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Bleistiftskizze: Offenes Logbuch mit Spalten und Taschenuhr, eine Hand setzt den Stift an die orange markierte nächste Zeile – als Bild für ein Event-Log
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Event-Log

Bevor ein Tool dir zeigen kann, wie deine Prozesse wirklich laufen, braucht es Rohmaterial: eine simple Tabelle, wer wann was gemacht hat. Das ist das Event-Log.

Auch bekannt alsEreignisprotokollEventlog

6 Min

Lesezeit

08.11.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist ein Event-Log?

Wie lange dauert es bei dir vom Formular bis zum Angebot? Die ehrliche Antwort steht nicht im Prozesshandbuch, sondern in deinen Daten. Genauer: im Event-Log, auf Deutsch Ereignisprotokoll.

Ein Event-Log ist eine Tabelle. Jede Zeile hält ein Ereignis fest: Welcher Fall? Welcher Schritt? Wann? Aus vielen solchen Zeilen bauen Process-Mining-Tools den tatsächlichen Ablauf — mit allen Umwegen, Schleifen und Wartezeiten.

Grundlage ist das Process Mining Manifesto der IEEE Task Force on Process Mining von 2011. Mehr als 75 Fachleute aus über 50 Organisationen haben es geschrieben. Die Kernannahme dort: Jedes Ereignis gehört zu einer Aktivität und zu einem bestimmten Fall.

Die drei Pflichtspalten

  • Case-ID (Fall): die Nummer, die alles zusammenhält. Bestellnummer, Lead-ID, Ticketnummer.
  • Aktivität: der Schritt, der passiert ist. „Bestellung eingegangen“, „Angebot gesendet“.
  • Zeitstempel: wann es passiert ist, möglichst mit Uhrzeit.

Microsoft verlangt in Power Automate Process Mining genau diese drei Felder als Pflicht. Optional kommen dazu: die Ressource (wer oder welches System), Attribute wie der Betrag und Kostenfelder.

Case-ID

Aktivität

Zeit

B-1001

Bestellung eingegangen

03.11. 09:12

B-1001

Zahlung bestätigt

03.11. 09:13

B-1001

Versendet

04.11. 14:40

Ein ausgedachtes Beispiel aus einem Onlineshop. Schon drei Zeilen zeigen die wichtigste Zahl: gut 29 Stunden von der Zahlung bis zum Versand.

Woher die Daten kommen

Du musst dafür keine eigene Logdatei schreiben. Laut Manifesto können Ereignisse in Datenbanktabellen, Mail-Archiven oder Transaktionsprotokollen stecken. Bei kleinen Firmen sind das meist:

  • Der Bestellstatus im Shop mit Datum je Statuswechsel.
  • Die Aktivitäten im CRM — Microsoft nennt CRM-Aktivitäten ausdrücklich als Event-Log-Quelle.
  • Die Ausführungen deiner Automatisierungen, etwa in n8n, wo jede Ausführung einen Start, ein Ergebnis und eine Zeit hat.

Ein Haken: Viele Tabellen speichern nur den aktuellen Stand, nicht die Geschichte. Wenn dein CRM nur zeigt, dass ein Lead „gewonnen“ ist, aber nicht wann er welchen Status hatte, fehlt dir das Log.

Wie gut ist dein Log?

Das Manifesto teilt Event-Logs in fünf Qualitätsstufen ein. Oben stehen Logs aus Workflow-Systemen, die automatisch, vollständig und mit klarer Bedeutung erfassen. In der Mitte: ERP-Tabellen und Event-Logs aus CRM-Systemen — vertrauenswürdig, aber nicht unbedingt vollständig. Ganz unten: Handnotizen auf Papier.

Process Mining lohnt sich laut Manifesto auf den oberen drei Stufen. Darunter sind die Ergebnisse meist nicht vertrauenswürdig. Gemessen wird das an vier Kriterien: vertrauenswürdig, vollständig, eindeutig in der Bedeutung und sicher im Umgang mit Daten.

Wie groß so ein Log werden kann, zeigt ein öffentlicher Datensatz aus der BPI Challenge 2019: Der Einkaufsprozess eines niederländischen Farbenherstellers umfasst rund 1,6 Millionen Ereignisse in 251.734 Fällen und 42 Aktivitäten.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Jedes System hat seine eigene ID

Shop-Bestellnummer, CRM-Kontakt, Newsletter-Abonnent: Wenn die nicht zusammenpassen, zerfällt der Fall in drei. Das Manifesto nennt das Zusammenführen und Bereinigen als erste große Herausforderung.

Fehler 2 · Zeitstempel nur mit Datum

Steht bei zwei Schritten nur „03.11.“, weiß niemand, was zuerst passiert ist. Millisekunden in einem System, Tage im anderen — und die Reihenfolge ist geraten.

Fehler 3 · Ohne Frage drauflos exportieren

Ein ERP hat Tausende Tabellen. Wer alles exportiert, bekommt Datensalat. Das Manifesto rät: Erst die Frage, dann die Daten. „Warum dauert der Versand so lange?“ sagt dir, welche Tabellen du brauchst.

Fehler 4 · Event-Log mit Server-Log verwechseln

Ein Server-Log protokolliert Zugriffe und Fehler, meist ohne Bezug zu einem Geschäftsfall. Auch Events in Google Analytics 4 messen Klicks auf der Website, nicht deinen Prozess über Systeme hinweg. Ohne Case-ID kein Event-Log im Sinne von Process Mining.

So fängst du an

Für den Einstieg reicht eine CSV-Datei mit den drei Spalten. Große Tools wie Celonis oder Microsoft Power Automate nehmen sie an, Open-Source-Werkzeuge wie ProM ebenfalls. Für den Austausch zwischen Tools gibt es den IEEE-Standard XES (seit 2023 in neuer Fassung) und den jüngeren Standard OCEL 2.0, der Ereignisse an mehrere Objekte hängen kann — eine Bestellung, mehrere Pakete, eine Rechnung.

Häufige Fragen

Welche Spalten braucht ein Event-Log mindestens?

Case-ID, Aktivität und Zeitstempel. Die Case-ID verbindet die Schritte eines Falls, die Aktivität sagt, was passiert ist, der Zeitstempel, wann. Ressource und Zusatzdaten sind optional, aber hilfreich.

Was ist der Unterschied zwischen Event-Log und Logfile?

Ein normales Logfile vom Server protokolliert technische Vorgänge wie Zugriffe und Fehler. Ein Event-Log im Sinne von Process Mining ordnet jedes Ereignis einem Geschäftsfall zu, etwa einer Bestellung.

Kann ich mein CRM oder meinen Shop als Event-Log nutzen?

Oft ja. CRM-Aktivitäten und Statuswechsel im Shop sind typische Quellen. Prüfe aber, ob das System die Historie mit Zeitstempeln speichert und nicht nur den aktuellen Stand.

Brauche ich das Format XES?

Als kleines Unternehmen meist nicht. Eine CSV mit drei Spalten reicht für die gängigen Tools. XES und OCEL sind Standards für den Austausch zwischen Tools und für komplexe Fälle.

Sind GA4-Events ein Event-Log?

Nicht im Sinne von Process Mining. GA4 misst Interaktionen auf Website und App. Es fehlt der Geschäftsfall, der Schritte über mehrere Systeme hinweg verbindet.

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