Was ist eine Persona?
„Unsere Zielgruppe sind Frauen zwischen 30 und 50 mit Interesse an Nachhaltigkeit.“ Klingt präzise — hilft aber niemandem beim nächsten Button, beim nächsten Newsletter, beim nächsten Produkt. Eine Persona macht daraus einen Menschen.
Die Nielsen Norman Group, eine der bekanntesten UX-Beratungen, definiert sie als fiktive, aber realistische Beschreibung eines typischen Nutzers. Typisch drin:
- ein Name und ein Foto aus der Forschung, kein Stockfoto
- Ziele: Was will diese Person erreichen?
- Verhalten: Wie geht sie heute vor, woran scheitert sie?
- Kontext: Wann, wo und mit welchem Gerät?
- ein typisches Zitat aus echten Gesprächen
Bekannt gemacht hat die Methode der Software-Designer Alan Cooper mit seinem Buch „The Inmates Are Running the Asylum“ von 1999. Bei Microsoft liefen Vorläufer unter dem Namen „user archetypes“ schon Mitte der Neunziger.
Welche Arten von Personas gibt es?
Die Nielsen Norman Group unterscheidet drei Typen nach Aufwand:
Typ
Grundlage
Proto-Persona
Workshop, 2–4 Stunden, keine neue Forschung
Qualitative Persona
Interviews mit 5–30 Nutzern
Statistische Persona
Umfrage ab 100, besser 500+ Befragte
Für die meisten Teams passt laut NN/g die qualitative Persona am besten. Die Proto-Persona ist ein Startpunkt: eine Hypothese, die das Team gemeinsam aufschreibt und danach mit echten Gesprächen prüft. Wer sie nie prüft, hat eine schöne Fantasie an der Wand hängen.
Dazu kommt die Negative Persona: die Gruppe, für die du bewusst nicht baust. Sie hilft beim Nein-Sagen.
Beispiele aus der Forschung
Zwei Befunde, die zeigen, wie Personas gut funktionieren — und wann sie kippen.
Case A · Softwarehersteller
Microsoft, großes Produktteam
6
Personas
2 Monate
Aufbauzeit
Empfehlung: 3 bis 6 Personas je nach Produkt
Pruitt und Grudin (2003): „Sondra hat ein Handy gekauft“ bleibt im Kopf, „20 % der Zielnutzer“ nicht.
Case B · Kritik
Wie viele Merkmale verträgt eine Persona?
6
Umfrage-Datensätze
9+
Merkmale
Ab neun Merkmalen passte die Beschreibung auf niemanden mehr
Chapman und Kollegen (2008) in fünf von sechs Datensätzen mit bis zu 10.307 Befragten.
Die Lehre aus Case B: Jedes Detail, das du dazudichtest, macht die Persona lebendiger — und gleichzeitig unwahrscheinlicher. Behalte nur, was eine Entscheidung verändert.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Ausdenken statt fragen
Eine Persona aus dem Bauch heraus ist keine Persona, sondern ein Vorurteil mit Vornamen. Sprich mit echten Kunden — schon fünf Gespräche zeigen Muster, die du am Schreibtisch nie findest.
Fehler 2 · Nur Demografie
Alter, Wohnort, Einkommen — das ist eine Zielgruppe, keine Persona. NN/g hält Demografie für Design-Entscheidungen sogar für problematisch. Was zählt, sind Ziele, Hürden und Verhalten.
Fehler 3 · Bauen und in die Schublade legen
Die NN/g nennt das als Hauptgrund, warum Personas scheitern: Sie werden erstellt, präsentiert und vergessen. Oder ein Team baut sie allein, und die anderen glauben nicht dran. Eine Persona wirkt nur, wenn im Meeting jemand fragt: „Und was würde Sondra dazu sagen?“
Fehler 4 · KI-Personas statt echter Gespräche
ChatGPT schreibt dir in Sekunden fünf Personas. Die NN/g hat KI-Nutzer gegen echte Studien antreten lassen (2024): Die KI-Versionen waren zu zustimmend und zu optimistisch. Ein synthetischer Nutzer behauptete, alle Kurse abgeschlossen zu haben — der echte hatte drei von sieben geschafft. Für einen Entwurf gut, als Ersatz gefährlich.
So erstellst du eine Persona
- Daten sammeln — Interviews, Support-Anfragen, Umfragen, Analytics, Gespräche mit dem Vertrieb.
- Muster suchen — Wer hat ähnliche Ziele und ähnliche Probleme?
- Verdichten — pro Muster eine Persona, am Anfang lieber zwei als sechs.
- Aufschreiben — eine Seite: Name, Ziel, Hürden, Verhalten, Zitat.
- Benutzen — bei jeder Entscheidung auf die Persona zeigen, nach einem Jahr prüfen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Persona und Zielgruppe?
Eine Zielgruppe ist ein Segment mit gemeinsamen Merkmalen, meist demografisch. Eine Persona ist ein konkreter, benannter Typ aus dieser Gruppe — mit Zielen, Verhalten und Alltag. Mit ihr kann ein Team Entscheidungen durchspielen, mit einer Zielgruppe kaum.
Wie viele Personas brauche ich?
Für kleine Projekte reicht oft eine primäre Persona. Microsoft empfahl für größere Produkte drei bis sechs. Mehr Personas bedeuten weniger Fokus — wer für alle baut, baut für niemanden.
Was ist eine Proto-Persona?
Eine Persona ohne neue Forschung, entstanden in einem kurzen Workshop aus dem Wissen des Teams. Sie ist eine Hypothese, die du danach mit echten Gesprächen überprüfen solltest.
Kann ich Personas mit KI erstellen?
Als Entwurf ja, als Ersatz für Gespräche nein. Untersuchungen der Nielsen Norman Group zeigen, dass KI-Nutzer zu freundlich und zu optimistisch antworten. Nimm die KI zum Strukturieren deiner echten Interviews, nicht zum Erfinden.
Wer hat die Persona erfunden?
Bekannt gemacht hat sie Alan Cooper mit seinem Buch „The Inmates Are Running the Asylum“ von 1999. Ähnliche Ansätze gab es zur selben Zeit etwa bei Microsoft unter dem Namen „user archetypes“.