Was ist eine Fake-Bewertung?
Woran erkennst du, ob hinter fünf Sternen ein echter Kunde steckt? Oft gar nicht, und genau davon lebt die Fake-Bewertung. Gemeint ist jede Bewertung, hinter der keine echte Kauf- oder Nutzungserfahrung steht.
Typische Formen:
- Selbst geschrieben: Inhaber, Mitarbeiter oder Familie loben das eigene Angebot.
- Gekauft: Eine Agentur liefert Bewertungen gegen Geld, oft über viele Konten.
- Angereizt: Bewertung gegen Gutschein, Produkt oder Geld, ohne dass das offengelegt wird.
- Gegen Konkurrenz: Schlechte Bewertungen für den Mitbewerber, um dessen Ruf zu schaden.
Google fasst all das in seiner Richtlinie unter „gefälschte Interaktionen“ zusammen. Ausdrücklich verboten sind dort auch Bewertungen von aktuellen oder früheren Mitarbeitern.
Was das Gesetz sagt
Seit dem 28. Mai 2022 gilt in Deutschland die Umsetzung der EU-Omnibus-Richtlinie. Sie hat drei Regeln ins UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) gebracht:
- Anhang Nr. 23c: Gefälschte Bewertungen zu übermitteln oder in Auftrag zu geben ist stets unzulässig. Dasselbe gilt für falsch dargestellte Bewertungen in sozialen Medien zur Verkaufsförderung.
- Anhang Nr. 23b: Wer behauptet, Bewertungen stammten von echten Käufern, muss das angemessen prüfen.
- § 5b Abs. 3: Wer Bewertungen zeigt, muss angeben, ob und wie er ihre Echtheit sicherstellt.
„Stets unzulässig“ heißt: Es kommt nicht darauf an, ob die Fälschung spürbar wirkt. Bei weitverbreiteten Verstößen mit EU-Bezug sieht § 19 UWG Bußgelder bis 50.000 € vor, bei Unternehmen mit mehr als 1,25 Mio. € Jahresumsatz bis 4 % des Umsatzes. Das greift nur bei koordinierten Aktionen der Behörden. Für den Alltag wichtiger sind Abmahnungen von Mitbewerbern und Verbänden.
Wie groß das Problem ist, zeigte ein Sweep der EU-Kommission von 2022. Behörden prüften 223 große Websites, bei mindestens 55 % bestand der Verdacht auf Verstöße. 118 Seiten erklärten nicht, wie sie Fakes verhindern.
Wie viele Fakes die Plattformen finden
Wie viele Bewertungen insgesamt gefälscht sind, weiß niemand. Die Plattformen veröffentlichen aber, wie viele sie erkennen und entfernen.
Case A · Reiseportal
Tripadvisor, Berichtsjahr 2024
31,1 Mio.
eingereichte Bewertungen
2,7 Mio.
als Betrug abgewehrt
Anteil = 2,7 ÷ 31,1 × 100 = rund 8,7 %
54 % der Fakes waren Eigenlob von Inhabern, Mitarbeitern oder deren Umfeld.
Case B · Bewertungsplattform
Trustpilot, Berichtsjahr 2024
4,5 Mio.
Fakes entfernt
90 %
automatisch erkannt
Laut Trustpilot 7,4 % aller eingereichten Bewertungen
Das ist die Zahl der erkannten Fakes, nicht der wahre Anteil.
Die Leser sind entsprechend misstrauisch. Bei einer Bitkom-Umfrage von 2024 sagten 78 % der Online-Buchenden von Urlaubsunterkünften, sie lesen Bewertungen mit Vorsicht, weil viele gefälscht sein könnten. Fakes schaden also nicht nur dem, der erwischt wird. Sie entwerten Bewertungen insgesamt.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Ein paar Bewertungen vom Team schaden nicht“
Genau das ist die häufigste Form. Bei Tripadvisor machte Eigenlob 54 % der erkannten Fakes aus, und Google verbietet Bewertungen von Mitarbeitern ausdrücklich.
Fehler 2 · Gutschein gegen Sterne
Auch eine ehrliche Meinung wird zum Problem, wenn sie gegen eine Gegenleistung entsteht. Bei Google ist jeder Anreiz verboten. Rechtlich muss eine angereizte Bewertung zumindest erkennbar sein.
Fehler 3 · Das Siegel als Ersatz für Prüfung
„Verifizierte Bewertungen“ auf der Website zu schreiben, reicht nicht. Nach Nr. 23b musst du wirklich prüfen und nach § 5b Abs. 3 offenlegen, wie.
Was du gegen Fakes tun kannst
- Melden: Im Google-Unternehmensprofil, bei Trustpilot, Amazon oder Tripadvisor gibt es eigene Meldewege für gefälschte Bewertungen.
- Kundenkontakt bestreiten: Laut BGH (Urteil vom 9. August 2022, VI ZR 1244/20) reicht die Rüge, dass kein Kundenkontakt bestand. Dann muss das Portal prüfen.
- Belege sichern: Screenshots mit Datum, Kundenliste zum Abgleich.
- Sachlich antworten: Bis zur Löschung steht die Bewertung öffentlich, eine ruhige Antwort zeigt anderen Lesern, wie du arbeitest.
Häufige Fragen
Sind gekaufte Bewertungen in Deutschland verboten?
Ja. Seit dem 28. Mai 2022 ist es nach Anhang Nr. 23c UWG stets unzulässig, gefälschte Bewertungen zu übermitteln oder in Auftrag zu geben. Dazu kommen die Verbote der Plattformen.
Wie lasse ich eine Fake-Bewertung bei Google löschen?
Melde sie im Unternehmensprofil. Bestand kein Kundenkontakt, sag das ausdrücklich: Nach einem BGH-Urteil von 2022 muss ein Portal dann prüfen. Reicht das nicht, hilft eine Anwältin oder ein Anwalt weiter.
Hafte ich für falsche Bewertungen unter meinem Angebot?
Für echte Kundenmeinungen, die du nicht veranlasst hast, grundsätzlich nicht. Anders ist es, wenn du Bewertungen selbst bestellst, schreibst oder bezahlst. Dann fällt das unter das Verbot gefälschter Bewertungen.
Woran erkenne ich gefälschte Bewertungen?
Typisch sind viele Bewertungen in kurzer Zeit, sehr ähnliche Formulierungen, Profile mit nur einer Bewertung und Lob ohne konkrete Details. Sicher ist keins dieser Zeichen, sie sind nur Hinweise.
Was ist der Unterschied zu Review-Gating?
Bei Fake-Bewertungen ist die Bewertung selbst unecht. Beim Review-Gating sind die Bewertungen echt, aber nur zufriedene Kunden werden überhaupt um eine öffentliche Bewertung gebeten.