemap in WordPress
Gute Nachricht für die meisten KMU-Websites: Die Sitemap ist schon da. WordPress liefert seit Version 5.5 (2020) unter /wp-sitemap.xml einen Sitemap-Index mit 2.000 Einträgen je Datei, allerdings ohne lastmod. Mit WordPress laufen laut W3Techs 39,6 % aller Websites.
- Yoast SEO ersetzt die Core-Sitemap durch /sitemap_index.xml: 1.000 URLs je Datei, Bilder inklusive, noindex-Seiten, private Seiten und paginierte Archive bleiben draußen.
- Rank Math arbeitet ähnlich unter derselben Adresse und empfiehlt kleinere Dateien mit 200 Links.
- Screaming Frog erzeugt Sitemaps aus einem Crawl, in der kostenlosen Version bis 500 URLs.
Einreichen geht über den Sitemaps-Bericht der Google Search Console oder eine Zeile Sitemap: in der robots.txt. Den alten Weg, Google per Ping anzustoßen, hat Google 2023 abgeschaltet.
Zwei Fälle aus der Praxis
Case A · Dienstleister
Website mit 60 Seiten
60
Seiten
500
Googles Schwelle für „klein“
Sitemap nicht nötig, aber kostenlos dabei
Konstruiertes Beispiel. Yoast liefert die Datei ab Werk; Aufwand: einmal in der Search Console einreichen und auf Status „Erfolgreich“ prüfen.
Case B · Onlineshop
120.000 Produkt-URLs
3
Dateien mindestens
120
Dateien bei Yoast
Ohne Index und korrektes lastmod geht Crawl-Zeit verloren
Konstruiertes Beispiel. Das 50.000-URL-Limit erzwingt die Aufteilung; Yoast teilt in 1.000er-Dateien. Hier entscheidet lastmod, welche Produkte zuerst neu gecrawlt werden.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Die Sitemap als Indexierungsgarantie sehen
„Steht doch in der Sitemap!“ Google antwortet in der Search Console mit „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“. Die Sitemap macht Seiten bekannt. Ob sie in den Index kommen, entscheidet die Qualität.
Fehler 2 · Falsche URLs einliefern
Weiterleitungen, noindex-Seiten, nicht-kanonische Varianten: Google sagt, nur URLs aufzunehmen, die in den Suchergebnissen erscheinen sollen. Jede Sitemap-URL ist zugleich ein Kanonisierungsvorschlag. Widerspricht sie dem Canonical Tag, verwirrst du Google.
Fehler 3 · lastmod schönen
Alle Seiten tragen das heutige Datum, weil das Plugin die Sitemap bei jedem Aufruf neu baut. Google erkennt das und ignoriert das Feld. Damit verlierst du den einzigen Hebel, den die Sitemap über die URL-Liste hinaus bietet.
Fehler 4 · Sitemap im Unterverzeichnis
Eine Sitemap gilt nur für Adressen unterhalb ihres eigenen Verzeichnisses. Liegt sie unter /blog/sitemap.xml, darf sie keine Shop-URLs enthalten. Die Search Console meldet dann „URL nicht erlaubt“. Deshalb gehört sie ins Hauptverzeichnis.
So prüfst du deine Sitemap
Der Sitemaps-Bericht der Search Console zeigt drei Zustände: Erfolgreich, Fehler, konnte nicht abgerufen werden. Im Bericht zur Seitenindexierung filterst du auf „Alle eingereichten Seiten“ und siehst, wie viele Sitemap-URLs tatsächlich im Index sind. Diese Quote ist deine eigentliche Kennzahl.
Häufige Fragen
Brauche ich für eine kleine Website eine Sitemap?
Laut Google nicht zwingend. Bei rund 500 Seiten oder weniger mit sauberer interner Verlinkung findet Google alles von selbst. Da WordPress und die SEO-Plugins die Datei ohnehin erzeugen, reichst du sie trotzdem in der Search Console ein. Es kostet nichts.
Wo finde ich die Sitemap meiner WordPress-Website?
Ohne SEO-Plugin unter /wp-sitemap.xml. Mit Yoast SEO oder Rank Math unter /sitemap_index.xml. Yoast leitet /sitemap.xml automatisch dorthin weiter.
Wie reiche ich die Sitemap bei Google ein?
Über den Sitemaps-Bericht in der Google Search Console oder mit einer Zeile „Sitemap: https://deine-domain.de/sitemap_index.xml“ in der robots.txt. Den Ping-Dienst, mit dem Plugins Google früher benachrichtigt haben, gibt es seit 2023 nicht mehr.
Warum sind Seiten aus meiner Sitemap nicht im Index?
Weil die Sitemap keine Garantie ist. Die Search Console unterscheidet „Gefunden, zurzeit nicht indexiert“ (Google hat die URL, aber noch nicht gecrawlt) und „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“ (Google hält die Seite nicht für wertvoll genug). Im zweiten Fall hilft nur besserer Inhalt.
Muss ich priority und changefreq pflegen?
Nein. Google und Bing ignorieren beide Felder. Pflege stattdessen lastmod, das Datum der letzten wesentlichen Änderung. Es zählt nur, wenn es ehrlich ist.
Quellen
- Google Search Central: Sitemaps – Übersicht
- Google Search Central: Sitemap erstellen und einreichen
- Google Search Central: Große Sitemaps verwalten
- sitemaps.org: Sitemaps-Protokoll
- Bing Webmaster Blog: Sitemaps in der KI-Suche
- Search Console-Hilfe: Sitemaps-Bericht
- WordPress Core: XML-Sitemaps in WordPress 5.5
- Yoast Developer: XML-Sitemaps – Funktionsbeschreibung
- W3Techs: Marktanteile der Content-Management-Systeme