Was ist Marketing-Automation?
Jemand meldet sich für deinen Newsletter an. Sofort kommt eine Willkommensmail, drei Tage später ein Tipp, nach einer Woche ein Angebot. Niemand hat dafür einen Knopf gedrückt. Das ist Marketing-Automation: Software, die nach Regeln handelt, die du einmal festlegst.
Jeder automatisierte Ablauf besteht aus drei Teilen:
- Auslöser — eine Anmeldung, ein Kauf, ein abgebrochener Warenkorb, ein Datum, ein Klick.
- Bedingungen — „wenn Kunde schon gekauft hat“, „wenn Region Norddeutschland“, „wenn nach drei Tagen kein Klick“.
- Aktionen — Mail oder SMS schicken, Kontakt markieren, Punkte vergeben, Vertrieb benachrichtigen.
Die Anbieter nennen diese Abläufe unterschiedlich: Workflows bei HubSpot und Salesforce, Flows bei Klaviyo, Customer Journeys bei Mailchimp. Gemeint ist immer dasselbe. Die Daten dafür kommen aus deinem CRM oder Newsletter-Tool.
Warum sich das lohnt
Eine automatisierte Mail kommt genau dann, wenn sie passt — weil der Kunde gerade etwas getan hat. Das merkt man im Umsatz. Die harten Zahlen dazu kommen aus dem E-Commerce, wo Automationen am weitesten verbreitet sind.
Omnisend · Daten 2025
Anteil am E-Mail-Umsatz in den USA
1,7 %
der versendeten Mails
25 %
des Mail-Umsatzes
2,01 $ statt 0,10 $ Umsatz je Mail
Automatisierte Mails gegenüber geplanten Kampagnen, ausgewertet über 27 Milliarden Mails von 150.000 Shops.
Omnisend · Daten 2024
Welche Abläufe das meiste bringen
87 %
der automatisierten Bestellungen
3
Abläufe
Warenkorb, Willkommen, angesehene Produkte
Bei Willkommens- und Warenkorb-Mails kaufte jeder Zweite, der geklickt hat.
Das sind Anbieterdaten und Zusammenhänge, keine Laborversuche — wer automatisiert, ist oft ohnehin der professionellere Händler. Für B2B und Dienstleister gibt es keine ähnlich belastbaren Zahlen. Das Prinzip trägt trotzdem: Die passende Nachricht zum passenden Zeitpunkt schlägt die Massenmail.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Erst das Tool, dann der Plan
Eine Suite für 800 € im Monat kaufen und dann überlegen, was sie tun soll. Gartner fand 2023, dass Marketer im Schnitt nur 33 % der Fähigkeiten ihrer Marketing-Software nutzen. Zuerst Ablauf aufs Papier, dann das Werkzeug wählen.
Fehler 2 · Ohne saubere Einwilligung
Automatisierte Werbemails sind Werbung wie jede andere. Nach § 7 UWG brauchst du eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. Ausnahme: Bestandskunden, die bei dir gekauft haben, für ähnliche eigene Produkte und mit Hinweis auf das Widerspruchsrecht in jeder Mail. Gekaufte Listen sind tabu.
Fehler 3 · Einrichten und vergessen
Ein Ablauf von 2022 verschickt noch den Rabattcode, den es nicht mehr gibt. Oder der Kunde hat gekauft und bekommt trotzdem die Warenkorb-Erinnerung. Schau dir deine Abläufe jedes Quartal einmal als Empfänger an.
Fehler 4 · Zeitsteuerung mit Automation verwechseln
Einen Newsletter für Dienstag 9 Uhr einplanen ist keine Automation. Der Hebel kommt erst, wenn das Verhalten des Einzelnen den Ablauf auslöst.
Mit welchen Abläufen du startest
- Willkommensstrecke — nach der Anmeldung zwei bis vier Mails, die dich vorstellen und einen ersten Nutzen bringen.
- Warenkorb-Erinnerung — für Shops die Mail mit dem besten Verhältnis aus Aufwand und Ertrag.
- Nach dem Kauf — Danke, Tipps zur Nutzung, Bitte um eine Bewertung.
- Für Dienstleister — Nachfass-Mail nach dem Angebot, Erinnerung vor dem Termin, Lead Nurturing nach einem Download.
Tools gibt es für jede Größe: Brevo, CleverReach, Mailchimp oder ActiveCampaign für den Einstieg, Klaviyo und Omnisend für Shops, HubSpot, Salesforce oder Marketo für größere Teams. Wer verschiedene Programme verbinden will — Formular, CRM, Mail-Tool —, nimmt eine Workflow-Plattform wie n8n, Zapier oder Make.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Marketing-Automation und E-Mail-Marketing?
E-Mail-Marketing ist der Kanal. Marketing-Automation ist die Steuerung dahinter, oft über mehrere Kanäle wie E-Mail, SMS oder Anzeigen. Eine Kampagne geht geplant an viele, eine Automation wird vom Verhalten eines Einzelnen ausgelöst.
Lohnt sich das für kleine Firmen?
Ja, gerade für kleine. Eine Willkommensstrecke oder Warenkorb-Erinnerung baust du einmal und sie läuft für jeden neuen Kontakt mit. Die meisten Newsletter-Tools können das schon im günstigen Paket.
Brauche ich dafür ein CRM?
Für den Anfang nicht. Ein Newsletter-Tool mit Automationen reicht für Willkommens- und Warenkorb-Mails. Ein CRM wird wichtig, wenn Vertrieb und Marketing dieselben Kontakte bearbeiten oder du Leads bewerten willst.
Kann ich das mit n8n oder Zapier selbst bauen?
Teilweise. Workflow-Tools verbinden Programme sehr gut, etwa ein Formular mit CRM und Mail-Tool. Einen Mail-Editor, Abmeldeverwaltung und Auswertungen bringen sie aber nicht mit. Meist kombinierst du deshalb beides.