Was sind Third-Party-Cookies?
Ein Cookie ist eine kleine Datei, die eine Website im Browser ablegt, um dich wiederzuerkennen. Entscheidend ist, wer sie ablegt.
- First-Party-Cookie: kommt von der Seite, die in deiner Adresszeile steht. Dein Warenkorb im Shop ist so ein Fall.
- Third-Party-Cookie: kommt von einer anderen Domain, deren Inhalt auf der Seite eingebunden ist — ein Werbe-Pixel, ein YouTube-Video, ein Social-Media-Button.
Der Witz dabei: Ein großes Werbenetzwerk steckt auf Hunderttausenden Websites. Es sieht deshalb dasselbe Cookie auf dem Nachrichtenportal, im Schuhshop und im Reiseblog. So entsteht ein Bild davon, wo du dich im Netz herumtreibst. Darauf bauen Retargeting, seitenübergreifende Attribution und die Begrenzung, wie oft dir dieselbe Anzeige gezeigt wird.
Wie verbreitet das ist, zeigt der Web Almanac 2024 von HTTP Archive: 95 % der Desktop-Seiten haben mindestens einen Tracker eingebunden. Die häufigste Drittanbieter-Cookie-Domain ist doubleclick.net, Googles Werbenetz — sie taucht auf 27 % der Desktop-Seiten auf.
Was ist mit dem Aus in Chrome?
Kurz gesagt: Es kommt nicht. Die Geschichte in drei Schritten:
- Dezember 2023: Google kündigt an, ab Januar 2024 die Drittanbieter-Cookies für 1 % der Chrome-Nutzer zu beschränken, für alle sollte es in der zweiten Jahreshälfte 2024 folgen.
- April 2025: Google rückt ab. Chrome behält den bisherigen Weg: Nutzer können Drittanbieter-Cookies in den Einstellungen selbst sperren, ein eigener Abfrage-Dialog kommt nicht.
- Oktober 2025: Google stellt den Großteil der Privacy Sandbox ein, also der Technik, die die Cookies ersetzen sollte — Begründung: zu wenig genutzt. Am selben Tag entlässt die britische Wettbewerbsbehörde CMA Google aus seinen Zusagen.
Stand heute erlaubt Chrome Drittanbieter-Cookies standardmäßig weiter. Blockiert werden sie nur im Inkognito-Modus oder wenn jemand es selbst einstellt.
Wo sie heute schon nicht mehr funktionieren
Dass Chrome bleibt, heißt nicht, dass alles beim Alten ist. Die anderen Browser haben längst Schluss gemacht:
Browser
Drittanbieter-Cookies
Chrome (57,6 %)
standardmäßig erlaubt
Safari (16,9 %)
seit 2020 komplett blockiert
Firefox (8,2 %)
seit 2022 pro Website abgeschottet
Die Anteile sind Browser-Marktanteile in Deutschland im September 2026 laut StatCounter, über alle Geräte. Safari blockiert seit Version 13.1 alle Cookies fremder Domains. Firefox steckt seit Juni 2022 am Desktop die Cookies jeder Website in eine eigene „Dose“, sodass ein Drittanbieter sie nicht übergreifend lesen kann. Zusammen ist das rund ein Viertel des deutschen Traffics, bei dem seitenübergreifendes Tracking per Cookie schon heute nicht klappt.
Was gilt rechtlich?
Hier hilft dir der Browser gar nichts. In Deutschland gilt § 25 TDDDG: Wer Informationen auf dem Gerät des Nutzers speichert oder ausliest, braucht dessen Einwilligung — außer es ist für den gewünschten Dienst unbedingt erforderlich. Werbe-Cookies von Dritten sind das nie.
Der Europäische Gerichtshof hat 2019 im Fall Planet49 klargestellt: Ein vorangekreuztes Kästchen ist keine Einwilligung. Und die Datenschutzkonferenz der deutschen Aufsichtsbehörden schreibt in ihrer Orientierungshilfe: Wer Ablehnen erst auf der zweiten Ebene des Banners anbietet, beeinträchtigt in der Regel die Freiwilligkeit.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Google hat sie doch abgeschafft“
Nein. Wer seine Planung noch auf das angekündigte Chrome-Aus ausrichtet, plant gegen eine Entscheidung, die seit April 2025 vom Tisch ist.
Fehler 2 · „Chrome erlaubt sie, also brauche ich kein Banner“
Die Einwilligungspflicht kommt aus dem Gesetz, nicht aus dem Browser. Was technisch geht, ist rechtlich noch lange nicht erlaubt.
Fehler 3 · „First-Party ist immer erlaubt“
§ 25 TDDDG fragt nach dem Zweck, nicht nach der Domain. Ein eigenes Cookie für Werbung oder Analyse braucht genauso eine Einwilligung, wenn es nicht unbedingt nötig ist.
Fehler 4 · Die Lücke ignorieren
Ein Viertel der Besucher ohne Drittanbieter-Cookies plus alle, die im Banner ablehnen: Deine Retargeting-Listen und Attributionsberichte sind deutlich kleiner, als du denkst. Bewerte Kampagnen nie nur nach dem, was das Werbekonto sieht.
Was du stattdessen tun kannst
- First-Party-Daten aufbauen: Newsletter-Anmeldungen, Kundenkonten, CRM — Daten, die du selbst erhebst.
- Server-Side-Tracking und Conversions-Schnittstellen wie die Meta Conversions API nutzen. Sie machen die Messung robuster, ersetzen aber keine Einwilligung.
- Consent Mode einbauen, damit Google-Tags wissen, ob jemand zugestimmt hat.
- Kontextuelles Targeting testen: Werbung passend zum Inhalt der Seite statt zur Person.
Häufige Fragen
Schafft Google die Third-Party-Cookies in Chrome ab?
Nein. Google hat die Pläne im April 2025 aufgegeben. Chrome erlaubt Drittanbieter-Cookies weiter standardmäßig, Nutzer können sie selbst in den Einstellungen sperren. Im Inkognito-Modus sind sie blockiert.
Was ist der Unterschied zwischen First-Party- und Third-Party-Cookies?
First-Party-Cookies setzt die Website, die du gerade besuchst. Third-Party-Cookies setzt ein anderer Anbieter, dessen Inhalt dort eingebunden ist. Nur Letztere erlauben es, dich über viele Websites hinweg wiederzuerkennen.
Brauche ich für Third-Party-Cookies eine Einwilligung?
Ja. Nach § 25 TDDDG braucht jedes Speichern oder Auslesen auf dem Gerät eine Einwilligung, wenn es für den gewünschten Dienst nicht unbedingt erforderlich ist. Werbe- und Tracking-Cookies von Dritten fallen nie unter die Ausnahme.
Welche Browser blockieren Drittanbieter-Cookies?
Safari blockiert sie seit 2020 vollständig. Firefox trennt sie seit 2022 am Desktop pro Website, sodass kein seitenübergreifendes Tracking möglich ist. Chrome erlaubt sie standardmäßig.
Was ist aus der Privacy Sandbox geworden?
Google hat im Oktober 2025 den Großteil eingestellt, weil zu wenige sie genutzt haben. Weitergeführt werden nur einzelne Bausteine, etwa partitionierte Cookies (CHIPS) und eine Schnittstelle für Logins (FedCM).
Quellen
- MDN: Third-party cookies
- HTTP Archive: Web Almanac 2024, Privacy
- Google Privacy Sandbox: Next steps (April 2025)
- Google Privacy Sandbox: Update on plans (Oktober 2025)
- WebKit: Full Third-Party Cookie Blocking
- Mozilla: Total Cookie Protection by default
- StatCounter: Browser-Marktanteile Deutschland
- § 25 TDDDG (gesetze-im-internet.de)
- EuGH: Pressemitteilung Planet49
- Datenschutzkonferenz: Orientierungshilfe Digitale Dienste