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Bleistiftskizze: Orange hervorgehobene Balkenwaage steht auf einer gefalteten Zeitung mit Wellenlinien, als Bild für ethische Maßstäbe der Presse
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Pressekodex

Der Pressekodex ist kein Gesetz, und trotzdem nehmen Redaktionen ihn ernst. Wer Pressearbeit macht, sollte seine Regeln kennen, denn sie entscheiden mit, was aus deiner Mitteilung wird.

Auch bekannt alsPublizistische Grundsätze

5 Min

Lesezeit

02.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist der Pressekodex?

Wer sagt eigentlich, was Journalisten dürfen? Vieles regelt das Gesetz. Den Rest regelt die Branche selbst, und zwar im Pressekodex.

Herausgeber ist der Deutsche Presserat. Dahinter steht ein Trägerverein aus Verlegerverbänden und Journalistengewerkschaften. Der Kodex besteht aus einer Präambel, Ziffern und ergänzenden Richtlinien. Die aktuelle Fassung stammt vom 19. März 2025.

Rechtlich bindend ist er nicht. Es ist freiwillige Selbstkontrolle. Der Presserat prüft Beschwerden daran und kann Maßnahmen aussprechen.

Welche Ziffern sind fürs Marketing wichtig?

Nicht alle Ziffern betreffen dich. Diese schon:

Regel

Was das für dich heißt

Ziffer 2

Sorgfalt: Redaktionen prüfen Informationen. Deine Zahlen brauchen einen Beleg.

Richtlinie 2.1

Umfragen: Befragte, Zeitraum, Fragestellung und Auftraggeber müssen genannt werden.

Richtlinie 2.2

Symbolbilder werden gekennzeichnet, KI-Bilder dürfen nicht wie die Realität wirken.

Ziffer 7

Trennung von Werbung und Redaktion.

Richtlinie 7.1

Bezahlte Veröffentlichungen müssen als Werbung erkennbar sein.

Richtlinie 7.2

Schleichwerbung: besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material.

Dazu kommt Richtlinie 1.3: Unbearbeitete Pressemitteilungen müssen als solche gekennzeichnet werden. Eine Redaktion kann deinen Text also nicht einfach eins zu eins als eigenen Artikel bringen.

Auch KI hat der Presserat aufgegriffen. Die Verantwortung der Redaktion gilt laut Präambel auch für künstlich generierte Inhalte.

Was passiert bei einem Verstoß?

Der Presserat kennt drei Stufen: Hinweis, Missbilligung und Rüge. Er kann auch auf eine Maßnahme verzichten. Die Rüge ist das schärfste Mittel. Das betroffene Medium soll sie veröffentlichen, online reicht ein Hinweis beim Aufruf des Beitrags.

Geldstrafen gibt es nicht. Wirkung entsteht über den Ruf, und die Zahlen steigen:

Jahr

Öffentliche Rügen

2023

73

2024

86

2025

102

102 Rügen sind laut Presserat so viele wie nie zuvor. Dazu wandten sich 2025 Leserinnen und Leser in 2.636 Fällen an den Presserat, 2024 waren es 2.215. Am häufigsten gerügt wurde 2025 die Sorgfalt nach Ziffer 2. Beschwerden kann jeder einreichen.

Gilt der Pressekodex für deinen Firmenblog?

In der Regel nicht direkt. Der Presserat ist für journalistisch-redaktionelle Medien zuständig: Zeitungen, Zeitschriften, Onlinemedien. Auch manche Blogs können sich per Selbstverpflichtung anschließen, wenn sie journalistisch gemacht sind und regelmäßig erscheinen. Medien, die der Werbung zuzuordnen sind, bleiben außen vor.

Ein reines Firmenblog ist also kein Fall für den Presserat. Das ist unsere Lesart der Kriterien, eine ausdrückliche Aussage dazu haben wir nicht gefunden.

Das heißt aber nicht, dass alles geht. Für dich gilt das Recht: Laut § 5a Abs. 4 UWG musst du den kommerziellen Zweck offenlegen, wenn er sich nicht aus den Umständen ergibt. Und wer regelmäßig Nachrichten anbietet, kann unter die journalistischen Sorgfaltspflichten des § 19 Medienstaatsvertrag fallen.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Anzeige gegen Artikel anbieten

„Wir buchen eine Anzeige, wenn ihr über uns schreibt.“ Damit bringst du die Redaktion in einen Verstoß gegen Ziffer 7. Seriöse Häuser lehnen ab und merken sich deinen Namen.

Fehler 2 · Die Rüge mit einem Urteil verwechseln

Eine Rüge ist keine Strafe und kein Gericht hat gesprochen. Du kannst sie auch nicht einklagen. Für Gegendarstellung oder Unterlassung brauchst du den Rechtsweg.

Fehler 3 · Eine Pressemitteilung voller Superlative

Redaktionen müssen PR-Material sorgfältig prüfen. Je werblicher dein Text, desto mehr Arbeit machst du ihnen und desto schneller landet er im Papierkorb.

Fehler 4 · Eine Umfrage ohne Angaben verschicken

Ohne Zahl der Befragten, Zeitraum und Fragestellung kann eine Redaktion deine Studie kaum sauber bringen. Leg die Angaben gleich bei.

Was tun?

Häufige Fragen

Ist der Pressekodex rechtlich bindend?

Nein. Er ist freiwillige Selbstkontrolle, kein Gesetz. Der Presserat kann Hinweise, Missbilligungen und Rügen aussprechen, aber keine Geldstrafen verhängen.

Was steht in Ziffer 7 des Pressekodex?

Ziffer 7 verlangt die Trennung von Werbung und Redaktion. Redaktionelle Inhalte dürfen nicht durch Interessen Dritter beeinflusst werden. Bezahlte Veröffentlichungen müssen als Werbung erkennbar sein.

Was ist der Unterschied zwischen Hinweis, Missbilligung und Rüge?

Es sind drei Stufen. Der Hinweis ist die mildeste Maßnahme, die Rüge die schärfste. Nur Rügen muss das betroffene Medium in angemessener Form veröffentlichen.

Müssen KI-Texte laut Pressekodex gekennzeichnet werden?

Eine allgemeine Pflicht steht nicht im Kodex. Die Redaktion bleibt für alle Inhalte verantwortlich, auch für künstlich generierte. Bei Bildern gilt: Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass sie die Realität abbilden.

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