Was ist BIMI?
Hast du in Gmail schon mal ein Firmenlogo im runden Absenderbild gesehen, statt nur eines Buchstabens? Dahinter steckt meist BIMI, kurz für Brand Indicators for Message Identification.
Das Prinzip ist simpel: Du veröffentlichst dein Logo über einen Eintrag im DNS, dem Adressbuch deiner Domain. Postfach-Anbieter holen es dort ab und zeigen es neben deinen Mails an. Aber nur, wenn die Mail die Prüfung auf echte Herkunft besteht.
Wichtig ist, was BIMI nicht ist. Die BIMI Group sagt selbst: BIMI ändert die Zustellung nicht, es ist ein Anzeigesignal obendrauf auf starker Authentifizierung. Formal ist BIMI auch noch kein fertiger Standard, sondern ein Entwurf bei der IETF, dem Gremium für Internet-Standards.
Was brauchst du für BIMI?
Der DNS-Eintrag ist der kleinste Teil. Vier Dinge müssen stehen:
- DMARC mit Durchsetzung: p=quarantine oder p=reject, auch für Subdomains. Mit p=none oder pct unter 100 läuft nichts.
- Saubere Authentifizierung: SPF und DKIM müssen für alle Mails deiner Organisation passen, auch für Newsletter-Tool und CRM.
- Logo im Format SVG Tiny PS: eine spezielle, abgespeckte SVG-Variante. Ein normales SVG aus dem Design reicht nicht. Gmail verlangt mindestens 96 × 96 Pixel.
- Der Eintrag selbst: ein TXT-Eintrag unter default._bimi.deinedomain.de, der auf Logo und gegebenenfalls Zertifikat zeigt.
Dazu kommt bei den wichtigsten Anbietern ein fünfter Punkt: das Zertifikat. Es bestätigt, dass das Logo wirklich dir gehört.
Zertifikat
Bedingung
VMC
Eingetragene Marke, zum Beispiel beim DPMA oder EUIPO
CMC
Logo seit mindestens 12 Monaten sichtbar im Einsatz
VMC steht für Verified Mark Certificate, CMC für Common Mark Certificate. Beim VMC muss das Logo exakt dem Markeneintrag entsprechen. Google rechnet für den Markenweg mit 6 bis 12 Monaten. Beim CMC prüft der Aussteller die Nutzung unter anderem über archive.org.
Wo funktioniert BIMI überhaupt?
Postfach
Was gilt
Gmail
VMC oder CMC Pflicht, blauer Haken nur mit VMC
Yahoo
Kein Zertifikat nötig, aber Massenversand und gute Reputation
Apple Mail
Unterstützt BIMI, verlangt ein VMC
Outlook
Kein BIMI
Die letzte Zeile ist für B2B die wichtigste: Microsoft macht laut BIMI Group nicht mit. Schreibst du vor allem Firmen an, die auf Microsoft 365 laufen, sieht ein großer Teil deiner Empfänger von BIMI gar nichts. Schau deshalb zuerst in dein Newsletter-Tool, welche Postfächer du wirklich erreichst.
Apple hat mit Branded Mail über Apple Business Connect noch einen eigenen, kostenlosen Weg. Der ist kein BIMI und wirkt nur in Apples Mail-App.
Was kostet BIMI und was bringt es?
Der DNS-Eintrag kostet nichts. Das Zertifikat schon: Bei den Ausstellern DigiCert, GlobalSign und SSL.com und ihren Händlern liegst du grob bei 750 bis 1.400 US-Dollar pro Jahr (Stand Ende 2025 bis 2026), je Domain und mit Laufzeit von höchstens 397 Tagen. Beim VMC kommt die Markeneintragung obendrauf.
Und der Nutzen? Saubere unabhängige Daten gibt es nicht. Die meistzitierte Studie stammt von Red Sift und Entrust, die beide selbst BIMI-Lösungen verkaufen. In dieser Befragung von 1.026 Menschen in den USA und Großbritannien lag der Öffnungsanteil von Marken mit Logo gegenüber Wettbewerbern ohne Logo 21 % (USA) und 39 % (UK) höher. Das ist ein simulierter Vergleich, keine echte Kampagne. Nimm die Zahl als Hinweis, nicht als Prognose.
Der handfeste Gewinn liegt woanders: Auf dem Weg zu BIMI räumst du deine E-Mail-Sicherheit auf. Mit DMARC-Durchsetzung fällt es Fremden schwerer, unter deiner Domain zu versenden. Das Logo ist am Ende die Kirsche auf der Torte.
Häufige Fehler
Fehler 1 · BIMI für die Zustellbarkeit einrichten
BIMI selbst bringt deine Mails nicht besser ins Postfach. Wenn überhaupt, hilft die saubere Authentifizierung darunter. Wer Zustellprobleme hat, fängt bei Reputation und Liste an.
Fehler 2 · DMARC halb durchsetzen
Die Hauptdomain steht auf reject, aber sp=none oder pct=50 ist noch gesetzt. Damit fällst du durch. Prüf den ganzen Eintrag, nicht nur das erste Tag.
Fehler 3 · Zu schnell auf Durchsetzung schalten
Stellst du DMARC auf reject, bevor alle Versanddienste sauber eingerichtet sind, landen echte Mails im Nichts. Rechnungs-Tool, Shop und CRM vergisst man gern. Erst auswerten, dann verschärfen.
Fehler 4 · Logo und Marke weichen ab
Beim VMC muss das Logo genau dem eingetragenen Markenbild entsprechen. Hast du seit der Eintragung neu gestaltet, passt das Zertifikat nicht mehr zum aktuellen Auftritt.
Lohnt sich BIMI für dich?
Prüf drei Fragen, bevor du Geld ausgibst:
- Steht dein DMARC? Wenn nein, ist das die eigentliche Aufgabe. Das Thema lohnt sich unabhängig von BIMI.
- Wer liest deine Mails? Viele Gmail- und Apple-Nutzer sprechen dafür, ein reines Microsoft-Publikum dagegen.
- Wie viel versendest du? Gute 1.000 Dollar im Jahr rechnen sich bei großen Listen eher als beim Newsletter an 500 Leute.
Häufige Fragen
Was kostet BIMI?
Der DNS-Eintrag ist kostenlos. Für Gmail und Apple Mail brauchst du aber ein Zertifikat, je nach Aussteller und Art rund 750 bis 1.400 US-Dollar pro Jahr. Beim VMC kommen die Kosten der Markeneintragung dazu.
Brauche ich für BIMI eine eingetragene Marke?
Für ein VMC ja, für ein CMC nicht. Das CMC verlangt stattdessen, dass du das Logo seit mindestens 12 Monaten sichtbar nutzt. Yahoo kommt ganz ohne Zertifikat aus, zeigt dein Logo aber nur bei Massenversendern mit guter Reputation.
Funktioniert BIMI in Outlook?
Nein. Microsoft unterstützt BIMI laut BIMI Group nicht. Empfänger in Outlook und Microsoft 365 sehen dein Logo darüber also nicht.
Warum wird mein Logo in Gmail nicht angezeigt?
Meist fehlt eins von drei Dingen: ein DMARC mit Durchsetzung und pct=100, das Logo im Format SVG Tiny PS oder ein gültiges VMC oder CMC als PEM-Datei. Und auch danach bleibt die Anzeige Sache des Anbieters.
Bringt BIMI mehr Öffnungen?
Das ist nicht unabhängig belegt. Die bekannten Zahlen stammen aus einer Befragung von Anbietern, die BIMI-Lösungen verkaufen. Plausibel ist ein Effekt durch mehr Sichtbarkeit und Vertrauen. Miss ihn in deinen eigenen Daten, bevor du ihn versprichst.