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Bleistiftskizze zum Begriff Informationsarchitektur
Web, UX & Conversion

Informationsarchitektur

IA

Bevor jemand ein Menü gestaltet, muss klar sein, was wohin gehört und wie es heißt. Das ist Informationsarchitektur — das unsichtbare Gerüst, an dem deine ganze Website hängt.

Auch bekannt alsSeitenstrukturSite-StrukturInformation Architecture

6 Min

Lesezeit

27.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Informationsarchitektur?

Informationsarchitektur, kurz IA, ist die Ordnung deiner Inhalte. Sie legt fest, welche Seiten es gibt, wie sie gruppiert werden, wie die Gruppen heißen und wie alles zusammenhängt. Die Nielsen Norman Group nennt sie das Rückgrat einer Website.

Man kann vier Bausteine unterscheiden:

  • Organisation: Was gehört zusammen? Nach Thema, Zielgruppe, Ablauf?
  • Beschriftung: Wie heißen die Bereiche? „Leistungen“ oder „Was ich für dich tue“?
  • Navigation: Wie kommt man von A nach B — Menü, Footer, Breadcrumb?
  • Suche: Wie findet man etwas, das nicht im Menü steht?

Warum ist Informationsarchitektur für SEO wichtig?

Suchmaschinen lesen deine Struktur über Links. Google empfiehlt im SEO-Leitfaden eine logische Ordnung der Website — das hilft Besuchern und Suchmaschinen gleichermaßen. Drei Dinge zählen dabei besonders:

  • Interne Verlinkung: „Jede Seite, die dir wichtig ist, sollte von mindestens einer anderen Seite deiner Website verlinkt sein“, schreibt Google.
  • Sprechende URLs: lesbare deutsche Wörter statt Nummern, Bindestriche statt Unterstriche, etwa /leistungen/seo/.
  • Breadcrumbs: zeigen, wo eine Seite in der Hierarchie steht. Google rät, damit den typischen Weg der Nutzer abzubilden, nicht einfach die URL.

Auch die Sitelinks — die Unterseiten-Links unter deinem Suchergebnis — erzeugt Google automatisch aus der Linkstruktur. Eine klare Struktur macht sie wahrscheinlicher.

Wie gut ist die IA in der Praxis?

Das Baymard Institute prüft regelmäßig die Navigation großer Onlineshops in den USA und Europa. Die Ergebnisse aus über 180 Shops sind ernüchternd:

Benchmark · Navigation

Wie Shops ihre Kategorien ordnen

61 %

Desktop mittelmäßig oder schlechter

79 %

Kategorien statt Filter

Die Kategorienstruktur ist das schwächste Thema

Auf dem Handy schneiden 65 % mittelmäßig oder schlechter ab. In Tests fanden Nutzer passende Produkte teils gar nicht.

Benchmark · Orientierung

Wo bin ich gerade?

96 %

markieren den Bereich nicht

51 %

ohne überschaubare Gruppen

Fast kein Shop zeigt im Menü, wo man gerade ist

Baymard rät, ab etwa zehn Kategorien in Gruppen zu unterteilen.

Die Zahlen stammen aus Baymards Benchmark von 2026. Für Websites ohne Shop gibt es solche Daten kaum, die Probleme sind aber dieselben: zu viele Menüpunkte, Fachbegriffe statt Kundensprache, keine Markierung der aktuellen Seite.

So findest du die richtige Struktur

Card Sorting

Beim Card Sorting sortieren Testpersonen Karten mit deinen Inhalten in Gruppen. Beim offenen Card Sorting bilden sie die Gruppen selbst, beim geschlossenen gibst du sie vor. So siehst du, wie deine Kunden denken — nicht wie dein Organigramm. Jakob Nielsen empfahl 15 Teilnehmer: Damit erreichte man in seiner Auswertung schon 90 % Übereinstimmung mit einer Studie mit 168 Personen.

Tree Testing

Tree Testing prüft eine fertige Struktur ohne Design. Testpersonen bekommen nur den Menübaum und sollen zeigen, wo sie etwas suchen würden. Die Nielsen Norman Group empfiehlt die Reihenfolge: erst Card Sorting, dann die neue Struktur per Tree Test prüfen.

Werkzeuge dafür sind etwa Optimal Workshop, Maze oder UXtweak. Für den Bestand deiner Website lohnt ein Crawl mit dem Screaming Frog SEO Spider: Er zeigt, wie tief Seiten liegen und welche gar nicht verlinkt sind.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Nach dem Organigramm sortieren

„Abteilung Vertrieb“, „Bereich Services“ — so denkt deine Firma, nicht dein Kunde. Benenne Bereiche nach dem, was Besucher suchen.

Fehler 2 · Der 3-Klick-Regel glauben

Alles muss in drei Klicks erreichbar sein? Laut Nielsen Norman Group stützt keine veröffentlichte Studie diese Regel. Wichtiger als die Zahl der Klicks ist, dass jeder Menüpunkt klar sagt, was dahinter kommt.

Fehler 3 · Zu fein aufteilen

Eine eigene Kategorie für „Laufschuhe Herren Blau“? Das ist ein Filter, keine Kategorie. Baymard rät, auf der untersten Ebene mindestens etwa zehn Produkte zu haben.

Fehler 4 · Erst bauen, dann ordnen

Wer gleich mit dem Design anfängt, schiebt später Seiten hin und her. Die Struktur gehört in eine Tabelle oder ein Diagramm, bevor der erste Pixel gesetzt wird.

So gehst du vor

  • Inventur: Alle Seiten deiner Website in eine Tabelle schreiben.
  • Kundensprache sammeln: Welche Wörter nutzen Kunden in Anfragen, in der Search Console, am Telefon?
  • Gruppen bilden: Mit ein paar Kunden ein kleines Card Sorting machen — auch fünf Leute geben schon gute Hinweise.
  • Struktur testen: Den neuen Menübaum per Tree Test prüfen, bevor du ihn baust.
  • Sauber umziehen: Neue URLs anlegen, alte per 301 weiterleiten, interne Links anpassen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Informationsarchitektur und Navigation?

Die Informationsarchitektur ist die Struktur dahinter: welche Inhalte es gibt, wie sie gruppiert sind und wie sie heißen. Die Navigation ist ihr sichtbarer Teil, also Menü, Links, Filter und Breadcrumbs.

Stimmt die 3-Klick-Regel?

Nein. Laut Nielsen Norman Group gibt es keine veröffentlichte Studie, die sie stützt. Nutzer klicken auch öfter, solange sie das Gefühl haben, auf dem richtigen Weg zu sein.

Wie viele Teilnehmer braucht ein Card Sorting?

Jakob Nielsen empfahl 2004 rund 15 Teilnehmer, damit die Ergebnisse belastbar sind. Für eine erste Orientierung bei einer kleinen Website reichen oft auch weniger.

Wie wichtig ist die Seitenstruktur für SEO?

Wichtig, aber kein Zauberhebel. Google findet Seiten über Links und versteht über die Struktur, wie Inhalte zusammenhängen. Jede wichtige Seite sollte mindestens einmal intern verlinkt sein. Einen kompletten Umbau nur für SEO braucht es meist nicht.

Flache oder tiefe Struktur — was ist besser?

Es gibt laut Nielsen Norman Group keine einzig richtige Antwort. Flache Strukturen machen Inhalte schneller erreichbar. Tiefe Strukturen brauchen klare Begriffe, Abkürzungen und Breadcrumbs, damit sich niemand verläuft.

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