Was ist die Klicktiefe?
Stell dir vor, du stehst auf deiner Startseite und willst zu einem bestimmten Produkt. Du klickst auf „Shop“, dann auf „Damen“, dann auf „Jacken“, dann auf Seite 4 der Liste, dann aufs Produkt. Fünf Klicks. Das ist die Klicktiefe dieser Seite.
Gezählt wird immer der kürzeste Weg. Gibt es von der Startseite einen direkten Link aufs Produkt, ist die Tiefe 1, egal wie viele lange Wege es sonst noch gibt.
Die gängigen SEO-Crawler zählen die Startseite als 0. Alles, was dort verlinkt ist, liegt auf Tiefe 1, alles von dort aus auf Tiefe 2 und so weiter. Manche Quellen zählen die Startseite als 1 — achte beim Vergleichen darauf.
Warum die Klicktiefe fürs SEO zählt
Google sagt es recht deutlich. In einem Webmaster-Hangout 2018 erklärte John Mueller laut Search Engine Journal: Google zählt keine Schrägstriche in URLs. Entscheidend sei, durch wie viele Links man sich bis zur Seite klicken muss. Eine Seite einen Klick von der Startseite entfernt gilt als wichtiger.
Dahinter steckt eine einfache Logik. Google findet neue Seiten vor allem über Links und nutzt sie als Signal für Relevanz. Die Startseite bekommt meist die meisten Links von außen. Was nah an ihr hängt, bekommt mehr von dieser Stärke ab und wird häufiger besucht.
Wie stark das wirkt, zeigt eine Auswertung des Tool-Anbieters Botify von 2018: Von den Seiten weniger als 4 Klicks von der Startseite entfernt wurden 58,2 % von Google gecrawlt, bei Seiten mehr als 8 Klicks entfernt nur 31,5 %. Die Methode hat Botify nicht offengelegt — nimm es als Richtung, nicht als Gesetz.
Die Drei-Klick-Regel: ein Mythos
Kaum ein SEO-Ratschlag hält sich so hartnäckig: „Jede Seite muss in drei Klicks erreichbar sein.“ Belegt ist das nicht. Die Nielsen Norman Group nennt die Regel willkürlich und schreibt, sie sei in keiner veröffentlichten Studie durch Daten gestützt worden.
Eine Nutzerstudie von 2003 mit 44 Teilnehmern und über 8.000 Klicks fand: Nach drei Klicks gaben Nutzer nicht häufiger auf als nach zwölf. Wer auf dem richtigen Weg ist, klickt weiter. Ärgerlich wird es erst, wenn man sich verirrt.
Als grobe Orientierung für deine wichtigsten Seiten taugt die Drei trotzdem. Botify nennt aus Erfahrung, dass die stärksten Seiten meist auf Tiefe 5 oder weniger liegen. Eine feste Grenze von Google gibt es nicht.
Beispiele aus der Praxis
Echte Vorher-nachher-Zahlen zur Klicktiefe sind rar. Zwei Beispiele aus Anbieter-Fallstudien zeigen aber, wo die Probleme typischerweise stecken.
Fall A · Großer Shop
Top-Produkte zu tief vergraben
38 %
der Seiten gecrawlt (30 Tage)
≤ 20 %
gecrawlt auf Tiefe 7
Die wichtigsten Produkte lagen ausgerechnet auf Tiefe 7.
Logfile-Auswertung einer einzelnen Website durch Botify. Einzelfall, aber typisch: Was tief liegt, sieht Google selten.
Fall B · Jobbörse
Pagination umgebaut
10 Mio.
Seiten
> 50 %
Crawl-Budget auf wertarmen Seiten
Nach dem Umbau stieg das Crawl-Volumen von Google um 214 %.
Laut Anbieter-Fallstudie von Botify (JobiJoba). Für kleine Websites ist Crawl-Budget kaum ein Thema — die Lehre gilt trotzdem: Lange Seitenlisten machen Seiten tief.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Klicktiefe mit URL-Tiefe verwechseln
Viele bauen schön flache URLs und lassen die Verlinkung tief. Für Google zählt die Verlinkung. Erst die Links umbauen, dann über URLs nachdenken.
Fehler 2 · Pagination und Filter unterschätzen
Lange Seitenlisten (Seite 1, 2, 3 … 43) und Filter-Kombinationen sind die häufigste Ursache für extreme Tiefen. Botify zeigt ein Beispiel einer Reise-Website, bei der Hotels durch Pagination fast 1.000 Klicks tief lagen.
Fehler 3 · Auf die Sitemap vertrauen
Die Sitemap hilft Google, eine Seite zu finden. An der Klicktiefe ändert sie nichts. Eine Seite, die nur in der Sitemap steht und nirgends verlinkt ist, ist eine verwaiste Seite.
Fehler 4 · Weiterleitungen in internen Links
Screaming Frog und Ahrefs zählen jede Weiterleitung als eigene Ebene. Interne Links auf alte URLs machen Seiten also tiefer, als sie sein müssten. Verlinke direkt aufs Ziel.
So holst du wichtige Seiten nach vorn
- Messen: Crawl mit Screaming Frog (Spalte „Crawl Depth“), Sitebulb oder dem Site Audit von Ahrefs. Sortier nach Tiefe und schau, welche wichtigen Seiten weit hinten liegen.
- Hub-Seiten bauen: Kategorie- und Themenseiten, die die wichtigsten Unterseiten bündeln.
- Breadcrumbs und „Verwandte Beiträge“: verlinken quer und verkürzen Wege.
- Pagination entschärfen: mehr Einträge pro Seite, Kategorien feiner schneiden. Google empfiehlt, jede Seite einzeln adressierbar zu machen und die Seiten nacheinander mit echten Links zu verbinden.
- Aus Inhalten verlinken: Ein Link aus einem gut besuchten Artikel holt eine Seite oft um mehrere Ebenen nach vorn.
Häufige Fragen
Ist die Klicktiefe ein Rankingfaktor?
Einen offiziellen Faktor mit diesem Namen gibt es nicht. Google hat aber gesagt, dass Seiten nah an der Startseite als wichtiger gelten. Indirekt wirkt die Klicktiefe also über Crawling und die Stärke interner Links.
Wie tief darf eine Seite höchstens liegen?
Eine feste Grenze gibt es nicht, auch die Drei-Klick-Regel ist nicht belegt. Wichtige Seiten sollten möglichst nah an der Startseite hängen, Botify nennt aus Erfahrung Tiefe 5 oder weniger.
Was ist der Unterschied zwischen Klicktiefe und URL-Struktur?
Die URL-Struktur zeigt Verzeichnisse im Pfad, die Klicktiefe zählt Links von der Startseite. Beides hängt nicht zusammen. Für Google zählt laut John Mueller die Klicktiefe, nicht die Zahl der Schrägstriche.
Wie messe ich die Klicktiefe meiner Website?
Mit einem Crawler wie Screaming Frog, Sitebulb oder dem Site Audit von Ahrefs. Startpunkt muss die Startseite sein, nicht die Sitemap — sonst kommen andere Werte heraus. Die Google Search Console zeigt keine Klicktiefe.