Was ist eine Einstellungsgröße?
Warum packt dich ein Gesicht, das den ganzen Bildschirm füllt, mehr als dieselbe Person von Weitem? Das ist die Wirkung der Einstellungsgröße. Sie beschreibt, wie groß das Motiv im Bildausschnitt erscheint.
Die Grundregel ist einfach: Je kleiner der Ausschnitt, desto wichtiger das Gezeigte. Große Ausschnitte geben Überblick und Atmosphäre, kleine erzeugen Spannung und Nähe.
Die Einstellungsgröße ergibt sich aus dem Abstand der Kamera und der Brennweite. Festgelegt wird sie meist schon im Storyboard oder in der Shotlist.
Welche Einstellungsgrößen gibt es?
Üblich sind acht Stufen, die sich am Menschen orientieren. Hier die gängige Reihenfolge vom weitesten zum engsten Ausschnitt:
Größe
Das zeigt sie
Weit
Landschaft, Stadt, Atmosphäre
Totale
Ganzer Raum mit allen Personen
Halbtotale
Person von Kopf bis Fuß mit Umgebung
Amerikanisch
Kopf bis Oberschenkel oder Knie
Halbnah
Kopf bis etwa Hüfte
Nah
Kopf und Oberkörper, Mimik im Fokus
Groß
Kopf bis Schultern, Gefühle
Detail
Kleiner Ausschnitt, etwa Auge oder Hand
Der Name „Amerikanisch“ stammt aus dem Western: Der Ausschnitt zeigt den Revolverhelden samt Colt.
Welche Größe passt wofür?
Für Marketing-Videos hilft diese Einordnung. Sie ist meine Empfehlung aus der Filmsprache, keine gemessene Regel.
Größe
Einsatz im Marketing-Video
Totale
Standort, Laden, Veranstaltung zeigen
Halbtotale
Team, Produkt im Einsatz, Vorführung
Halbnah
Moderation mit Gesten
Nah
Interview, Kundenstimme
Groß
Kernaussage, starker Einstieg
Detail
Produktmerkmal, Hände, Bildschirm
Spannend wird es im Wechsel: Erst die Totale zur Orientierung, dann Nah für die Person, dann Detail für das, worum es geht. Dieses Material nennt man B-Roll, und mit ihm wird aus einem Interview ein Film.
Eine Studie, die zeigt, dass eine bestimmte Größe besser verkauft, habe ich nicht gefunden. Google empfiehlt in den Tipps für wirksame Video-Anzeigen allerdings eine enge Bildgestaltung und rät, Menschen zu zeigen. Für diese ABCD-Regeln nennt Google zusammen bis zu 30 % mehr kurzfristige Verkaufswahrscheinlichkeit. Das gilt für das ganze Regelwerk, nicht für den Bildausschnitt allein.
Was gilt im Hochformat?
Bei Reels, TikTok und Shorts ist das Bild schmal. Eine Totale schrumpft die Person auf dem Handy auf Daumengröße. Nah und Groß füllen das Format besser. Google rät für Shorts ausdrücklich zu enger Bildgestaltung: „Use tight framing for ease of viewing.“
Dazu kommt die Safe Zone, also der Bereich, den die Oberfläche der App nicht verdeckt. Meta rät bei Reels, rund 14 % oben, 35 % unten und je 6 % seitlich frei von Text, Logos und zentralen Elementen zu halten. Die Angaben gelten für Bildanzeigen im Reels-Format und können sich ändern. Halte auch Gesichter eher oberhalb der unteren Zone.
Größe, Perspektive, Seitenverhältnis: Was ist was?
- Einstellungsgröße: Wie viel ist im Bild?
- Kameraperspektive: Von wo wird gefilmt? Normalsicht, Frosch oder Vogel.
- Seitenverhältnis: Welche Form hat das Bild? Zum Beispiel 16:9 oder 9:16.
- Einstellung: Das Stück Film zwischen zwei Schnitten.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Alles in einer Größe drehen
Zwanzig Minuten Halbnah ermüden. Wechsle die Größe, auch wenn die Person nur redet. Schon ein zweiter, engerer Ausschnitt hilft beim Schnitt.
Fehler 2 · Querformat ins Hochformat kippen
Bei Shorts läuft Querformat laut Google mit unscharfen Rändern. Dazu ist die Person winzig und das Wichtige liegt oft im verdeckten Bereich. Schneide neu zu oder dreh gleich hochkant.
Fehler 3 · Wichtiges in die untere Zone setzen
Texte, Logos und Produkte im unteren Drittel verschwinden hinter Beschreibung und Buttons. Prüf das vor der Freigabe auf dem Handy.
Fehler 4 · Größe mit Perspektive verwechseln
„Mach mal von unten“ ändert die Perspektive, nicht die Größe. Wer das im Briefing trennt, bekommt beim Dreh eher das Bild, das er meint.
Häufige Fragen
Welche Einstellungsgrößen gibt es?
Üblich sind acht: Weit, Totale, Halbtotale, Amerikanisch, Halbnah, Nah, Groß und Detail. Sie reichen von der ganzen Landschaft bis zum Auge. Die Grenzen sind fließend, und manche Quellen nennen weitere Zwischenstufen.
Was ist der Unterschied zwischen Halbnah und Nah?
Halbnah zeigt die Person bis etwa zur Hüfte, Gestik bleibt sichtbar. Nah zeigt Kopf und Oberkörper, im Mittelpunkt steht die Mimik. Quellen schneiden die Stufen leicht unterschiedlich.
Warum heißt die amerikanische Einstellung so?
Der Begriff stammt aus dem Western. Der Ausschnitt reicht so weit nach unten, dass der Colt am Gürtel des Revolverhelden im Bild bleibt.
Welche Einstellungsgröße eignet sich für Reels und Shorts?
Vor allem Nah und Groß, weil das schmale Bild enge Ausschnitte begünstigt. Google rät für Shorts zu enger Bildgestaltung. Halte das Wichtige außerdem in der Bildmitte und oberhalb der unteren Zone, die die App verdeckt.
Welche Größe passt für Interviews?
Meist Nah, also Kopf und Oberkörper. Für starke Aussagen geht es enger auf Groß, für den Einstieg weiter auf Halbnah. Mit einer zweiten Kamera oder engerem Ausschnitt kannst du im Schnitt wechseln.