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Bleistiftskizze: Ein Bildschirm mit Play-Symbol, Haus und Baum sendet orange Schallbögen zu einer Person mit Kopfhörern, als Bild für Audiodeskription
Video & Visuals

Audiodeskription

Eine Stimme, die erzählt, was im Bild passiert: Audiodeskription macht Videos für blinde und sehbehinderte Menschen verständlich. Für Unternehmen wird sie mit dem Thema Barrierefreiheit wichtiger, ist aber nicht für jedes Video nötig.

Auch bekannt alsHörfilm-Fassung

6 Min

Lesezeit

02.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist Audiodeskription?

Schließ mal bei deinem Imagefilm die Augen. Was bleibt übrig? Oft nur Musik und ein schöner Satz am Ende. Genau hier setzt Audiodeskription an: Eine zusätzliche Stimme beschreibt in den Pausen, was im Bild passiert.

Das W3C, das Gremium hinter den Web-Standards, beschreibt sie als Erzählung, die wichtige visuelle Details vermittelt, die sich aus dem Ton allein nicht erschließen. Dazu gehören Handlungen, Figuren, Szenenwechsel und Texte im Bild. Im Fernsehen heißt so ein Film Hörfilm.

Die Zielgruppe ist größer, als viele denken. Zum Jahresende 2021 waren in Deutschland 558.725 blinde und sehbehinderte Menschen mit Schwerbehindertenausweis erfasst. Der Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV nennt das eine Untergrenze und verweist auf eine ältere Schätzung von rund 1,2 Millionen.

Wann braucht ein Video Audiodeskription?

Nicht immer. Die Faustregel: Steht alles Wichtige schon im Ton, brauchst du keine zusätzliche Audiodeskription. Das W3C nennt als Beispiel den sprechenden Kopf, also jemanden, der nur in die Kamera redet.

Videotyp

Nötig?

Interview

Meist nein

Imagefilm mit Bildsprache

Ja

Produktdemo

Ja, wenn der Ablauf nur im Bild steckt

Schulungsvideo

Gleich im Skript mitdenken

Live-Video

Laut WCAG nicht gefordert

Podcast

Nein, kein Bild

Achte besonders auf Einblendungen: Preise, Internetadressen oder Telefonnummern, die nur im Bild stehen, gehen für blinde Menschen verloren.

Ist Audiodeskription Pflicht?

Oft liest man, das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) schreibe Audiodeskription vor. So steht das nicht im Gesetz. Das Wort kommt in den einschlägigen Stellen von BFSG und zugehöriger Verordnung nicht vor. Die Verordnung verlangt in § 12, Webseiten „wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust“ zu gestalten. Die Details stehen in technischen Standards.

Der wichtigste Standard sind die WCAG, die internationalen Regeln für barrierefreie Webinhalte. In der Praxis gelten sie als Maßstab:

  • Stufe A (1.2.3): Audiodeskription oder eine Textfassung im Stil eines Drehbuchs.
  • Stufe AA (1.2.5): Für aufgezeichnete Videos ist Audiodeskription gefordert, die Textfassung reicht dann nicht mehr.

Wen trifft das? Das BFSG gilt für Dienste im elektronischen Geschäftsverkehr, die sich an Verbraucher richten. Das sind etwa Websites und Apps, über die ein Vertrag zustande kommt. Dienstleistende Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme sind ausgenommen. Ebenso aufgezeichnete Medien, die vor dem 28. Juni 2025 veröffentlicht wurden.

So entsteht eine Audiodeskription

Der günstigste Weg ist einer, der nichts extra kostet: integrierte Deskription. Du schreibst das Skript von Anfang an so, dass das Wichtige gesagt wird. „Hier siehst du unsere neue Halle in Kiel“ statt nur eines Bildes der Halle. Das W3C betont, dass frühes Einplanen deutlich Kosten spart.

Geht das nicht mehr, läuft es in fünf Schritten:

  • Schreiben: sachlich, in der Gegenwart, ohne „Wir sehen“.
  • Zeiten setzen: Der Text muss in die Pausen passen.
  • Aufnehmen: mit einer neutralen Stimme, die sich von den anderen abhebt.
  • Mischen: Der Hauptton wird unter der Stimme abgesenkt.
  • Bereitstellen: als zweite Fassung oder eigene Tonspur.

Auf YouTube geht das direkt: In YouTube Studio lädst du unter „Sprachen“ eine Audiodeskription als Audiodatei hoch. Du brauchst dafür Zugriff auf die erweiterten Funktionen.

Bei den Kosten gibt es für Deutschland keine aktuellen Marktzahlen. Die Schweizer Behörde EBGB nennt rund 50 bis 100 Franken pro Videominute für Skript und Aufnahme, plus rund 15 Franken fürs Einfügen. Ein Zwei-Minuten-Film läge damit bei 130 bis 230 Franken, kurze Videos kosten oft einen Zuschlag.

Häufige Fehler

Fehler 1 · „Wir haben doch Untertitel“

Untertitel helfen Menschen, die nicht hören. Blinden Menschen nützen sie nichts. Das sind zwei getrennte Baustellen.

Fehler 2 · Bewerten statt beschreiben

„Ein wunderschöner Sonnenuntergang“ ist Meinung. Die Regeln des ZDF sind klar: nicht erklären, nicht bewerten, nicht interpretieren. Beschreib, was zu sehen ist, und überlass das Urteil den Zuhörern.

Fehler 3 · Texte im Bild vergessen

Ausgerechnet die Handlungsaufforderung am Ende steht oft nur als Einblendung im Bild. Sprich sie mit aus, sonst fehlt das Wichtigste.

Fehler 4 · Ohne Betroffene prüfen

Das ZDF verlangt eine blinde oder sehbehinderte Person als Autor oder zumindest bei der Prüfung. Wer sehen kann, übersieht, was ohne Bild fehlt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Audiodeskription und Untertiteln?

Untertitel machen den Ton als Text sichtbar, für gehörlose und hörbehinderte Menschen. Audiodeskription macht das Bild hörbar, für blinde und sehbehinderte Menschen. Ein barrierefreies Video braucht je nach Inhalt beides.

Muss ich auf meiner Website Audiodeskription anbieten?

Das hängt vom Angebot ab. Das BFSG nennt Audiodeskription nicht ausdrücklich. Es verlangt aber wahrnehmbare Inhalte für Verbraucher-Angebote, und die WCAG fordern sie auf Stufe AA. Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sind ausgenommen. Keine Rechtsberatung.

Reicht ein Transkript statt Audiodeskription?

Nur auf WCAG-Stufe A. Auf Stufe AA wird für aufgezeichnete Videos eine Audiodeskription gefordert. Ein Transkript ist trotzdem sinnvoll, ersetzt sie dann aber nicht.

Was kostet Audiodeskription?

Für Deutschland fehlen aktuelle Marktpreise. Die Schweizer Behörde EBGB nennt 50 bis 100 Franken pro Videominute plus rund 15 Franken fürs Einfügen. Am günstigsten ist es, das Wichtige gleich ins Skript zu schreiben.

Kann ich Audiodeskription auf YouTube hochladen?

Ja. In YouTube Studio fügst du sie unter „Sprachen“ als Audiodatei hinzu. Du brauchst Zugriff auf die erweiterten Funktionen, und die Datei muss ungefähr so lang sein wie das Video.

Darf ich eine KI-Stimme nutzen?

Die Regeln des ZDF lassen auch synthetische Stimmen zu, und der Sender testet sie selbst. Wichtig sind Verständlichkeit und ein Tempo, das zum Original passt. Lass das Ergebnis trotzdem von Betroffenen prüfen.

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