Was ist Marktsegmentierung?
Dein Markt ist kein Einheitsbrei. Eine Studentin in Hamburg und ein Rentner in Bayern kaufen anders, auch wenn sie dasselbe Produkt brauchen. Marktsegmentierung macht diese Unterschiede sichtbar.
Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt sie als Aufteilung des Gesamtmarktes nach bestimmten Kriterien in Käufergruppen. Die Gruppen sollen in sich möglichst ähnlich und untereinander möglichst unähnlich sein. Den Begriff hat der Ökonom Wendell Smith 1956 geprägt.
Marktsegmentierung ist der erste Schritt im STP-Modell:
- S wie Segmentierung: den Markt in Gruppen aufteilen
- T wie Targeting: eine oder mehrere Gruppen auswählen
- P wie Positionierung: festlegen, wie du in dieser Gruppe wahrgenommen werden willst
Nach welchen Kriterien segmentiert man?
In Lehrbüchern findest du meist vier Gruppen von Kriterien:
Kriterium
Beispiele
Geografisch
Land, Region, Stadt, Stadtteil
Demografisch
Alter, Haushaltsgröße, Einkommen, Beruf
Psychografisch
Lebensstil, Werte, Persönlichkeit
Verhalten
Kaufhäufigkeit, Preisbewusstsein, Markentreue
Gabler trennt zusätzlich sozioökonomische Merkmale wie Einkommen und Bildung von den demografischen. Und warnt: Allgemeine Merkmale wie Alter sind leicht zu messen, sagen das Kaufverhalten aber nur schwach voraus. Verhaltensmerkmale sind aussagekräftiger, aber schwerer zu erheben.
Beispiele aus der Praxis
Echte Daten zeigen, wie viel in einem Segment steckt — und wie stark es sich je nach Ort unterscheidet.
Case A · Demografisch
Single-Portionen für Alleinlebende
42,1 %
Einpersonenhaushalte
34,4 %
der Menschen ab 65 leben allein
Ein Segment, das seit Jahren wächst — 2005 waren es noch 36,8 %
Destatis, Mikrozensus 2025. Spannend für Lieferdienste, Wohnungsbau, Lebensmittel.
Case B · Geografisch + psychografisch
Ein Laden für Trendsetter in Mannheim
10,6 %
Expeditive in ganz Mannheim
23,5 %
Expeditive in der Innenstadt
In der Innenstadt mehr als doppelt so viele wie im Schnitt
Modellwerte der Sinus-Milieus auf Haushaltsebene, aufbereitet von der Stadt Mannheim (2025).
Die Sinus-Milieus sind ein bekanntes Modell für psychografische Segmentierung. Das SINUS-Institut teilt Deutschland in zehn Milieus nach sozialer Lage und Grundhaltung, von den Postmateriellen und der Adaptiv-Pragmatischen Mitte mit je 12 % bis zu den Konsum-Hedonisten mit 8 % (Stand Oktober 2026).
Häufige Fehler
Fehler 1 · Nach Merkmalen segmentieren, die nichts erklären
Das klassische Lehrbuch-Beispiel: Wer Speisesalz verkauft, kann den Markt nach Haarfarbe aufteilen — es bringt nur nichts, weil Haarfarbe den Salzkauf nicht beeinflusst. Frag bei jedem Kriterium: Kauft diese Gruppe wirklich anders?
Fehler 2 · Segmente, die du nicht erreichst
„Menschen, die gerade über einen Jobwechsel nachdenken“ ist ein spannendes Segment. Aber wie erreichst du sie? Ein Segment, das du weder finden noch ansprechen kannst, ist nur eine schöne Idee.
Fehler 3 · Segmentieren und dann alle gleich ansprechen
Drei Segmente definiert, aber eine einzige Website, ein Newsletter, eine Anzeige für alle? Dann war die Arbeit umsonst. Segmentierung lohnt sich erst, wenn daraus eine eigene Ansprache oder ein eigenes Angebot folgt.
Fehler 4 · Einmal festlegen, nie wieder anschauen
Märkte verschieben sich. Der Anteil der Einpersonenhaushalte ist in 20 Jahren von 36,8 auf 42,1 % gestiegen, das SINUS-Institut hat sein Modell 2021 neu gefasst. Schau deine Segmente mindestens einmal im Jahr neu an.
So segmentierst du als kleines Unternehmen
- Mit deinen Kunden anfangen: Wer kauft heute schon, wer kauft oft, wer bringt den meisten Umsatz?
- Gemeinsamkeiten suchen: Branche, Region, Anlass, Problem — was verbindet die besten Kunden?
- Zwei bis vier Segmente bilden, nicht zwanzig.
- Daten nutzen: amtliche Zahlen von Destatis, dein CRM, Google Analytics 4.
- Auswählen: Ein Segment zum Start, das groß genug ist und zu deinen Stärken passt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Marktsegmentierung und Zielgruppe?
Marktsegmentierung teilt den ganzen Markt in Gruppen auf. Die Zielgruppe ist das Segment, das du danach auswählst und ansprichst. Erst segmentieren, dann auswählen.
Welche Segmentierungskriterien gibt es?
Üblich sind vier Gruppen: geografisch (Wohnort), demografisch (Alter, Haushalt, Einkommen), psychografisch (Lebensstil, Werte) und verhaltensorientiert (Kaufhäufigkeit, Preisbewusstsein). Verhaltensmerkmale sagen den Kauf meist am besten voraus.
Was bedeutet STP?
STP steht für Segmentierung, Targeting und Positionierung. Du teilst den Markt auf, wählst ein Segment aus und legst fest, wie du dort wahrgenommen werden willst.
Lohnt sich Marktsegmentierung auch für Solopreneure?
Ja, gerade dann. Mit wenig Budget kannst du nicht alle ansprechen. Ein klar umrissenes Segment spart Werbegeld und macht deine Botschaft schärfer.
Was ist der Unterschied zur Buyer Persona?
Ein Segment ist eine Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen. Eine Buyer Persona ist eine erfundene, konkrete Person, die ein Segment greifbar macht — ein Werkzeug für Texte und Ansprache, kein Verfahren zum Aufteilen des Markts.