Was ist der Chrome UX Report?
Woher weiß Google eigentlich, ob deine Seite schnell ist? Nicht, indem es sie selbst einmal aufruft. Sondern aus dem Chrome UX Report, kurz CrUX (gesprochen wie „Crux“).
CrUX ist ein öffentlicher Datensatz, der zeigt, wie echte Chrome-Nutzer Websites erleben. Er ist die offizielle Datenquelle für die Core Web Vitals: Largest Contentful Paint (Ladezeit), Interaction to Next Paint (Reaktion) und Cumulative Layout Shift (Stabilität). Dazu kommen weitere Werte wie Time to First Byte. Google nutzt diese Daten auch für das Ranking-Signal „Page Experience“.
Das Wichtigste daran: Es sind Felddaten. Gemessen wird bei echten Aufrufen, mit allen langsamen Handys und wackeligen Verbindungen. Das Gegenstück sind Labordaten wie bei Lighthouse, die eine einzelne simulierte Messung zeigen.
Wie misst CrUX?
Drei Regeln musst du kennen, sonst wirst du aus deinen Zahlen nicht schlau:
- 28 Tage: Jeder Wert umfasst die letzten 28 Tage, gleitend. Eine Verbesserung von heute taucht also nur Stück für Stück auf.
- 75. Perzentil: Gewertet wird nicht der Durchschnitt, sondern der Wert, den drei von vier Seitenaufrufen erreichen oder unterbieten. Die langsamsten Besuche zählen also mit.
- Getrennt nach Gerät: Handy und Desktop werden einzeln bewertet. Meist ist das Handy die Baustelle.
Wessen Daten einfließen
Nicht jeder Chrome-Nutzer zählt. Er muss Nutzungsstatistiken erlauben und seinen Verlauf synchronisieren, ohne eigene Sync-Passphrase. Erfasst wird Chrome auf Windows, macOS, Linux, ChromeOS und Android. Nicht dabei: Chrome auf dem iPhone, Safari, Firefox und andere Chromium-Browser wie Edge.
Welche Seiten einfließen
Die Seite muss öffentlich sein (Status 200, kein noindex) und genug Besucher haben. Wie viele, verrät Google bewusst nicht. Für URLs mit zu wenig Daten zeigt PageSpeed Insights ersatzweise die Werte der ganzen Domain — und hat auch die zu wenig, gibt es nur Labordaten.
Wo du deine CrUX-Daten findest
Weg
Wofür
PageSpeed Insights
schneller Blick auf eine URL, oben Feld-, unten Labordaten
Search Console
Bericht „Core Web Vitals“ mit ganzen URL-Gruppen
CrUX Vis
Verlauf über rund zehn Monate
CrUX API
täglich aktualisiert, für eigene Auswertungen
BigQuery
monatlich, Daten zurück bis 2017
Die API ist kostenlos (150 Abfragen pro Minute), die History-API liefert bis zu 40 Wochen Verlauf. Das alte CrUX Dashboard in Looker Studio hat Google Ende 2025 eingestellt, Nachfolger ist CrUX Vis. Tools wie Treo oder DebugBear bauen ebenfalls auf CrUX auf.
Zwei typische Situationen
Echte Fallstudien gibt es zu CrUX kaum — dafür zwei Situationen, die fast jeder kennt:
Der Handwerksbetrieb ohne Felddaten
Ein Tischler mit ein paar hundert Besuchern im Monat prüft seine Seite in PageSpeed Insights. Oben steht: keine Daten aus der Praxis. Das ist kein Fehler, er liegt schlicht unter Googles Schwelle. Dann sind Lighthouse-Werte die einzige Orientierung — und Ladezeit ist für ihn eher ein Thema der Besucher als des Rankings.
Der Shop, der zu früh feiert
Ein Onlineshop baut sein Hero-Bild um. Lighthouse zeigt sofort grün. In der Search Console bleibt es rot — weil dort noch 28 Tage alte Aufrufe mitzählen. Erst nach rund vier Wochen ist der neue Stand vollständig drin. Der Klick auf „Fehlerbehebung prüfen“ in der Search Console beobachtet ebenfalls 28 Tage lang.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Lighthouse-Score für das Ranking halten
Der Lighthouse-Score ist ein Labor-Wert und kein Ranking-Signal. Lighthouse kann die Reaktionszeit (INP) nicht einmal messen und nimmt Total Blocking Time als Ersatz. Für Google zählt CrUX.
Fehler 2 · Sofort Wirkung erwarten
Wer nach einer Optimierung täglich nachschaut und nach drei Tagen enttäuscht ist, hat das 28-Tage-Fenster vergessen. Gib dir einen Monat.
Fehler 3 · Domain-Werte für die Einzelseite halten
Hat eine Unterseite zu wenig Daten, zeigt PageSpeed Insights die Werte der ganzen Domain. Die sagen über genau diese Seite wenig. Achte auf den Hinweis, auf welche Ebene sich die Felddaten beziehen.
Fehler 4 · CrUX für alle Besucher halten
iPhone-Nutzer fehlen komplett. Hat deine Zielgruppe viele davon, kann das echte Erlebnis besser oder schlechter sein. Wer es genau wissen will, misst mit einem eigenen Real-User-Monitoring-Tool auf der Seite.
Was du mit CrUX anfängst
- Einmal im Monat den Core-Web-Vitals-Bericht der Search Console ansehen, zuerst Handy.
- Rote URL-Gruppen in PageSpeed Insights öffnen und die Labordaten zur Fehlersuche nutzen.
- Nach Änderungen vier Wochen warten, dann vergleichen — am besten im Verlauf von CrUX Vis.
- Ohne Felddaten nicht verzweifeln: Lighthouse reicht dann als Richtschnur.
Häufige Fragen
Warum zeigt PageSpeed Insights für meine Seite keine Felddaten?
Weil deine Seite zu wenig Besuche von erfassten Chrome-Nutzern hat oder auf noindex steht. Die genaue Mindestzahl nennt Google nicht. Dann siehst du entweder die Werte der ganzen Domain oder nur Labordaten aus Lighthouse.
Wie lange dauert es, bis sich Verbesserungen in CrUX zeigen?
Bis zu 28 Tage, weil jeder Wert die letzten vier Wochen zusammenfasst. Die Verbesserung wächst Tag für Tag hinein. Die API wird täglich aktualisiert, die BigQuery-Daten nur einmal im Monat.
Zählen iPhone-Nutzer in CrUX mit?
Nein. Erfasst wird nur Chrome auf Windows, macOS, Linux, ChromeOS und Android. Safari, Chrome auf iOS, Firefox und Edge fehlen.
Ist CrUX ein Rankingfaktor?
CrUX ist die Datenquelle, aus der Google die Core Web Vitals für das Ranking bezieht. Google nennt aber keine Gewichtung und sagt klar: Relevanter Inhalt kann auch mit mittelmäßigen Werten vorne stehen.
Was ist aus dem CrUX Dashboard geworden?
Das Dashboard in Looker Studio hat Google Ende 2025 eingestellt. Nachfolger ist CrUX Vis, ein kostenloses Werkzeug von Google mit rund zehn Monaten Verlauf.