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Bleistiftskizze zum Begriff Usability
Web, UX & Conversion

Usability

Findet dein Besucher, was er sucht, und schafft er, was er vorhat — ohne zu fluchen? Genau das misst Usability. Hier steht, woran du sie erkennst und wie du sie mit fünf Leuten und einem Notizblock testest.

Auch bekannt alsGebrauchstauglichkeitBenutzerfreundlichkeitNutzerfreundlichkeitBedienbarkeit

7 Min

Lesezeit

27.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Usability?

Kennst du die Tür mit Griff, die man drücken muss? Jeder zieht erst mal. Das ist schlechte Usability — und auf Websites passiert dir das ständig, nur merkst du es nicht, weil der Besucher einfach still wieder geht.

Usability heißt auf Deutsch Gebrauchstauglichkeit. Die Norm DIN EN ISO 9241-11 beschreibt sie als Ergebnis der Nutzung: Ein Produkt ist gebrauchstauglich, wenn bestimmte Nutzer in einem bestimmten Nutzungskontext ihre Ziele erreichen, und zwar:

  • effektiv — sie kommen vollständig und richtig ans Ziel,
  • effizient — ohne unnötigen Aufwand an Zeit, Klicks und Nerven,
  • zufriedenstellend — das Ganze fühlt sich nicht wie ein Kampf an.

Wichtig ist das Wort „bestimmte“. Eine Website ist nicht an sich benutzerfreundlich. Sie ist es für jemanden, bei einer Aufgabe. Ein Formular, das dein Steuerberater in 30 Sekunden ausfüllt, kann deine Kundin am Handy im Bus zur Verzweiflung bringen.

Woran erkennst du gute Usability?

Die Nielsen Norman Group, das bekannteste Institut für das Thema, zerlegt Usability in fünf Komponenten. Sie sind handlicher als die Norm, weil du zu jeder eine konkrete Frage stellen kannst:

Komponente

Die Frage dahinter

Erlernbarkeit

Schafft ein neuer Besucher die Aufgabe beim ersten Mal?

Effizienz

Wie schnell geht es, wenn er die Seite kennt?

Einprägsamkeit

Findet er sich nach Wochen Pause sofort wieder zurecht?

Fehler

Wie viele Fehler passieren, wie schlimm sind sie, kommt er wieder raus?

Zufriedenheit

Ist die Nutzung angenehm?

Dazu kommt eine Unterscheidung, die viele übersehen: Usability fragt, wie leicht sich eine Funktion nutzen lässt. Nutzen fragt, ob es überhaupt die richtige Funktion ist. Ein perfekt bedienbarer Konfigurator für ein Produkt, das keiner will, hilft dir nichts. Erst beides zusammen macht eine Seite nützlich.

Als Prüfliste für den Alltag eignen sich die zehn Usability-Heuristiken von Jakob Nielsen, 1990 mit Rolf Molich entwickelt und 1994 überarbeitet. Zwei davon kannst du heute noch auf deiner Seite prüfen: Sieht der Nutzer, was gerade passiert? (Ladeanzeige, Bestätigung nach dem Absenden). Und: Muss er sich etwas merken, das er auch sehen könnte?

Wie testest du Usability?

Der Kern ist simpel: Gib echten Menschen eine Aufgabe und schau zu. Nicht fragen, ob ihnen die Seite gefällt. Zuschauen, wo sie hängen bleiben.

  • Aufgabe formulieren: „Finde heraus, was ein Erstgespräch kostet, und buche einen Termin.“
  • Einzeln testen: eine Person, eine Aufgabe, laut denken lassen.
  • Nicht helfen: Jeder Tipp von dir verfälscht das Ergebnis.
  • Notieren, nicht diskutieren: Wo zögert sie, wo klickt sie falsch, wo gibt sie auf?

Ein eigenes Labor brauchst du dafür nicht. Laut Nielsen Norman Group reicht ein Besprechungsraum mit Notizblock. Und es reichen wenige Leute: Fünf Testpersonen finden im Schnitt rund 85 % der Usability-Probleme. Für alle Probleme bräuchtest du etwa 15 — die Empfehlung lautet deshalb, lieber drei Runden mit je fünf Personen zu machen und dazwischen nachzubessern.

Wer eine Zahl braucht, nimmt die System Usability Scale (SUS): zehn Aussagen, je fünf Antwortstufen, am Ende ein Wert von 0 bis 100. Der Durchschnitt aus rund 500 Studien liegt bei 68. Ab etwa 80 gehörst du zu den besten zehn Prozent. Dazu sehen Heatmaps und Sitzungsaufzeichnungen in Microsoft Clarity oder Hotjar, wo echte Besucher klicken und abbrechen. Testplattformen wie Maze, Lyssna oder UserTesting liefern dir Testpersonen, wenn du keine eigenen hast.

Ein Beispiel: der Checkout

Nirgends kostet schlechte Usability so direkt Geld wie an der Kasse. Das Baymard Institute wertet seit Jahren Studien zu abgebrochenen Warenkörben aus: Im Schnitt verlassen 70 % der Käufer den Warenkorb, ohne zu bestellen (50 Studien, 2006 bis 2025).

Ein Teil davon will nur stöbern. Aber ein guter Teil scheitert am Prozess selbst. Ein durchschnittlicher US-Checkout zeigt laut Baymard rund 23 Formularelemente — nötig wären 12 bis 14. Jedes überflüssige Feld ist eine Tür mit falschem Griff.

Das heißt für dich: Bevor du in mehr Traffic investierst, lass fünf Leute einmal bei dir bestellen oder anfragen. Was du dabei siehst, ist oft der billigste Hebel für die Conversion Rate, den du hast.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Fragen statt beobachten

Umfragen und Fokusgruppen erzählen dir, was Leute sagen. Usability zeigt sich in dem, was sie tun. Die Nielsen Norman Group hält Fokusgruppen für ungeeignet, um Bedienung zu bewerten. „Sieht gut aus“ ist kein Testergebnis.

Fehler 2 · Erst ganz am Ende testen

Wer erst nach dem Launch testet, findet Probleme, wenn sie am teuersten sind. Teste früh: die alte Seite, die Seite eines Wettbewerbers, einen Papier-Entwurf. Gut Ding will Weile haben — aber lieber drei kleine Runden als eine große zu spät.

Fehler 3 · Die eigene Firma testen lassen

Deine Kollegen kennen die Seite, die Produkte und die Fachbegriffe. Sie sind die schlechtesten Testpersonen, die du finden kannst. Hol dir Leute, die deiner Zielgruppe ähneln.

Fehler 4 · Barrierefreiheit getrennt denken

Usability-Tests übersehen oft Menschen mit Behinderung. Das W3C empfiehlt, Barrierefreiheit und Usability gemeinsam anzugehen — guter Kontrast und klare Beschriftungen helfen allen. Für viele Onlineshops ist Barrierefreiheit seit dem 28. Juni 2025 außerdem Pflicht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Usability und User Experience?

Usability fragt, wie gut sich etwas bedienen lässt. User Experience ist breiter: Sie umfasst alles, was ein Nutzer mit deiner Firma, deinem Produkt und deinem Service erlebt — auch vor und nach der Nutzung. Usability ist ein Teil davon.

Wie viele Testpersonen brauche ich für einen Usability-Test?

Für einen qualitativen Test mit einer einheitlichen Zielgruppe reichen fünf Personen, sie finden im Schnitt rund 85 % der Probleme. Hast du mehrere sehr unterschiedliche Zielgruppen, nimm drei bis vier je Gruppe. Für belastbare Zahlen brauchst du mindestens 20.

Wie misst man Usability?

Mit drei Arten von Werten: Erfolgsquote (wie viele schaffen die Aufgabe), Zeit oder Klicks pro Aufgabe und Zufriedenheit, etwa über den SUS-Fragebogen. Ein SUS-Wert von 68 ist Durchschnitt, ab etwa 80 bist du sehr gut.

Ist Barrierefreiheit dasselbe wie Usability?

Nein. Barrierefreiheit sorgt dafür, dass Menschen mit Behinderung eine Seite gleichwertig nutzen können. Usability zielt auf leichte Bedienung für die Zielgruppe insgesamt. Beides überschneidet sich stark und gehört zusammen geplant.

Kann ich einen Usability-Test selbst machen?

Ja. Du brauchst eine klare Aufgabe, fünf Leute aus deiner Zielgruppe, einen ruhigen Raum oder einen Videocall mit Bildschirmfreigabe und einen Notizblock. Das Wichtigste ist, nicht einzugreifen.

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