Was ist ein Storyboard?
Du drehst ein 30-Sekunden-Video für Instagram. Am Drehtag merkst du: Die Nahaufnahme vom Produkt fehlt, der Schluss ist zu lang, und wo kommt eigentlich das Logo hin? Genau dafür gibt es das Storyboard.
Ein Storyboard ist der Ablauf deines Videos in Bildern, Einstellung für Einstellung, in fester Reihenfolge. Jedes Feld — man sagt Panel — zeigt, was zu sehen ist. Darunter steht kurz, was passiert, was gesagt oder eingeblendet wird und was die Kamera macht.
Erfunden wurde das Ganze Anfang der 1930er-Jahre im Disney-Studio. Seitdem plant fast jede Film-, Animations- und Werbeproduktion damit.
Was gehört in ein Storyboard?
Pro Panel ein paar Angaben, mehr nicht:
Angabe
Beispiel
Bild
Hände öffnen das Paket
Handlung
Produkt wird herausgehoben
Text / Ton
Einblendung: „In 2 Tagen bei dir“
Kamera
Nah, von oben, ruhig
Dauer
2 Sekunden
Für ein kurzes Social-Video reichen meist sechs bis zehn Panels. Faustregel: ein Panel pro Schnitt. Und denk gleich mit, in welchem Format das Video läuft — hochkant für Reels und Shorts, quer für YouTube und deine Website.
Warum das erste Panel am wichtigsten ist
Im Feed entscheiden die ersten Sekunden alles. Meta hat zusammen mit Nielsen ausgewertet, dass bis zu 47 % des Werts einer Videokampagne in den ersten drei Sekunden entstehen und bis zu 74 % in den ersten zehn. Die Zahlen sind von 2016, die Richtung gilt aber heute erst recht.
Für dein Storyboard heißt das: Panel 1 bekommt die meiste Liebe. Zeig sofort das Problem, das Ergebnis oder etwas Überraschendes. Und plan das Video so, dass es ohne Ton funktioniert — Meta schreibt selbst, dass die meisten Videoanzeigen am Handy stumm gesehen werden. Text-Einblendungen und Untertitel gehören also schon ins Board.
Google gibt mit seinem ABCD-Raster für YouTube-Anzeigen eine gute Checkliste fürs Board vor: Aufmerksamkeit holen, Brand früh zeigen, Connect, also emotional verbinden, Direct, also klar sagen, was der Zuschauer tun soll.
Storyboard, Skript, Shotlist, Moodboard
- Skript: der Text — Handlung, Dialog, Sprechertext. Das Storyboard setzt ihn in Bilder um und entsteht meist danach.
- Shotlist: eine Tabelle aller Einstellungen mit Technik für die Crew, oft nach Drehort sortiert statt nach Ablauf.
- Moodboard: eine Collage für Look und Stimmung — Farben, Licht, Stil — ohne Reihenfolge.
- Animatic: die Storyboard-Bilder hintereinander geschnitten, mit Rohton. So prüfst du Timing und Länge, bevor du drehst.
Kurz: Das Moodboard sagt, wie es aussehen soll. Das Storyboard sagt, was in welcher Reihenfolge passiert. Die Shotlist sagt der Crew, wie sie es dreht.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Das Logo am Anfang, die Pointe am Ende
Klassischer Werbespot-Aufbau: Logo, lange Einleitung, ganz zum Schluss das Angebot. Im Feed sieht das Ende kaum noch jemand. Dreh die Reihenfolge um — Haken zuerst, Marke früh, aber nicht als Vorspann.
Fehler 2 · Für Ton geplant, ohne Ton gesehen
Wenn die ganze Botschaft im Sprechertext steckt, versteht im stummen Feed niemand etwas. Schreib für jedes Panel auf, was ohne Ton zu sehen und zu lesen ist.
Fehler 3 · Nur ein Format geboardet
Ein Board für 16:9, ausgespielt als Hochkant-Reel — dann fehlen plötzlich Köpfe und Hände am Bildrand. Wenn das Video in mehreren Formaten läuft, markier im Board, was in beiden Ausschnitten drin sein muss.
Fehler 4 · Skript ändern, Board vergessen
Kurz vor dem Dreh wird der Text noch umgebaut, das Board bleibt alt. Am Set arbeitet dann jeder nach einer anderen Fassung. Halte beide Dokumente zusammen aktuell — auch in Tools wie Boords läuft das nicht automatisch mit.
So baust du dein erstes Storyboard
- Papier oder Post-its: sechs bis neun Rahmen aufmalen, skizzieren, umsortieren. Schneller geht es nicht.
- Canva oder Figma: fertige Storyboard-Vorlagen, gut zum Teilen mit Kunden.
- Boords oder StudioBinder: spezialisierte Tools mit Skript, Board, Animatic und Freigabe per Link.
- KI-Bilder: Adobe Firefly und andere Bildgeneratoren erzeugen Panels aus einer Beschreibung — praktisch, wenn du nicht zeichnen willst.
- Animatic: die Panels in CapCut oder DaVinci Resolve hintereinanderlegen und den Sprechertext drüberlegen.
Häufige Fragen
Brauche ich für ein kurzes Reel überhaupt ein Storyboard?
Ein schnelles schon. Sechs Kästchen auf einem Zettel reichen. Gerade bei 15 bis 30 Sekunden zählt jede Einstellung, und mit Board drehst du gezielt statt aufs Geratewohl. Für spontane Story-Clips kannst du es weglassen.
Was ist der Unterschied zwischen Storyboard und Drehbuch?
Das Drehbuch oder Skript ist Text: Handlung, Dialog, Sprechertext. Das Storyboard zeigt dieselbe Abfolge in Bildern, mit Notizen zu Kamera und Ton. Meist entsteht erst das Skript, dann das Board.
Wie viele Bilder braucht ein Storyboard?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Als Faustregel gilt ein Panel pro Einstellung oder Schnitt. Für ein 30-Sekunden-Video sind das meist sechs bis zehn Panels, für ein zweiminütiges Erklärvideo eher fünfzehn bis dreißig.
Kann ich ein Storyboard mit KI erstellen?
Ja. Bildgeneratoren wie Adobe Firefly erzeugen Panels aus kurzen Beschreibungen, spezialisierte Tools machen aus einem Skript ein ganzes Board. Prüf die Bilder trotzdem: KI erfindet gern Details, die du später nicht drehen kannst.
Was ist ein Animatic?
Ein Animatic ist das Storyboard als Film: Die Panels werden hintereinander geschnitten, mit Rohton oder Sprechertext. Damit prüfst du, ob Timing und Länge stimmen, bevor du teuer drehst oder animierst. In der Werbung testet man so Spots vorab.