Was ist Geofencing?
Stell dir einen Zaun vor, den niemand sieht. Er liegt um deinen Laden, um ein Stadion oder um den Parkplatz der Konkurrenz. Geofencing zieht genau so einen Zaun auf der Karte — und reagiert, sobald ein Smartphone ihn überquert.
Technisch unterscheidet man drei Auslöser. Die Entwicklerdoku von Android nennt sie so:
- Betreten: Das Gerät kommt in die Zone.
- Verlassen: Das Gerät geht wieder hinaus.
- Verweilen: Das Gerät bleibt eine festgelegte Zeit in der Zone — erst dann passiert etwas.
Was dann passiert, legst du fest. In deiner eigenen App kann es eine Push-Nachricht sein („Heute 10 % auf Kaffee“). In der Werbung bekommt das Gerät Anzeigen ausgespielt — oft auch noch Tage später, weil es einmal im Zaun war.
Wie klein darf der Zaun sein?
Hier platzt der erste Traum. Ein 30-Meter-Zaun um die Ladentür klingt präzise, funktioniert aber nicht. Smartphones orten sich meist über WLAN und Mobilfunk, und das ist ungenau.
Plattform
Grenze
Android-App
Radius ab 100–150 m empfohlen
Android-App
höchstens 100 Zonen je Gerät
iOS-App
höchstens 20 Zonen gleichzeitig
Google Ads
Umkreis ab 1 km
Meta Ads
Umkreis ab 1 km
Die App-Werte stammen aus den Entwicklerdokus von Android und Apple. Google Ads verlangt für Umkreise mindestens 1 km, dazu eine Mindestzahl an Nutzern im Gebiet. Bei Meta beginnt der Umkreis um einen Pin ebenfalls bei 1 km. Mit den großen Werbeplattformen kannst du also kein einzelnes Gebäude umzäunen — dafür brauchst du eine eigene App oder spezialisierte Anbieter.
Dazu kommt die Zeit. Android meldet das Betreten meist innerhalb von zwei Minuten, mit Hintergrund-Limits im Schnitt nach zwei bis drei. Liegt das Handy länger still, kann es bis zu sechs Minuten dauern. Geofencing ist nicht sekundengenau.
Beispiele aus der Praxis
Belastbare Zahlen aus Deutschland gibt es kaum. Die meisten Fallstudien stammen von Anbietern selbst. Typische Einsätze sehen so aus:
Fall
So läuft es
Café mit eigener App
Push beim Verweilen in 150 m um den Laden, höchstens einmal am Tag
Autohaus
Anzeigen im 1-km-Umkreis um die Messe, auf der es ausstellt
Geo-Conquesting
Zaun um die Filialen der Konkurrenz, um deren Kundschaft abzuwerben
Ein Café ohne eigene App kommt mit Geofencing im engen Sinn nicht weit. Für kleine Betriebe ist ein sauber gesetzter Umkreis in Google oder Meta oft der ehrlichere Weg.
Geofencing und Datenschutz
Standortdaten sind personenbezogene Daten. Die DSGVO nennt sie in Art. 4 ausdrücklich als Merkmal, über das eine Person identifizierbar wird. Wer dazu Informationen auf dem Endgerät ausliest, braucht nach § 25 TDDDG eine Einwilligung. Auch die Betriebssysteme machen dicht: Android verlangt für Geofencing im Hintergrund eine eigene Standort-Freigabe.
Wie heikel das ist, zeigen zwei Fälle. Die Recherche „Databroker Files“ von netzpolitik.org und BR fand 2024 einen Datensatz mit 3,6 Milliarden Standortpunkten aus Deutschland — von rund 11 Millionen Werbe-IDs, gesammelt über Apps. In den USA hat die Handelsbehörde FTC im Januar 2025 der Firma Gravy Analytics verboten, sensible Standortdaten zu verkaufen. Sie hatte per Geofencing Listen von Menschen erstellt, die Kliniken und Gotteshäuser besucht hatten.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Den Zaun zu eng ziehen
50 Meter um den Laden — und dann wundern, warum nichts ankommt. Die Ortung ist zu grob. Plane mit mindestens 100 bis 150 Metern in der App und 1 km in der Werbung.
Fehler 2 · Beim Vorbeifahren funken
Wer jedem eine Nachricht schickt, der am Laden vorbeifährt, nervt. Nimm „Verweilen“ statt „Betreten“ und begrenz die Häufigkeit. Sonst wird aus Werbung Spam, und die App fliegt.
Fehler 3 · Daten kaufen, ohne zu fragen
Standortdaten von Datenhändlern sind billig. Ob die Leute dafür eingewilligt haben, prüft kaum jemand. Wenn du nicht belegen kannst, woher die Daten stammen, lass die Finger davon.
Fehler 4 · Nur Klicks messen
Der eigentliche Wert sind Besuche im Laden. Ohne Kontrollgruppe weißt du nicht, ob die Leute nicht ohnehin gekommen wären. Plane den Test vorher, nicht hinterher.
So setzt du Geofencing sinnvoll ein
- Ziel klären: Laufkundschaft, Event oder Konkurrenz? Davon hängt der Ort ab.
- Weg wählen: eigene App mit Push, Umkreis in Google und Meta oder ein Anbieter für Standortwerbung.
- Radius ehrlich setzen: lieber etwas größer als zu klein.
- Einwilligung sauber einholen: klar sagen, wofür der Standort genutzt wird.
- Frequenz begrenzen: eine Nachricht am Tag reicht.
- Mit Kontrollgruppe messen: Region mit und ohne Kampagne vergleichen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Geofencing und Geotargeting?
Geotargeting spielt Anzeigen in einem Gebiet aus, etwa einer Stadt oder einem Umkreis. Geofencing reagiert auf ein Ereignis: Ein Gerät betritt eine kleine Zone, verlässt sie oder bleibt dort. Die Grenze ist fließend, Anbieter nutzen die Wörter oft durcheinander.
Ist Geofencing in Deutschland erlaubt?
Ja, aber nicht ohne Einwilligung. Standortdaten sind personenbezogene Daten, und für den Zugriff auf das Gerät verlangt das TDDDG eine Zustimmung. Die Nutzer müssen außerdem die Standortfreigabe im Betriebssystem erteilen. Im Zweifel lass dich rechtlich beraten.
Wie klein kann ein Geofence sein?
In einer Android-App empfiehlt Google mindestens 100 bis 150 Meter, weil die Ortung sonst zu ungenau ist. In Google Ads und Meta Ads beginnt der kleinste Umkreis bei 1 km.
Kann ich mit Google Ads oder Meta Ads Geofencing machen?
Nur grob. Beide erlauben Umkreise ab 1 km um einen Ort. Einen Zaun um ein einzelnes Gebäude bekommst du dort nicht. Dafür brauchst du eine eigene App oder Anbieter für Standortwerbung.
Was ist Geo-Conquesting?
Geofencing um die Standorte der Konkurrenz. Wer dort war, bekommt deine Anzeige zu sehen. Das ist wirksam, aber datenschutzrechtlich genauso heikel wie jedes andere Geofencing.