Was ist Thin Content?
Thin Content heißt wörtlich „dünner Inhalt“. Gemeint sind Seiten, nach denen ein Besucher nicht klüger ist als vorher. Sie füllen den Index, beantworten aber keine Frage besser als die Seiten, die es schon gibt.
Google nennt das bei seinen manuellen Maßnahmen „Minderwertige Inhalte mit geringem oder gar keinem Mehrwert“. Drei Fälle stehen dort ausdrücklich:
- Affiliate-Seiten ohne eigenen Beitrag: Produkttexte und Bewertungen vom Händler übernommen, darunter der Partnerlink. In Googles Spam-Richtlinien heißt das „Affiliates ohne Mehrwert“, im Englischen „Thin Affiliate“.
- Inhalte aus fremden Quellen: kopierte oder leicht umgeschriebene Texte, minderwertige Gastbeiträge.
- Brückenseiten: viele fast gleiche Seiten, die sich nur im Ortsnamen oder Keyword unterscheiden und alle zum selben Ziel führen.
Was passiert mit dünnen Seiten?
Es gibt zwei Wege, auf denen Thin Content dich Sichtbarkeit kostet:
Automatisch: über die Ranking-Systeme
Googles Systeme bewerten, ob Inhalte hilfreich sind. Das frühere Helpful-Content-System ist seit März 2024 Teil der zentralen Ranking-Systeme. Google arbeitet dabei vor allem auf Seitenebene, nutzt aber auch Signale für die ganze Website. Viele dünne Seiten können also auf den Rest abfärben.
Mit dem Core Update im März 2024 wollte Google minderwertige, nicht originelle Inhalte in den Suchergebnissen um rund 40 % reduzieren. Nach Abschluss des Updates meldete Google 45 %.
Von Hand: per manueller Maßnahme
Prüft ein Google-Mitarbeiter deine Website und findet dünne Inhalte, bekommst du in der Google Search Console unter „Manuelle Maßnahmen“ eine Nachricht. Betroffene Seiten oder die ganze Website rutschen ab oder fliegen aus dem Index. Aufgehoben wird die Maßnahme erst, wenn du aufgeräumt und eine Überprüfung beantragt hast.
Beispiele aus der Praxis
Nach dem Update im März 2024 haben zwei Auswertungen gezählt, wie viele Websites ganz aus dem Index verschwanden. Beide stammen nicht von Google, und ob jeweils eine manuelle Maßnahme dahinterstand, wurde nur vermutet.
Auswertung A · Ian Nuttall
Websites aus einer Beobachtungsliste
837
von 49.345 deindexiert
20,7 Mio.
Besuche / Monat vorher
Anteil deindexiert: rund 1,7 %
Viele davon lebten von Display-Werbung. Bis zum 11. März tauchten nur 21 wieder auf.
Auswertung B · Originality.ai
Websites aus drei Werbenetzwerken
1.446
von rund 79.000 deindexiert
86 %
wahrscheinlich mit KI-Texten
Anteil deindexiert: rund 1,9 %
Der KI-Anteil stammt aus einer Stichprobe von 175 Websites — und vom Anbieter eines KI-Detektors.
Für dich als KMU ist das typische Risiko kleiner, aber alltäglich: zwanzig Standortseiten nach Schablone, Produktseiten mit dem Herstellertext, Schlagwort-Archive mit je einem Beitrag.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Unter 300 Wörtern ist es Thin Content“
Die Grenze hat sich jemand ausgedacht. Eine kurze Seite, die eine Frage vollständig beantwortet, ist nicht dünn. 2.000 Wörter Umformuliertes aus den Top 10 können es sein.
Fehler 2 · Umschreiben für Eigenleistung halten
Ein Text mit Synonymen durchgeschüttelt bleibt eine Kopie. Google fragt in seinen Selbstprüfungsfragen nach eigenen Informationen, eigener Analyse und einem deutlichen Mehrwert gegenüber den anderen Ergebnissen.
Fehler 3 · KI-Texte pauschal verdächtigen
Google bestraft nicht das Werkzeug, sondern das Verhalten. Die Spam-Richtlinie „Missbrauch mit massenhaft generierten Inhalten“ gilt ausdrücklich egal, ob Menschen, Maschinen oder beide schreiben. Entscheidend ist, ob jede Seite etwas Eigenes bietet.
Fehler 4 · Einfach alles Alte löschen
Alter allein macht eine Seite nicht dünn. Bevor du löschst, prüf, ob du verbessern, zusammenlegen oder per Weiterleitung auf eine stärkere Seite umleiten kannst. So bleiben Links und Besucher erhalten.
So findest und behebst du Thin Content
- Search Console öffnen: Unter „Manuelle Maßnahmen“ siehst du, ob Google dich schon bestraft hat. Im Bericht zur Seitenindexierung lohnt ein Blick auf „Gecrawlt – zurzeit nicht indexiert“. Das ist kein Beweis, aber oft ein Hinweis auf schwache Seiten.
- Crawlen: Tools wie Screaming Frog, Sitebulb oder die Site Audits von Semrush und Ahrefs zeigen Seiten mit wenig Text und fast gleiche Seiten.
- Ehrlich bewerten: Würde jemand die Seite vermissen, wenn sie fehlt? Google empfiehlt, dafür auch Unbeteiligte zu fragen.
- Entscheiden: ausbauen, mehrere schwache Seiten zu einer starken zusammenlegen, auf noindex setzen oder löschen und weiterleiten.
- Bei manueller Maßnahme: erst aufräumen, dann in der Search Console „Überprüfung anfordern“ — mit Beispielen für entfernte und neue Inhalte. Keinen zweiten Antrag stellen, solange der erste läuft.
Geduld gehört dazu. Laut Google kann es mehrere Monate dauern, bis die Systeme erkennen, dass eine Website dauerhaft hilfreiche Inhalte bietet. Manchmal zeigt sich die Wirkung erst mit dem nächsten Core Update.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Wörtern gilt ein Text als Thin Content?
Es gibt keine Grenze. Google sagt ausdrücklich, dass es keine bevorzugte Wortzahl hat. Dünn ist eine Seite, wenn sie nichts Eigenes bietet — egal ob mit 200 oder 2.000 Wörtern.
Ist KI-generierter Content automatisch Thin Content?
Nein. Google bewertet das Ergebnis, nicht das Werkzeug. Problematisch wird es, wenn massenhaft Seiten ohne Mehrwert entstehen. Dann greift die Spam-Richtlinie zu massenhaft generierten Inhalten, egal wer oder was geschrieben hat.
Sind Herstellertexte im Onlineshop Thin Content?
Sie sind ein Risiko, weil dieselben Texte auf vielen Shops stehen. Ausdrücklich nennt Google übernommene Händlertexte bei Affiliate-Seiten. Für eigene Shops gilt: Je mehr eigene Infos du ergänzt — Fotos, Erfahrungen, Größenhinweise, Vergleiche —, desto besser.
Soll ich dünne Seiten löschen oder auf noindex setzen?
Erst prüfen, ob sich die Seite verbessern oder mit einer anderen zusammenlegen lässt. Braucht sie niemand in der Suche, aber deine Besucher schon, passt noindex. Ist sie für alle überflüssig, löschen und auf die passendste Seite weiterleiten.
Wie lange dauert die Erholung nach einem Abrutschen?
Manche Verbesserungen wirken laut Google nach wenigen Tagen. Bis die Systeme eine Website wieder als dauerhaft hilfreich einstufen, können aber mehrere Monate vergehen, oft bis zum nächsten Core Update.