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Bleistiftskizze: Person im Wartehäuschen blickt auf ihr orange hervorgehobenes Handy, daneben Uhr, hinten Bus im Regen, als Bild für eine Job Story
Marketing-Grundlagen & Strategie

Job Story

„Wenn …, möchte ich …, damit ich …“ — drei Halbsätze, die dich zwingen, an die Situation deines Kunden zu denken statt an seine Steckbrief-Daten.

Auch bekannt alsJob StoriesJobs Story

6 Min

Lesezeit

28.10.2026

Letzte Aktualisierung

Was ist eine Job Story?

Eine Mutter von drei Kindern in den USA und ein Teenager in Korea — was haben die gemeinsam? Laut Steckbrief nichts. In einer bestimmten Situation aber oft dieselbe Motivation. Genau auf diesen Moment zielt die Job Story.

Sie beschreibt einen Bedarf in drei Teilen:

Ein Beispiel aus dem Original bei Intercom: „Wenn sich ein wichtiger neuer Kunde anmeldet, möchte ich benachrichtigt werden, damit ich ein Gespräch mit ihm beginnen kann.“ Kein Wort über Alter, Job oder Hobbys. Nur der Moment, der Wunsch und das Ziel.

Woher die Job Story kommt

Das Format entstand 2013 beim Software-Anbieter Intercom. Paul Adams suchte dort einen Ersatz für Personas und stützte sich auf die Theorie Jobs to be Done von Clayton Christensen. Den Namen „Job Story“ gab ihm kurz darauf der Produktberater Alan Klement. Bei Intercom beginnt laut Adams jedes Projekt mit einem einseitigen Brief, in dem ein Abschnitt Job Stories steht.

Job Story, User Story und Persona

Die Job Story ist eine Antwort auf die User Story aus der agilen Softwareentwicklung. Die lautet: „Als [Rolle] möchte ich [Funktion], damit [Nutzen].“

beginnt mit

User Story

Wer? (Rolle)

Job Story

Wann? (Situation)

Persona

Wer? (Steckbrief)

Klements Kritik an der User Story: Sie startet mit einer Persona, trifft dabei viele Annahmen und lässt Ursache und Kontext außen vor. Seine Zuspitzung bei Intercom: Personas seien erfundene Kunden mit Merkmalen, die nichts über Ursachen sagen.

Der Agile-Autor Mike Cohn sieht das entspannter: Job Stories sind besser, wenn sich die Nutzer kaum unterscheiden — etwa wenn viele User Stories mit „Als Nutzer …“ beginnen. Unterscheiden sich die Bedürfnisse stark nach Rolle, passt die User Story. Beides lässt sich kombinieren.

Beispiele: vorher und nachher

Die Agentur thoughtbot hat ihre User Stories 2015 auf Job Stories umgestellt. Ein Beispiel daraus, übersetzt:

  • Vorher (User Story): „Als Entwickler möchte ich ein Abzeichen in meinem Profil, damit andere sehen, dass ich viel poste.“
  • Nachher (Job Story): „Wenn ich zu den aktivsten Autoren eines Themas gehöre, möchte ich das in meinem Profil zeigen, damit andere wissen, dass ich mich auskenne.“

Der Unterschied: Die zweite Fassung sagt, wann das Bedürfnis entsteht und warum. Laut thoughtbot war die Umstellung leicht, und das ganze Team hatte danach mehr Einfühlung für die Nutzer.

Im Marketing

Für Texte ist die Job Story ein guter Bauplan. Ein Beispiel für einen Steuerberater: „Wenn im Mai die Post vom Finanzamt kommt, möchte ich wissen, was ich jetzt tun muss, damit ich keine Frist verpasse.“ Daraus wird die Landingpage:

  • Überschrift aus dem „Wenn“: „Post vom Finanzamt? Wir sagen dir, was jetzt zu tun ist.“
  • Angebot aus dem „möchte ich“: Rückruf am selben Tag.
  • Nutzenversprechen aus dem „damit ich“: keine Frist verpassen, kein Säumniszuschlag.

Belastbare Zahlen, dass solche Texte besser konvertieren, gibt es nicht. Es ist eine Praxisempfehlung — teste sie mit einem A/B-Test.

Häufige Fehler

Fehler 1 · Die Lösung in die Motivation schreiben

„Wenn ich einkaufe, möchte ich einen grünen Button …“ — das ist eine User Story mit neuem Anfang. Die Motivation beschreibt, was jemand erreichen will, nicht welche Funktion er sich vorstellt.

Fehler 2 · Eine zu vage Situation

„Wenn ich die App nutze“ sagt nichts. Gute Situationen haben einen Auslöser, oft mit Zeit, Ort oder Druck: „Wenn ich morgens zwischen zwei Terminen fünf Minuten habe …“.

Fehler 3 · Das Ergebnis weglassen

Ohne „damit ich“ fehlt der Grund. Und ohne Grund kannst du nicht prüfen, ob deine Lösung den Job wirklich erledigt.

Fehler 4 · Job Stories am Schreibtisch erfinden

Bei Intercom sprach das Team nach eigener Aussage jede Woche mit Dutzenden Kunden. Situationen, die du dir ausdenkst, sind oft deine eigenen.

So schreibst du gute Job Stories

  • Aus echten Quellen sammeln: Kundengespräche, Support-Tickets, Chatverläufe, Bewertungen.
  • Situation zuerst: Was ist gerade passiert, als der Kunde nach einer Lösung gesucht hat?
  • Lösung raushalten: In „möchte ich“ steht ein Ziel, keine Funktion.
  • Ergebnis messbar machen: Woran merkt der Kunde, dass es geklappt hat?
  • Wenige, aber gute: Drei starke Job Stories schlagen zwanzig beliebige.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen User Story und Job Story?

Die User Story beginnt mit einer Rolle („Als Kunde …“), die Job Story mit einer Situation („Wenn …“). Die Job Story richtet den Blick auf Auslöser und Motivation statt auf die Person.

Wie schreibe ich eine Job Story?

Nach dem Muster „Wenn [Situation], möchte ich [Motivation], damit ich [Ergebnis].“ Die Situation sollte konkret sein, die Motivation keine Funktion enthalten und das Ergebnis prüfbar sein.

Sind Job Stories dasselbe wie Jobs to be Done?

Nein. Jobs to be Done ist die Theorie dahinter, warum Menschen Produkte kaufen. Die Job Story ist ein Format, um einen solchen Job kurz aufzuschreiben.

Ersetzen Job Stories die Persona?

Bei Intercom sollten sie das, Paul Adams räumt Personas aber weiter ihren Platz ein. Im Marketing ergänzen sich beide: Die Persona sagt, wer, die Job Story, wann und warum.

Wer hat die Job Story erfunden?

Das Format entstand 2013 bei Intercom um Paul Adams. Den Namen „Job Story“ gab ihm Alan Klement.

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