Was ist Ducking?
Dein Reel hat Musik und Sprache. Spielst du beides gleich laut, versteht niemand ein Wort. Drehst du die Musik ganz runter, wirkt das Video leer. Ducking löst das: Die Musik wird automatisch leiser, sobald gesprochen wird, und geht in den Pausen wieder hoch. Sie „duckt“ sich unter die Stimme.
Das Handbuch von Audacity beschreibt die Funktion „Auto Duck“ so: Sie senkt die ausgewählten Spuren ab, sobald eine Steuerspur einen Schwellwert erreicht. Die Steuerspur ist fast immer die Sprache, die abgesenkte Spur die Musik.
Welche Werte passen?
Drei Regler entscheiden über das Ergebnis: wie stark die Musik absinkt, wie schnell sie runtergeht und wie schnell sie wieder hochkommt.
Einstellung
Richtwert
Absenkung
6–12 dB
Runterregeln
30–80 ms
Wieder hoch
250–700 ms
Die Werte stammen aus einem Ratgeber von CapCut. Er warnt ausdrücklich davor, bei jeder Zeile 15 bis 20 dB abzusenken — dann klingt das Video, als würde jemand am Lautstärkeregler spielen. Audacity arbeitet in der Grundeinstellung mit −12 dB und je einer halben Sekunde zum Ab- und Aufblenden.
Für Podcasts gibt es einen strengeren Maßstab: Die Barrierefreiheitsrichtlinie WCAG empfiehlt auf ihrer höchsten Stufe, Hintergrundgeräusche in reinen Audioinhalten mindestens 20 dB leiser als die Sprache zu halten. Laut W3C ist das ungefähr viermal leiser. Für Videos ist das keine Pflicht, aber ein guter Hinweis, wenn dein Publikum schlecht hört.
Ducking und Lautheit
Ducking regelt das Verhältnis der Spuren zueinander. Die Gesamtlautstärke ist eine andere Baustelle. Plattformen gleichen sie selbst an, gemessen in LUFS:
Plattform
Lautheitsziel
Fernsehen (EBU R128)
−23 LUFS
Spotify
−14 LUFS
YouTube
−14 LUFS
Spotify normalisiert beim Abspielen auf −14 LUFS, gemessen nach der ITU-Norm BS.1770. YouTube senkt zu laute Inhalte auf rund −14 LUFS ab, das ist aus Messungen von Fachleuten bekannt, eine offizielle Hilfeseite fehlt. Wichtig: Die Plattform regelt den ganzen Titel, nicht die einzelnen Spuren. Ist die Musik im Mix zu laut, bleibt sie es auch nach der Normalisierung.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Die Musik pumpt
Kommt die Musik zwischen zwei Sätzen kurz hoch und gleich wieder runter, wirkt das hektisch. CapCut rät, die Zeit zum Hochkommen um 100 bis 200 Millisekunden zu verlängern.
Fehler 2 · Zu tief abgesenkt
Bei 20 dB ist die Musik unter der Sprache praktisch weg und springt in den Pausen laut hoch. Fang bei 8 bis 10 dB an und hör nach.
Fehler 3 · Nur über Kopfhörer geprüft
Was im Studiokopfhörer gut klingt, ist im Handy-Lautsprecher zu leise. Hör jede Mischung auf Handy, Laptop und Kopfhörer an — so wie dein Publikum.
Fehler 4 · Automatik blind übernehmen
Ein Lacher, ein Räuspern, ein lautes Geräusch im Hintergrund: Die Automatik reagiert auf alles. Prüf die erzeugten Lautstärkepunkte und lösch die falschen.
So richtest du Ducking ein
- Premiere Pro: im Bedienfeld „Essential Sound“ die Musik als Musik markieren, Ducking aktivieren, gegen Dialog ducken, Keyframes erzeugen.
- DaVinci Resolve: den Ducker als Effekt auf die Musikspur legen und die Sprachspur als Auslöser wählen.
- Audacity: Musikspur auswählen, Sprachspur darunter lassen, Effekt „Auto Duck“ anwenden.
- CapCut: Auto-Ducking in den Audio-Einstellungen, je nach Version an anderer Stelle.
Häufige Fragen
Wie viel leiser sollte Musik unter Sprache sein?
Für Videos sind 6 bis 12 dB Absenkung ein guter Start, das empfiehlt etwa CapCut. Für reine Audioinhalte wie Podcasts empfiehlt die WCAG auf höchster Stufe mindestens 20 dB Abstand.
Was ist der Unterschied zwischen Ducking und Sidechain-Kompression?
Sidechain-Kompression ist die Technik: Ein Kompressor reagiert auf eine fremde Spur. Ducking ist die Anwendung, bei der die Musik unter der Sprache leiser wird. Schnittprogramme verpacken das als einfache Automatik.
Warum pumpt meine Musik?
Meist kommt sie zu schnell wieder hoch. Verlängere die Zeit zum Hochregeln oder erhöhe die Pause, die das Programm abwartet, bevor es die Musik wieder anhebt.
Macht die Lautheitsnormalisierung von YouTube Ducking überflüssig?
Nein. YouTube und Spotify regeln die Gesamtlautstärke deines Titels. Das Verhältnis von Musik zu Sprache bleibt so, wie du es gemischt hast.
Kann ich Ducking auch im Podcast nutzen?
Ja, für Intro-Musik und Jingles unter der Moderation. Audacity hat dafür die Funktion „Auto Duck“, die Podcast-Programme meist ähnlich.