Was ist ein Model-Release?
Du lässt dein Team für die neue Karriereseite fotografieren. Alle lächeln, alle finden es gut. Ein Jahr später kündigt eine Kollegin und will ihr Foto weg haben. Was jetzt? Die Antwort steht im Model-Release — wenn es einen gibt.
Gemeint ist die schriftliche Einwilligung einer Person, dass Fotos oder Videos von ihr veröffentlicht werden dürfen. Rechtlich steckt dahinter in Deutschland zweierlei:
- Recht am eigenen Bild: Nach § 22 KUG dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung verbreitet oder öffentlich gezeigt werden.
- Datenschutz: Fotos erkennbarer Personen sind personenbezogene Daten. Die Einwilligung muss die Regeln von Art. 7 DSGVO erfüllen — nachweisbar, freiwillig, mit Hinweis auf den Widerruf.
Ausnahmen kennt § 23 KUG, etwa für Personen als Beiwerk neben einer Landschaft oder für Versammlungen. Für Werbung mit gezielt gezeigten Menschen helfen sie dir praktisch nie.
Was in einen Model-Release gehört
- Wer: Name und Kontakt der abgebildeten Person und des Fotografen oder Unternehmens.
- Was: welches Shooting, welche Aufnahmen.
- Wofür: Zweck und Medien — Website, Social Media, Anzeigen, Print.
- Wie lange: befristet oder unbefristet.
- Widerruf: Hinweis, dass und wie die Einwilligung widerrufen werden kann.
- Unterschrift und Datum, bei Minderjährigen auch der Eltern.
Die Stockfoto-Plattformen sind streng. Shutterstock verlangt je erkennbarer Person einen eigenen Release mit Name, Kontakt, Geburtsdatum, handschriftlicher Unterschrift und Datum. Bei Minderjährigen unterschreibt zusätzlich ein Elternteil. Für reine Editorial-Bilder, also redaktionelle Nutzung, braucht es keinen Release — die dürfen dann aber auch nicht in Werbung.
Mitarbeitende und Kinder
Mitarbeiterfotos
Das Bundesarbeitsgericht entschied 2015 einen Fall, den viele Firmen kennen: Ein Monteur tauchte in einem Werbevideo seines Arbeitgebers auf und wollte nach seinem Ausscheiden, dass es verschwindet. Das Gericht stellte klar:
- Im Arbeitsverhältnis braucht die Einwilligung die Schriftform, damit klar ist, dass sie unabhängig vom Job erteilt wurde.
- Niemand muss zustimmen. Wer ablehnt, darf keinen Nachteil haben.
- Die Einwilligung erlischt nicht automatisch mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses.
- Für einen Widerruf musste der Mitarbeiter einen plausiblen Grund nennen.
Das Urteil ist von vor der DSGVO. Nach Art. 7 DSGVO lässt sich eine Einwilligung jederzeit widerrufen, für die Zukunft. Wie das zum Kunsturhebergesetz passt, ist umstritten. Plane deshalb so, dass ein Foto im Zweifel ersetzt werden kann.
Kinder
Der Landesdatenschutzbeauftragte Baden-Württemberg empfiehlt bei Fotos von Minderjährigen die Einwilligung der Eltern — und zusätzlich die des Kindes, sobald es die Tragweite verstehen kann. Eine feste Altersgrenze dafür gibt es nicht.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Pauschalklausel im Arbeitsvertrag
„Der Mitarbeiter willigt in alle Fotos ein“ — das trägt nicht. Das BAG betonte die gesonderte Erklärung für einen konkreten Anlass.
Fehler 2 · Zweck und Kanal offen lassen
Eine Einwilligung für die Website deckt nicht automatisch bezahlte Social Ads. Schreib jeden Kanal hinein, den du nutzen willst.
Fehler 3 · „Gekauft ist gekauft“
Ein Editorial-Stockfoto hat keinen Release und gehört nicht in Werbung. Und bei sensiblen Themen verlangt etwa Getty Images einen Hinweis, dass es sich um ein gestelltes Foto mit Model handelt.
Fehler 4 · Kein Nachweis
Ein mündliches Okay beim Shooting ist schnell vergessen. Nach Art. 7 DSGVO musst du die Einwilligung nachweisen können. Ohne Papier oder Datei hast du nichts in der Hand.
So machst du es richtig
- Vor dem Shooting unterschreiben lassen, nicht hinterher.
- Eine Vorlage für alle: mit Zweck, Kanälen, Dauer und Widerrufshinweis.
- Digital unterschreiben geht, etwa mit einer E-Signatur — Hauptsache, es ist nachweisbar.
- Releases zentral ablegen und mit den Bilddateien verknüpfen.
- Bei Widerruf schnell handeln: Das BAG hielt rund zweieinhalb Monate bis zum Löschen noch für angemessen.
Häufige Fragen
Brauche ich für Mitarbeiterfotos eine schriftliche Einwilligung?
Ja, das ist dringend zu empfehlen. Das Bundesarbeitsgericht verlangte 2015 die Schriftform, damit klar ist, dass die Einwilligung freiwillig und unabhängig vom Arbeitsverhältnis erteilt wurde.
Kann ein Model-Release widerrufen werden?
Nach der DSGVO ist eine Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufbar. Nach dem Kunsturhebergesetz und der älteren Rechtsprechung brauchte es dafür einen Grund. Wie beides zusammenspielt, ist umstritten — plane mit dem Widerruf.
Gilt ein Model-Release nach dem Ausscheiden eines Mitarbeiters weiter?
Laut BAG erlischt die Einwilligung nicht automatisch mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Der Mitarbeiter kann sie aber widerrufen.
Wer unterschreibt bei Kindern?
Die Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten. Der Landesdatenschutzbeauftragte Baden-Württemberg empfiehlt zusätzlich die Einwilligung des Kindes, sobald es die Tragweite verstehen kann.
Brauche ich für gekaufte Stockfotos noch einen Model-Release?
Nein, den hat die Plattform vom Fotografen eingeholt — aber nur bei Bildern für die kommerzielle Nutzung. Editorial-Bilder haben keinen Release und dürfen nicht in Werbung.