Was ist Review-Gating?
Wie kommst du schnell an viele Fünf-Sterne-Bewertungen? Manche Tools hatten dafür lange eine einfache Antwort: erst eine Mini-Umfrage, dann weiterleiten. Genau das ist Review-Gating, auf Deutsch etwa „Bewertungen hinter einer Schranke“.
Der Ablauf ist fast immer gleich. Der Kunde bekommt nach dem Kauf eine Mail mit der Frage, wie zufrieden er war. Klickt er vier oder fünf Sterne, landet er beim Google-Unternehmensprofil oder bei Trustpilot. Klickt er weniger, öffnet sich ein internes Feedback-Formular. Öffentlich sieht man danach vor allem die Zufriedenen.
Die einzelnen Bewertungen sind dabei echt. Verzerrt ist die Auswahl. Der Durchschnitt wirkt besser, als deine Kundschaft dich tatsächlich erlebt.
Was Google und Trustpilot dazu sagen
Den Begriff selbst benutzen die Plattformen nicht, das Vorgehen beschreiben sie aber sehr genau.
Google untersagt in der Richtlinie für nutzergenerierte Inhalte, negative Rezensionen zu verhindern oder Kunden gezielt um positive Rezensionen zu bitten. Verboten sind auch Anreize wie Zahlungen, Rabatte oder kostenlose Produkte. Um eine Bewertung bitten darfst du dagegen ausdrücklich, per Link oder QR-Code. Google schreibt sogar, dass eine Mischung aus positivem und negativem Feedback oft vertrauenswürdiger wirkt.
Trustpilot wird in seinen Richtlinien für Unternehmen noch deutlicher. Verboten ist, Einladungen selektiv zu verschicken und dir die Kunden herauszupicken. Ausdrücklich genannt ist auch das Vorab-Prüfen der Leute, die eine Bewertung abgeben sollen.
Plattform
Mögliche Folge
Rezensionen entfernt, neue zeitweise gesperrt, Warnhinweis im Profil
Trustpilot
Warnhinweis, TrustScore ausgeblendet, Konto gesperrt
Die Google-Maßnahmen nennt die Hilfe zu Einschränkungen bei Richtlinienverstößen gegen Rezensionen, sie gelten für Verstöße allgemein. Bei Trustpilot reicht die Liste bis zur Kündigung des Vertrags und zur Entfernung von der Plattform.
Was das Recht sagt
Ein Gesetz mit dem Wort Review-Gating gibt es nicht. Zwei Regeln aus dem UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) sind aber wichtig, sobald du Bewertungen zeigst, etwa als Widget auf deiner Website.
- § 5b Abs. 3 UWG: Wer Verbraucherbewertungen zugänglich macht, muss angeben, ob und wie er sicherstellt, dass sie von echten Käufern oder Nutzern stammen.
- Anhang Nr. 23b: Echtheit zu behaupten, ohne angemessen zu prüfen, ist stets unzulässig.
- Anhang Nr. 23c: Gefälschte Bewertungen zu übermitteln oder in Auftrag zu geben ist stets unzulässig, ebenso Bewertungen in sozialen Medien zur Verkaufsförderung falsch darzustellen.
Ob Gating beim Einladen darunter fällt, ist Auslegung. Ein deutsches Urteil, das das selektive Einladen ausdrücklich verbietet, habe ich nicht gefunden. Wer aber „echte Kundenmeinungen“ zeigt und nur die Zufriedenen zu Wort kommen lässt, kann als irreführend gelten. Sicher ist nur der Weg ohne Filter.
Wie verbreitet Probleme mit Bewertungen sind, zeigte ein Sweep der EU-Kommission von 2022. Geprüft wurden 223 Websites, bei mindestens 55 % bestand der Verdacht auf Verstöße. 144 Seiten stellten die Echtheit der Bewertungen nicht ausreichend sicher. In den USA gilt seit Oktober 2024 die Consumer Review Rule der FTC, sie verbietet unter anderem das Unterdrücken negativer Bewertungen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Ich lösche ja nichts“
Gating setzt vor der Bewertung an, nicht danach. Google und Trustpilot verbieten genau dieses Einholen nach Auswahl. Dass du nie eine Bewertung gelöscht hast, hilft dir also nicht.
Fehler 2 · Die Umfrage als Weiche
Eine interne Zufriedenheitsumfrage ist erlaubt und sinnvoll. Zum Problem wird sie, wenn das Ergebnis entscheidet, wer den Bewertungslink sieht. Bekommen am Ende alle denselben Link, ist alles in Ordnung.
Fehler 3 · Tool-Voreinstellung übernommen
Manche Bewertungs-Tools hatten eine solche Weiche lange als Funktion eingebaut, oft unter Namen wie „Review Funnel“. Prüf deine Einstellungen, bevor du die erste Einladung verschickst.
Fehler 4 · Der Rabatt für die gute Bewertung
Gating kommt oft mit einem Anreiz zusammen. Bei Google ist jeder Anreiz fürs Bewerten verboten, unabhängig davon, wie die Bewertung ausfällt.
So holst du Bewertungen sauber ein
- Alle fragen: Jeder Kunde bekommt dieselbe Bitte mit demselben Link, nach jedem Auftrag.
- Feedback trennen: Interne Umfrage gerne, aber der Bewertungslink steht für alle darunter.
- Kein Anreiz: Keine Rabatte, Gewinnspiele oder Geschenke im Tausch gegen eine Bewertung.
- Offenlegen: Zeigst du Bewertungen auf deiner Website, schreib daneben, ob und wie du ihre Echtheit prüfst.
- Auf Kritik antworten: Eine ruhige Antwort auf eine Drei-Sterne-Bewertung wirkt oft stärker als die nächste Fünf.
Häufige Fragen
Ist Review-Gating in Deutschland verboten?
Ein ausdrückliches Verbot im Gesetz gibt es nicht. Google und Trustpilot untersagen es aber in ihren Richtlinien und können Profile einschränken. Wer Bewertungen auf der eigenen Website zeigt, muss nach § 5b Abs. 3 UWG offenlegen, wie er die Echtheit sicherstellt, und eine gefilterte Auswahl kann als irreführend gelten.
Darf ich vor der Google-Bewertung eine Zufriedenheitsumfrage schicken?
Ja, solange das Ergebnis nicht entscheidet, wer zu Google geschickt wird. Bekommen alle Befragten danach denselben Bewertungslink, ist die Umfrage unproblematisch.
Darf ich nur Stammkunden um eine Bewertung bitten?
Google verbietet, gezielt um positive Rezensionen zu bitten, und Trustpilot untersagt das Herauspicken von Kunden für Einladungen. Am sichersten fragst du alle Kunden nach einem abgeschlossenen Auftrag.
Was passiert, wenn Google Review-Gating bemerkt?
Google kann betroffene Rezensionen entfernen, neue Rezensionen für eine Zeit sperren, bestehende ausblenden und einen Warnhinweis im Profil zeigen. Du wirst per Mail informiert und kannst Einspruch einlegen.
Was ist der Unterschied zu Fake-Bewertungen?
Bei Fake-Bewertungen sind die Bewertungen selbst erfunden oder gekauft. Beim Review-Gating sind sie echt, nur die Auswahl der Bewertenden ist gefiltert. Beides verzerrt das Bild, rechtlich sind Fake-Bewertungen klar und stets unzulässig.