Was ist KI-Kompetenz?
Ein Werbetext von ChatGPT klingt überzeugend. Er kann trotzdem eine erfundene Studie zitieren. Wer das weiß, prüft nach. Genau dieses Wissen meint KI-Kompetenz, englisch AI Literacy.
Die KI-Verordnung der EU definiert sie in Art. 3 Nr. 56 als die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, um KI-Systeme sachkundig einzusetzen. Dazu gehört, sich der Chancen und Risiken bewusst zu sein — und der Schäden, die KI anrichten kann.
Das ist mehr als gute Prompts zu schreiben. Prompt Engineering ist eine Technik. KI-Kompetenz umfasst auch Halluzinationen, Datenschutz, Urheberrecht und die Frage, wann du dem Ergebnis nicht trauen solltest.
Was verlangt Art. 4 der KI-Verordnung?
Art. 4 gilt seit dem 2. Februar 2025 für alle Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Betreiber ist jeder, der KI beruflich nutzt. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung. Ein KMU, dessen Team ChatGPT für Kundentexte nutzt, ist also Betreiber.
Seit dem 27. Juli 2026 gilt Art. 4 in einer geänderten Fassung. Das EU-Paket zur Vereinfachung, der sogenannte Digital Omnibus, hat die Pflicht abgeschwächt: Unternehmen müssen Maßnahmen ergreifen, die KI-Kompetenz ihres Personals zu fördern. Ein bestimmtes Niveau bei jeder einzelnen Person müssen sie nicht garantieren.
Was angemessen ist, hängt vom Einzelfall ab: Vorwissen, Erfahrung, wofür die KI eingesetzt wird und wen das betrifft. Die Pflicht gilt auch für Leute, die in deinem Auftrag mit KI arbeiten, etwa Freelancer.
Zertifikat, Bußgeld, Aufsicht?
Frage
Antwort
Zertifikat nötig?
Nein
Pflichtschulung?
Nein, Form ist frei
KI-Beauftragter?
Nicht vorgeschrieben
Dokumentation?
Empfohlen, intern reicht
Eigenes Bußgeld?
Nein
Weder die KI-Verordnung (Art. 99) noch das deutsche Durchführungsgesetz KI-MIG sehen für Art. 4 ein eigenes Bußgeld vor. Die Pflicht ist trotzdem echt. Seit dem 2. August 2026 überwachen die nationalen Behörden sie, in Deutschland die Bundesnetzagentur.
Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass fehlende KI-Kompetenz als Verletzung der Sorgfaltspflicht gelten kann, vor allem wenn ein Schaden entsteht. Ein Verweis auf die Bedienungsanleitung des Tools reicht laut Kommission in der Regel nicht.
Wie steht es um KI-Kompetenz in Deutschland?
Marketing ist der Bereich, in dem KI am meisten genutzt wird. In einer Umfrage der Bundesnetzagentur unter 808 Unternehmen Ende 2024 setzten knapp sieben von zehn KI-Nutzern sie in Marketing und Vertrieb ein. Damals boten aber 57 % der Firmen, die KI nutzten oder planten, gar keine Kompetenzmaßnahmen an.
Seitdem hat sich viel getan. Laut Bitkom (603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, Sommer 2026) schulen 70 % ihre Beschäftigten zu KI, 25 % gar nicht. Zwei Drittel schätzen die KI-Kompetenz ihrer Leute aber noch als gering ein.
Die Zahlen stammen aus verschiedenen Jahren und Gruppen. Vergleiche sie nicht direkt — die Richtung ist trotzdem klar: mehr Nutzung, mehr Schulung, aber noch viel Unsicherheit.
Häufige Fehler
Fehler 1 · „Das gilt nur für Hochrisiko-KI“
Falsch. Art. 4 trifft jeden beruflichen Einsatz, auch den Chatbot für Social-Media-Posts. Bei Hochrisiko-Systemen kommen nur weitere Pflichten dazu.
Fehler 2 · „Ich brauche ein Zertifikat“
Viele Anbieter verkaufen Kurse mit Urkunde als Pflichtprogramm. Vorgeschrieben ist kein Zertifikat. Eine interne Schulung mit kurzer Dokumentation tut es ebenso.
Fehler 3 · „Kein Bußgeld, also keine Pflicht“
Die Bundesnetzagentur kann nachfragen. Und wenn ein KI-Fehler einen Kunden schädigt, spielt im Streit eine Rolle, ob dein Team wusste, worauf es achten muss.
Fehler 4 · Freelancer vergessen
Die Pflicht erfasst auch Personen, die in deinem Auftrag mit KI arbeiten. Wer Texte bei einer freien Texterin bestellt, die KI nutzt, sollte das im Briefing ansprechen.
So setzt du es im KMU um
- Bestandsaufnahme: Welche KI-Tools nutzt wer, wofür? Auch die privat mitgebrachten.
- Kurze Schulung: Wie die Tools funktionieren, wo sie halluzinieren, was nicht hineingehört (Kundendaten, Geheimnisse).
- Regeln aufschreiben: Eine Seite reicht. Was ist erlaubt, was muss geprüft werden, wer gibt frei?
- Dokumentieren: Datum, Inhalt, Teilnehmende. Das empfiehlt die Bundesnetzagentur.
- Auffrischen: Neue Tools, neue Risiken — einmal im Jahr nachschulen.
Kostenlose Angebote gibt es genug: den KI-Service-Desk der Bundesnetzagentur, die Mittelstand-Digital Zentren mit KI-Trainern, Onlinekurse vom KI-Campus und die Sammlung guter Praxisbeispiele der EU-Kommission.
Häufige Fragen
Brauche ich als Solopreneur eine KI-Schulung?
Wenn du KI beruflich nutzt, bist du Betreiber und Art. 4 gilt. Für dich allein heißt das: dich selbst über Funktionsweise und Risiken schlau machen und das kurz festhalten. Bei Mitarbeitenden oder Freelancern musst du auch deren Kompetenz fördern.
Muss ich ein Zertifikat nachweisen?
Nein. Weder die EU-Kommission noch die Bundesnetzagentur verlangen ein Zertifikat oder ein bestimmtes Format. Eine interne Dokumentation über Art, Umfang und Teilnehmende der Maßnahmen reicht.
Was droht, wenn ich nichts tue?
Ein eigenes Bußgeld für Art. 4 gibt es weder im EU-Recht noch im deutschen KI-MIG. Die Bundesnetzagentur überwacht die Pflicht aber seit August 2026. Und wenn KI-Fehler Schäden verursachen, kann fehlende Kompetenz als Sorgfaltsverstoß gelten.
Was hat sich 2026 geändert?
Seit dem 27. Juli 2026 gilt Art. 4 in einer abgeschwächten Fassung. Statt ein ausreichendes Niveau sicherzustellen, müssen Unternehmen Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz ergreifen. Neu ist auch, dass EU und Mitgliedstaaten vor allem KMU dabei unterstützen sollen.
Gilt das auch für Agenturen, die für mich arbeiten?
Ja. Art. 4 erfasst auch Personen, die in deinem Auftrag mit KI-Systemen umgehen. Die Agentur hat zusätzlich eigene Pflichten als Betreiber. Sprich das Thema im Vertrag oder Briefing an.