Was ist Stemming?
Stemming heißt: Ein Programm führt ein Wort auf seinen Wortstamm zurück. Der Sinn ist einfach: Wer „Halstücher“ sucht, soll auch das „Halstuch“ finden.
Meist geschieht das per Regel. Das Programm schneidet Endungen ab, manchmal auch Vorsilben. Dabei muss kein richtiges Wort herauskommen. Der deutsche Snowball-Stemmer, ein verbreitetes offenes Verfahren, macht aus „kategorische“ schlicht kategor. Das reicht, solange alle Varianten beim selben Stamm landen.
Das bekannteste Verfahren stammt von Martin Porter und erschien 1980. Das Prinzip ist also älter als jede Suchmaschine, die du kennst.
Wie funktioniert Stemming?
Es gibt zwei Bauarten:
- Algorithmisch: Feste Regeln schneiden die Wörter zu. Das ist schnell und braucht wenig Speicher, scheitert aber an unregelmäßigen Formen.
- Wörterbuch-basiert: Das Programm schlägt nach. Das ist genauer, braucht aber viel Speicher und ist nur so gut wie sein Wörterbuch. Ein Beispiel ist hunspell.
Elastic, der Hersteller der Suchsoftware Elasticsearch, schreibt: In der Praxis schneiden algorithmische Stemmer meist besser ab. Für Deutsch empfiehlt die Elasticsearch-Doku die Variante light_german.
Der Snowball-Stemmer zeigt, wie speziell Deutsch behandelt wird: Aus ß wird ss, aus ae, oe und ue werden Umlaute, und am Ende werden Umlaute zu a, o und u. Aus „kattunhalstücher“ wird so kattunhalstuch.
Warum ist Deutsch für Stemming so schwierig?
Wegen unserer zusammengesetzten Wörter. Das Beispiel oben zeigt es: kattunhalstuch bleibt ein Block. Wer „Halstuch“ sucht, trifft es nicht. Snowball sagt das offen: Die rein algorithmischen Stemmer versuchen gar nicht erst, solche Komposita zu zerlegen.
Wie sehr das zählt, ist unter Fachleuten umstritten. Ein Forschungsteam um Christof Monz maß 2001 bei einem deutschen Testkorpus: Allein das Zerlegen von Komposita verbesserte die durchschnittliche Präzision von 0,3551 auf 0,3892, also um 9,6 %. Snowball hält den Bedarf dagegen eher für überschätzt.
Was bedeutet Stemming für SEO und Ads?
Eine aktuelle offizielle Google-Aussage, wie die organische Suche Wortformen genau behandelt, haben wir nicht gefunden. Klar ist: Google arbeitet heute mit lernenden Systemen wie RankBrain (2015), Neural Matching (2018) und BERT (2019). Und Google schreibt im SEO-Leitfaden, dass es den Bezug einer Seite versteht, selbst wenn du die exakten Begriffe nicht benutzt.
In Google Ads ist es dagegen eindeutig. Enge Varianten umfassen laut Hilfe Schreibfehler, Singular und Plural, Stemming und Abkürzungen. Abschalten kannst du das nicht.
Wo
Das bedeutet
Google-Suche
Schreib natürlich
Google Ads
Suchbegriffe prüfen
Website-Suche
Selbst einstellen
Yoast SEO
Wortformen in Premium
Yoast kann deutsche Wortformen seit Version 10.1 von 2019 erkennen, das gehört zur Premium-Version. In der eigenen Website-Suche entscheidest du selbst: In Tools wie Elasticsearch stellst du den Stemmer pro Sprache ein.
Was unterscheidet Stemming von Lemmatisierung?
- Stemming: schneidet per Regel, das Ergebnis ist oft kein echtes Wort.
- Lemmatisierung: sucht die Grundform im Lexikon, das Ergebnis ist ein Wort, und sie arbeitet vorsichtiger.
- Synonyme: andere Wörter mit gleicher Bedeutung. Das leistet Stemming nicht.
- Semantische Suche: sucht nach Bedeutung statt nach Wortformen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Jede Wortform einbauen
„Google versteht das schon“ heißt nicht: Schreib alle Varianten rein. Das Gegenteil stimmt. Keyword-Stuffing verstößt gegen Googles Spam-Richtlinien, auch Wiederholungen in Abwandlungen nerven Leser.
Fehler 2 · Überstemming übersehen
Regeln schneiden auch mal zu viel ab. Elastics Beispiel: Aus „skies“ und „skiing“ wird beide Male ski. Fällt dir in deiner Website-Suche Unsinn auf, liegt es oft genau daran.
Fehler 3 · Ausschließende Keywords vergessen
Ausschließende Keywords erweitert Google Ads nicht auf enge Varianten. Willst du Singular und Plural ausschließen, musst du beide selbst eintragen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Stemming und Lemmatisierung?
Stemming schneidet per Regel ab, das Ergebnis ist oft kein Wort. Lemmatisierung schlägt die Grundform in einem Lexikon nach und liefert ein echtes Wort, ist dafür aufwendiger.
Muss ich Singular und Plural eines Keywords einbauen?
Nein, nicht gezielt. Schreib so, wie es im Satz passt. Google versteht den Bezug einer Seite laut eigener Aussage auch ohne die exakten Begriffe. Keyword-Stuffing schadet.
Funktioniert Stemming auf Deutsch?
Ja, mit Grenzen. Endungen und Umlaute klappen gut, zusammengesetzte Wörter zerlegen die rein algorithmischen Stemmer aber nicht. Dafür braucht es eine eigene Wortzerlegung.
Kann ich Stemming bei Google Ads abschalten?
Nein. Enge Varianten inklusive Stemming lassen sich laut Google nicht abwählen. Prüf stattdessen den Suchbegriffe-Bericht und pflege ausschließende Keywords.