Was ist organische Reichweite?
Organische Reichweite zählt die Menschen, die deinen Beitrag gesehen haben, ohne dass Geld im Spiel war. Kein Boost, keine Anzeige — nur dein Beitrag und der Feed der Plattform.
Gezählt werden Personen, nicht Einblendungen. Sieht jemand deinen Beitrag dreimal, zählt er bei der Reichweite einmal, bei den Impressionen dreimal. Meta beschreibt die organische Reichweite in seiner Schnittstelle als die Zahl der Personen, die einen Beitrag „über unbezahlte Distribution“ gesehen haben — und nennt den Wert ausdrücklich eine Schätzung.
Das Gegenstück ist die bezahlte Reichweite: alle, die deinen Inhalt über Werbung gesehen haben. In den Insights von Meta, LinkedIn und TikTok stehen beide Werte getrennt.
Wie wird die organische Reichweitenrate berechnet?
Die absolute Zahl sagt wenig, wenn du sie nicht ins Verhältnis setzt. Deshalb rechnet man meist die Reichweitenrate:
Reichweitenrate
Rate = organische Reichweite ÷ Follower × 100
Beispiel: 240 erreichte Konten bei 4.000 Followern → Rate = 6,0 %
Weil auch Nicht-Follower mitzählen, kann die Rate über 100 % liegen — etwa wenn ein Reel viral geht. Rechne den Wert je Beitrag und mittele dann über einen Monat. Ein einzelner Ausreißer verzerrt sonst alles.
Wie hoch ist eine normale organische Reichweite?
Ernüchternd niedrig. Das Analyse-Tool Socialinsider hat für 2025 und 2026 Millionen Beiträge von Marken ausgewertet. Instagram-Beiträge erreichten im Schnitt etwa 3 bis 5 % der Follower, Facebook-Beiträge etwa 1 bis 2 %. Je größer das Konto, desto kleiner der Anteil:
Follower
1.000–5.000
6,65 %
10.000–50.000
5,50 %
50.000–100.000
4,50 %
100.000–1 Mio.
3,50 %
Auf Facebook fällt die Rate von 4,35 % bei kleinen Seiten auf 0,50 % bei Seiten mit über 100.000 Fans. Und das Format zählt: Link-Beiträge kamen auf Facebook im Schnitt nur auf 0,20 %, Bilder auf 1,20 %. Auf Instagram lagen Karussells mit 4,50 % knapp vor Reels und Bildern.
Der Trend zeigt je nach Plattform in andere Richtungen. In der Social Media Study 2026 von Metricool (knapp 40 Millionen Beiträge) sank die Reichweite von Instagram-Beiträgen 2025 gegenüber 2024 um 31 %, die Impressionen auf LinkedIn um 23 %. Auf Facebook stieg die Reichweite dagegen um 51 %. „Organische Reichweite stirbt“ stimmt also nicht pauschal.
Beispiele aus der Praxis
Zwei Rechenbeispiele mit den Durchschnittswerten von Socialinsider — so siehst du, was realistisch ist:
Rechnung A · Instagram
Café mit lokalem Publikum
3.000
Follower
6,65 %
Rate im Schnitt
Rund 200 erreichte Konten pro Beitrag
Wer 200 sieht, ist im Soll. Wer regelmäßig 400 schafft, macht etwas richtig.
Rechnung B · Facebook
Handwerksbetrieb teilt Blog-Links
20.000
Fans
0,20 %
Rate bei Link-Posts
Nur rund 40 Personen pro Link-Post
Mit einem Bild statt eines Links wären es nach den gleichen Daten eher 240.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Organisch und bezahlt zusammenwerfen
Ein geboosteter Beitrag bläht die Gesamtreichweite auf. Vergleichst du ihn mit ungeboosteten Beiträgen, siehst du nicht, was dein Inhalt allein bringt. Nimm für den Vergleich immer nur den organischen Wert.
Fehler 2 · Reichweite mit Aufrufen verwechseln
Meta hat 2024 die „Aufrufe“ zur Hauptkennzahl gemacht. Aufrufe zählen jede Ansicht, auch wiederholte. Die Reichweite zählt Menschen. Beides steht nebeneinander in den Insights — und ist nicht dasselbe.
Fehler 3 · Äpfel mit Birnen vergleichen
3 % auf Facebook sind gut, 3 % auf Instagram eher mäßig. Und ein Konto mit 200.000 Followern erreicht anteilig strukturell weniger als eins mit 2.000. Vergleich dich mit Konten ähnlicher Größe auf derselben Plattform.
Fehler 4 · „Der Algorithmus“ als Ausrede
Instagram-Chef Adam Mosseri sagt selbst: Es gibt nicht den einen Algorithmus. Feed, Stories, Explore und Reels ranken jeweils nach eigenen Signalen. Wer nur über den Algorithmus schimpft, schaut nicht auf das, was er ändern kann.
So steigerst du die organische Reichweite
- Teilbar machen: Laut Mosseri sind Wiedergabezeit, Likes und das Weiterschicken per Direktnachricht die drei wichtigsten Signale. Das Weiterschicken zählt vor allem für Empfehlungen an Nicht-Follower.
- Format wählen: Reels für neue Leute, Karussells für Interaktion. Links auf Facebook lieber in den ersten Kommentar oder als Bild mit Link im Text.
- Gespräche auslösen: Facebook hat 2018 angekündigt, Beiträge zu bevorzugen, über die sich Freunde unterhalten. Das gilt bis heute als Grundprinzip.
- Regelmäßig posten: lieber zweimal pro Woche verlässlich als zehnmal in einer Woche und dann vier Wochen nichts.
- Messen: Meta Business Suite, Instagram-Insights und LinkedIn-Seitenanalyse reichen für den Anfang. Benchmarks liefern Tools wie Socialinsider, Metricool oder Fanpage Karma.
Häufige Fragen
Warum sinkt meine organische Reichweite?
Meist kommen mehrere Gründe zusammen: mehr Konkurrenz im Feed, mehr Empfehlungen statt Follower-Inhalte, ein Format, das gerade schwächer läuft, und geänderte Kennzahlen. Prüf zuerst, ob du wirklich die organische Reichweite vergleichst und nicht Aufrufe oder geboostete Beiträge.
Was ist eine gute organische Reichweitenrate?
Auf Instagram erreichen Marken im Schnitt etwa 3 bis 5 % ihrer Follower pro Beitrag, kleine Konten mit bis zu 5.000 Followern rund 6,6 %. Auf Facebook sind 1 bis 2 % üblich. Liegst du darüber, machst du etwas richtig.
Lohnen sich Link-Beiträge auf Facebook?
Organisch kaum. Link-Beiträge erreichten in der Socialinsider-Auswertung im Schnitt 0,20 % der Fans, Bilder sechsmal so viele. Wenn du auf deine Website verweisen willst, erzähl die Geschichte im Beitrag und setz den Link dazu, statt nur einen Link zu teilen.
Wie erreiche ich Leute, die mir noch nicht folgen?
Über Inhalte, die weitergeschickt werden, und über Formate mit Empfehlungen wie Reels. Weiterleitungen zählen laut Instagram für Empfehlungen an Nicht-Follower besonders. Hashtags helfen dabei weniger als früher.
Brauche ich Werbung, wenn die organische Reichweite so klein ist?
Nicht zwingend, aber oft. Organisch baust du Vertrauen bei denen auf, die schon da sind. Bezahlte Reichweite bringt dich gezielt vor neue Leute. Viele kleine Firmen fahren gut damit, die besten organischen Beiträge nachträglich zu bewerben.