Was ist ein Animatic?
Auf dem Papier sieht dein Storyboard super aus. Zwölf Bilder, klare Geschichte. Aber wie lange steht das dritte Bild? Passt der Sprechertext in die Szene? Kommt die Pointe zu früh? Das siehst du erst, wenn sich die Bilder bewegen. Genau dafür gibt es das Animatic.
Adobe beschreibt es kurz als animiertes Storyboard. Jedes Bild bleibt so lange stehen, wie die Einstellung später dauern soll, und darunter läuft ein vorläufiger Ton: Sprecher, Musik, Geräusche. Die Bilder dürfen grob sein — es geht um Timing und Ablauf, nicht um Schönheit.
Erfunden haben das die Trickfilmstudios. Das Storyboard entstand in den 1930er-Jahren bei Disney, den Begriff „Animatic“ gibt es laut Adobe seit den 1940er-Jahren. Werbeagenturen nutzen Animatics seit Jahrzehnten, um Spots vor der Produktion zu testen.
Animatic, Storyboard und Verwandte
Format
Was es ist
Storyboard
Stehende Bilder mit Beschreibung, ohne Dauer und Ton
Animatic
Storyboard-Bilder als Video, mit Timing und Ton
Photomatic
Wie ein Animatic, aber aus Fotos statt Zeichnungen
Previs
Aufwendige 3D-Vorschau mit echten Kameradaten
Rohschnitt
Erster Schnitt aus gedrehtem Material
Laut Adobe unterscheiden sich Storyboard und Animatic genau hier: Das Storyboard enthält geschriebene Bildbeschreibungen, das Animatic nicht. Dafür hat es unterschiedliche Bildlängen, Ton und manchmal Untertitel und wird als Video ausgegeben.
Warum Agenturen Animatics testen
Ein fertiger Werbespot ist teuer. Ein Animatic kostet einen Bruchteil davon und lässt sich Testpersonen zeigen, bevor die Kamera läuft. Laut Kantar kann ein Test in zwei Entwicklungsstufen, etwa als Animatic und als fertiger Film, die Werbewirkung um 38 % steigern. Das ist eine Angabe des Testanbieters selbst, die Methodik ist nicht veröffentlicht — nimm sie als Richtung.
Heineken hat zum Beispiel den Spot „Cheers to all“ erst als Animatic getestet, um zu prüfen, ob die Idee bei Biertrinkern ankommt. Für dich als kleines Unternehmen ist der Test einfacher: Zeig das Animatic drei Leuten aus deiner Zielgruppe und frag, was sie verstanden haben.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Das Animatic zu weit ausproduzieren
Ein Animatic soll schnell und billig sein. Die Beratung TrinityP3 schildert einen Fall, in dem ein Animatic mit über 30 animierten Bildern mehr als zwei Wochen dauerte und fast 200.000 US-Dollar kostete. Danach blieb so wenig Zeit, dass die Produktion über 40 % teurer wurde als geplant. Grob reicht.
Fehler 2 · Mit Dingen testen, die du nicht bezahlen kannst
Im selben Bericht unterlegte eine Agentur ihr Test-Animatic mit einem bekannten Song. Die Testpersonen liebten es. Die Lizenz hätte über 2 Millionen US-Dollar für ein Jahr gekostet, der Ersatz kam nicht an. Teste nur mit Musik und Effekten, die du später auch wirklich nutzen kannst.
Fehler 3 · Ohne Ton bauen
Ohne Sprecher und Musik fehlt das Gefühl für das Tempo. Selbst eine schnell mit dem Handy aufgenommene Sprachspur ist besser als keine.
Fehler 4 · Unterschiedlich aufwendige Varianten vergleichen
Testest du zwei Ideen, eine bunt animiert, eine als Bleistiftskizze, gewinnt meist die buntere — nicht die bessere Idee. Bau Varianten im gleichen Stil.
So baust du ein Animatic
- Storyboard fertig machen — ein Bild pro Einstellung, Handyfotos von Zeichnungen reichen.
- Ton aufnehmen — Sprechertext einsprechen, Platzhalter-Musik aus einer lizenzfreien Bibliothek.
- Bilder auf die Zeitleiste legen — in Premiere Pro, DaVinci Resolve, CapCut oder sogar in Photoshop über die Zeitleiste.
- Dauer ziehen — jedes Bild so lang, wie die Einstellung im Film sein soll.
- Anschauen und kürzen — was zu lang wirkt, ist zu lang.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Storyboard und Animatic?
Das Storyboard besteht aus stehenden Bildern mit Beschreibungen. Das Animatic macht daraus ein Video: Jedes Bild bekommt seine geplante Dauer, dazu kommt ein vorläufiger Ton. So prüfst du Timing und Tempo.
Wie lang ist ein Animatic?
So lang wie der geplante Film. Es bildet das Timing des fertigen Videos ab, ein 30-Sekunden-Spot hat also ein 30-Sekunden-Animatic.
Kann ich ein Animatic ohne Zeichenkenntnisse erstellen?
Ja. Strichmännchen, Fotos vom Set oder Bilder aus einem KI-Generator reichen völlig. Es geht um Ablauf und Timing, nicht um Schönheit.
Braucht ein Animatic Ton?
Unbedingt. Erst mit Sprechertext und Musik merkst du, ob eine Szene zu lang oder zu kurz ist. Nimm aber nur Musik, die du später auch rechtlich nutzen kannst.
Lohnt sich ein Animatic für kleine Budgets?
Gerade dann. Ein Animatic kostet dich ein paar Stunden und verhindert, dass du einen Drehtag für eine Idee bezahlst, die nicht funktioniert.
Quellen