Was ist Reverse DNS?
Du schreibst eine Domain in den Browser, und das Internet schlägt nach, welche IP-Adresse dahintersteckt. Das ist normales DNS, das Telefonbuch des Internets. Reverse DNS macht es umgekehrt: Du hast die Nummer und fragst, wem sie gehört.
Technisch steckt dahinter ein PTR-Record. Er liegt in einer eigenen Zone, bei IPv4 unter in-addr.arpa, bei IPv6 unter ip6.arpa. Die IP-Adresse steht dort rückwärts.
Eine Sache ist für die Praxis entscheidend: Die Zone gehört dem Inhaber der IP, nicht dem Inhaber der Domain. Der Eintrag liegt also nicht dort, wo deine anderen DNS-Einträge liegen.
Beim Thema E-Mail kommt noch die Rückprüfung dazu. Der Fachbegriff lautet forward-confirmed reverse DNS. So läuft das ab:
- Die IP-Adresse des Servers führt per PTR-Record zu einem Hostnamen.
- Dieser Hostname führt per A- oder AAAA-Record zurück zu einer IP-Adresse.
- Beide IP-Adressen müssen gleich sein.
Warum das für deine E-Mails zählt
Im Marketing begegnet dir Reverse DNS fast immer über die Zustellbarkeit. Ein Mailserver schaut sich an, wer da anklopft. Fehlt der PTR-Record, sieht das aus wie ein gekaperter Rechner, der Spam verschickt.
Die großen Postfach-Anbieter sind dabei klar:
Anbieter
Vorgabe
Gmail
PTR plus passender A-/AAAA-Record
Yahoo
gültig, aussagekräftig, nicht generisch
Microsoft
gültige Reverse-DNS-Einträge
Bei Gmail siehst du die Folgen direkt am Fehlercode. 550 5.7.25 heißt: Die IP hat keinen PTR-Record, die Mail wird abgelehnt. 451 4.7.23 und 421 4.7.0 bremsen dich vorübergehend, weil der PTR fehlt oder die Rückprüfung nicht passt.
Musst du dich überhaupt kümmern?
Oft nicht. Es kommt darauf an, wer deine Mails verschickt:
- Google Workspace oder Microsoft 365: Die Server gehören dem Anbieter. Du musst nichts einrichten.
- Newsletter-Tool mit geteilter IP: Die IP gehört dem Anbieter, damit auch der PTR-Record.
- Eigener Mailserver oder VPS: Hier bist du dran. Das gilt auch, wenn dein WordPress Mails direkt vom eigenen Server schickt.
- Dedizierte IP: Klär mit dem Anbieter, wer den Eintrag setzt.
Gesetzt wird der Eintrag beim Hoster oder Internetanbieter. Bei Hetzner geht das in der Console im Bereich Networking, bei AWS über die Elastic IP. Dort muss vorher ein A-Record auf die Adresse zeigen. Pro IP gibt es bei Hetzner genau einen PTR-Record.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Am falschen Ort suchen
Der PTR-Record lässt sich nicht beim Domain-Anbieter anlegen, auch wenn dort alle anderen Einträge stehen. Er gehört dem IP-Inhaber. Such also bei deinem Server-Hoster.
Fehler 2 · Die Rückprüfung vergessen
Der PTR-Record zeigt auf mail.deinefirma.de, aber dieser Name führt nicht zurück zur selben IP? Dann schlägt die Prüfung fehl. Der RFC 1912 sagt es knapp: PTR- und A-Record müssen zusammenpassen.
Fehler 3 · IPv6 übersehen
Schickt dein Server über IPv6, zählt die IPv6-Adresse. Wer nur IPv4 pflegt, wundert sich über Fehler, obwohl alles richtig aussieht. Gmail hat dafür mit 550 5.7.1 einen eigenen Fehlercode.
Fehler 4 · Den Standardnamen des Hosters behalten
Ein Name wie static-1-2-3-4.hoster.net ist technisch ein PTR-Record, wirkt aber wie ein Massenanschluss. Yahoo fordert ausdrücklich einen aussagekräftigen, nicht generischen Eintrag.
So prüfst du deinen Eintrag
Auf der Kommandozeile geht das in Sekunden: dig -x 203.0.113.10 +short oder nslookup 203.0.113.10. Wer lieber klickt, nimmt MXToolbox oder mail-tester.com.
- Absende-IP finden: Im Header einer Test-Mail steht, von welcher IP sie kam.
- PTR abfragen: Kommt ein Hostname zurück?
- Rückprüfung machen: Führt dieser Hostname zur selben IP?
- Namen abgleichen: Der Servername beim Verbindungsaufbau, der HELO-Name, soll dazu passen.
- IPv6 prüfen: Dieselben Schritte für die IPv6-Adresse.
Häufige Fragen
Was ist ein PTR-Record?
Ein DNS-Eintrag, der einer IP-Adresse einen Hostnamen zuordnet. Er ist das Gegenstück zum A-Record, der einen Namen auf eine IP-Adresse zeigen lässt.
Was bedeutet Fehler 550 5.7.25 bei Gmail?
Die sendende IP-Adresse hat keinen PTR-Record, Gmail lehnt die Mail ab. Richte den Eintrag bei deinem Server-Hoster ein und stell sicher, dass der Hostname zurück auf dieselbe IP zeigt.
Wo richte ich Reverse DNS ein?
Bei dem, dem die IP-Adresse gehört, also beim Hoster oder Internetanbieter. Beim Domain-Anbieter geht das nicht, außer er ist zugleich dein Hoster.
Brauche ich Reverse DNS, wenn ich ein Newsletter-Tool nutze?
Bei einer geteilten IP liegt das beim Anbieter. Du kümmerst dich dann um SPF, DKIM und DMARC für deine Domain. Bei einer dedizierten IP frag nach, wer den Eintrag pflegt.
Ersetzt Reverse DNS SPF, DKIM oder DMARC?
Nein. Reverse DNS sagt etwas über den Server. SPF, DKIM und DMARC sichern deine Absenderdomain ab. Große Anbieter verlangen beides.
Quellen
- Microsoft Learn: Reverse DNS in Azure
- Google Workspace-Hilfe: E-Mail-Absender-Richtlinien
- Google Workspace-Hilfe: Gmail-SMTP-Fehler
- Yahoo Sender Hub: Best Practices
- Microsoft Postmaster: Richtlinien
- RFC 1035: Domain Names
- RFC 1912: Common DNS Errors
- RFC 8601: Authentication-Results
- Hetzner Docs: Reverse DNS
- AWS-Doku: Reverse DNS für E-Mail