Was ist Conversion Lift?
Retargeting zeigt deine Anzeige Menschen, die schon im Warenkorb waren. Viele kaufen danach — und die Plattform rechnet sich den Kauf zu. Aber hätten sie nicht ohnehin gekauft? Die Attribution kann das nicht beantworten. Ein Conversion-Lift-Test schon.
Das Prinzip ist ein Experiment wie in der Medizin:
- Die Plattform teilt deine Zielgruppe zufällig in zwei Gruppen.
- Die Testgruppe kann deine Anzeigen sehen.
- Die Kontrollgruppe (Holdout) bekommt sie nicht zu sehen.
- Am Ende vergleichst du die Conversions beider Gruppen.
Google beschreibt es so: Gemessen werden die zusätzlichen Conversions, die direkt durch die Anzeige entstanden sind und sonst nicht passiert wären. Das Konzept dahinter heißt Inkrementalität — Conversion Lift ist die Methode, mit der die Plattformen sie messen.
So rechnest du den Lift aus
Inkrementelle Conversions
Inkrementell = Conversions Testgruppe − Conversions Kontrollgruppe
Beispiel: 1.200 Käufe in der Testgruppe, 1.000 in der gleich großen Kontrollgruppe → 200 zusätzliche Käufe
Daraus leitet Google drei weitere Kennzahlen ab:
- Relativer Lift: inkrementelle ÷ Conversions der Kontrollgruppe. Im Beispiel 200 ÷ 1.000 = 20 %.
- iCPA: Werbekosten ÷ inkrementelle Conversions — die Kosten je wirklich zusätzlicher Conversion. Meta und TikTok nennen das CPiC.
- iROAS: (Umsatz Testgruppe − Umsatz Kontrollgruppe) ÷ Werbekosten.
Voraussetzungen bei den Plattformen
Plattform
Voraussetzungen
Google Ads
ab 5.000 US-Dollar Budget, 1.000 Conversions
Meta
teils nur über Ansprechpartner
TikTok
Managed Service, Budget je Ziel
im Campaign Manager
Bei Google erlaubt die Hilfe Studien ab 7 Tagen, empfiehlt aber mehr als 14. Die Kontrollgruppe ist zwischen 1 und 50 % wählbar, die geschätzte Aussagesicherheit sollte mindestens 90 % betragen. Je nach Konto und Kampagnentyp richtest du die Studie selbst ein oder über deinen Google-Ansprechpartner. Meta beschreibt Conversion Lift in der Entwicklerdoku als eingeschränkt verfügbar; feste Mindestbudgets veröffentlichen weder Meta noch TikTok.
Beispiele aus der Praxis
Case A · Forschung
Facebook-Kampagne, Studie von Gordon et al.
73 %
Lift im Experiment
316 %
Lift im einfachen Vergleich
Der einfache Vergleich überschätzt um mehr als das Vierfache
Wer die Anzeige gesehen hat, mit allen anderen vergleichen, ist verlockend — aber falsch, weil die Plattform gezielt kaufbereite Menschen erreicht. Eine von 15 Kampagnen aus der Studie in Marketing Science (2019).
Case B · Rechenbeispiel
Onlineshop mit 6.000 € Werbebudget
900
Käufe laut Werbekonto
200
zusätzliche Käufe im Lift-Test
iCPA = 6.000 ÷ 200 = 30 € statt 6,67 €
Gerechnet, nicht gemessen. Es zeigt die typische Lücke: Das Werbekonto meldet einen CPA von 6,67 €, tatsächlich zusätzlich kostet jeder Kauf 30 €.
Die Studie von Brett Gordon und Kollegen nutzte 15 Werbeexperimente bei Facebook in den USA mit 1,6 Milliarden Impressionen. Ihr Ergebnis: Beobachtende Methoden kommen oft nicht auf dieselben Effekte wie das Experiment — bei der Hälfte der Studien mit Kauf als Ziel lagen sie um mehr als den Faktor drei daneben.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Zu kurz und zu klein testen
Mit wenigen Conversions endet die Studie ohne klares Ergebnis. Plan lieber länger, als dass du nach einer Woche mit „nicht schlüssig“ dastehst.
Fehler 2 · Während des Tests umbauen
Bei Meta lassen sich Startzeit und Gruppenanteile nach dem Start nicht mehr ändern. Auch Zielgruppen, Budgets oder Motive solltest du laufen lassen — sonst misst du am Ende eine andere Kampagne.
Fehler 3 · Lift mit attribuierten Conversions verwechseln
Ein Lift-Test ignoriert bewusst die Attributionsregeln und zählt alle Conversions beider Gruppen. Die Zahlen sind deshalb nicht mit dem Werbekonto vergleichbar — und genau das ist der Punkt.
Fehler 4 · Ein Ergebnis für immer halten
Das Ergebnis gilt für diese Kampagne, diesen Zeitraum und diese Einstellungen. Ändert sich viel, gehört der Test wiederholt.
Und mit kleinem Budget?
Die Plattform-Studien brauchen Volumen. Wer darunter liegt, kann sich mit einfacheren Mitteln an die Frage herantasten:
- Pausentest: eine Kampagne zwei, drei Wochen pausieren und schauen, wie stark die Verkäufe insgesamt sinken.
- Regionen-Test: in einigen Regionen werben, in vergleichbaren nicht, und die Entwicklung vergleichen.
- Skepsis bei Retargeting und Markensuche: Dort ist der Anteil, der sowieso gekauft hätte, oft am größten.
Häufige Fragen
Ab welchem Budget lohnt sich ein Conversion-Lift-Test?
Google nennt für nutzerbasierte Studien mindestens 5.000 US-Dollar Kampagnenbudget und 1.000 Conversions. Meta und TikTok veröffentlichen keine festen Schwellen. Darunter sind Pausen- oder Regionentests die realistischere Alternative.
Wie lange sollte ein Lift-Test laufen?
Google erlaubt Studien ab 7 Tagen, empfiehlt aber mehr als 14 — vor allem, wenn zwischen Klick und Kauf typischerweise Zeit vergeht.
Warum zeigt der Lift-Test weniger Conversions als das Werbekonto?
Weil das Werbekonto auch Käufe zählt, die ohne Anzeige passiert wären. Der Lift-Test zieht genau diese ab und zeigt nur, was die Werbung zusätzlich gebracht hat.
Was ist der Unterschied zwischen Conversion Lift und Brand Lift?
Beide arbeiten mit Test- und Kontrollgruppe. Conversion Lift misst Handlungen wie Käufe oder Anfragen, Brand Lift misst per Umfrage Bekanntheit, Erinnerung oder Kaufabsicht.
Ist ein A/B-Test dasselbe?
Nein. Ein A/B-Test vergleicht zwei Varianten einer Anzeige — beide Gruppen sehen Werbung. Ein Lift-Test vergleicht Werbung mit keiner Werbung und beantwortet, ob die Kampagne überhaupt wirkt.