Was ist die Suchintention?
Jemand tippt „Wanderschuhe“ bei Google ein. Will er wissen, welche Arten es gibt? Welche die besten sind? Oder gleich ein Paar kaufen? Dasselbe Wort, drei Absichten. Diese Absicht hinter der Anfrage ist die Suchintention.
Die Forscher Rose und Levinson haben es 2004 so formuliert: Es geht nicht darum, wie Menschen suchen oder wonach, sondern warum. Google selbst schreibt, dass es als Erstes die Absicht hinter einer Anfrage ermitteln muss, um passende Ergebnisse zu liefern. Die Suchergebnisseite ist Googles sichtbare Antwort auf diese Frage.
Für dich heißt das: Du optimierst nicht auf ein Keyword, sondern auf die Absicht dahinter. Ein Ratgeber für Leute, die kaufen wollen, verfehlt genauso wie ein Shop für Leute, die erst verstehen wollen.
Die vier Intent-Typen
Die Grundeinteilung stammt von Andrei Broder (2002): informational, navigational, transactional. Die SEO-Tools haben später eine vierte Kategorie dazwischengeschoben. Heute arbeiten Semrush und Ahrefs mit diesem Modell:
Typ
Der Nutzer will …
Informational
etwas wissen oder verstehen
Navigational
eine bestimmte Website erreichen
Commercial
Optionen vergleichen, bevor er entscheidet
Transactional
kaufen, buchen, herunterladen
Google benutzt eigene Begriffe. In den Richtlinien für die Qualitätsbewerter (Stand September 2025) heißen die Absichten Know, Do, Website und Visit-in-Person. Know Simple ist der Sonderfall der Faktenfrage, die in ein, zwei Sätze passt. Google schreibt dort selbst, dass die Grenze zwischen Know und Do oft unscharf ist und viele Anfragen in keine einzelne Kategorie fallen.
Zwei Dinge aus denselben Richtlinien solltest du kennen. Erstens: Anfragen haben oft mehrere Absichten. Wer „Walmart“ sucht, will die Filiale, die Website oder Nachrichten. Zweitens: Absichten wandern. „iPhone“ meinte 2007 das erste Modell, 2022 das dreizehnte. Google nimmt an, dass Nutzer das Aktuelle meinen.
Wie verteilen sich die Absichten?
Hier kursiert eine Zahl, die du vergessen kannst: „80 % aller Suchen sind informational.“ Sie stammt aus einer Studie von 2008 über die Metasuchmaschine Dogpile, mit automatischer Klassifikation und 74 % Trefferquote. Die Autoren selbst korrigierten auf rund 65 %. Andere Studien kamen auf ganz andere Werte:
Case A · Einzelne Anfragen
Rose und Levinson, 2004
61–63 %
informational
12–15 %
navigational
Rund ein Viertel der Suchen galt dem Wo-gibt-es-das
Drei Stichproben mit je rund 500 AltaVista-Anfragen aus den USA. Die Kategorie „locate“ zeigt: Shopping-Suchen sind oft Informationssuchen über Bezugsquellen.
Case B · Nach Suchvolumen
SISTRIX, 2018
6 %
der Keywords navigational
~50 %
des Suchvolumens
Wenige Markensuchen tragen die Hälfte aller Suchen
16,6 Millionen deutschsprachige Keywords, Google.de am Desktop. Zählt man Anfragen, dominiert informational; zählt man Volumen, dominieren Marken.
Je nach Studie, Jahr und Zählweise liegen die informationalen Suchen zwischen 39 und 81 %. Eine aktuelle Gesamtverteilung mit offener Methode gibt es weder von Google noch von einem Tool-Anbieter. Lass dich von runden Prozentzahlen nicht beeindrucken.
So erkennst du die Suchintention
Der verlässlichste Indikator ist die Suchergebnisseite selbst. Google hat die Absicht längst gedeutet und zeigt dir die Antwort:
- Shopping-Anzeigen und Produktkarussells: transaktional. SISTRIX fand sie 2018 bei 35 % der wirtschaftlich interessanten Keywords.
- Sitelinks unter dem ersten Treffer: navigational, fast immer eine Marke.
- Featured Snippet, Knowledge Graph, „Ähnliche Fragen“: informational, oft Know Simple.
- Local Pack mit Karte: Visit-in-Person, der Nutzer will hin.
- Vergleichsartikel und Testberichte auf den ersten Plätzen: commercial.
Wortsignale helfen als Vorsortierung: „kaufen“, „Preis“, „günstig“ deuten auf Transaktion, „beste“, „Vergleich“, „Test“ auf Vergleich, „was ist“, „wie“, „Anleitung“ auf Information. Verlass dich aber nicht darauf. Semrush rät ausdrücklich, die Ergebnisse selbst zu prüfen. Schon Singular und Plural können die Seite kippen.
Tools nehmen dir die Vorarbeit ab: Semrush zeigt die Intention als Spalte im Keyword Magic Tool, Ahrefs schätzt im Keywords Explorer die Verteilung der rankenden Seiten je Intention und erkennt im Rank Tracker, wenn sie sich verschiebt. SISTRIX kennzeichnet nach Googles Begriffen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Die Leistungsseite für die Wissensfrage
„Was kostet eine Website“ wird mit einer Angebotsseite beantwortet. Der Nutzer wollte eine Zahl und eine Einordnung, bekommt ein Kontaktformular. Google merkt das an den Signalen und schiebt die Seite nach hinten.
Fehler 2 · Intention am Wort statt an der Seite ablesen
„Wanderschuhe Damen“ klingt nach Kaufabsicht. Zeigt die Ergebnisseite aber Testberichte, will Google vergleichen lassen. Schau immer in die echte Suche, im Inkognito-Modus, am Handy und am Desktop.
Fehler 3 · Ein Text für alle Absichten
Ratgeber, Vergleich und Shop auf einer Seite: Das bedient niemanden richtig. Bei gemischter Intention rät Ahrefs, sich für eine zu entscheiden oder getrennte Seiten zu bauen. Google bewertet jede Interpretation einzeln.
Fehler 4 · Intention als fest ansehen
Suchergebnisseiten verändern sich. Semrush hat zwischen November 2025 und April 2026 gemessen, dass der Anteil kommerzieller Suchen mit AI Overview um 71 % stieg, bei transaktionalen Suchen sank er um 5 %. Was gestern Klicks brachte, wird heute direkt beantwortet. Prüf deine wichtigsten Keywords einmal im Quartal.
Was tun
- Vor dem Schreiben googeln: Welche Formate stehen auf Platz 1 bis 5? Ratgeber, Liste, Produktseite, Video? Baue das Format, das Google schon belohnt.
- Ein Keyword, eine Absicht, eine Seite: Informationale Fragen in den Blog oder ins Lexikon, kommerzielle Vergleiche auf eigene Seiten, transaktionale auf Produkt- und Leistungsseiten.
- Die Frage im ersten Absatz beantworten: Bei Know-Simple-Fragen entscheidet die direkte Antwort, nicht die Einleitung.
- Intention über den Funnel verteilen: Informational für Reichweite, commercial für Überzeugung, transactional für den Abschluss. Wer nur Kaufseiten hat, verliert die Nutzer, die noch nicht so weit sind.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen kommerzieller und transaktionaler Suchintention?
Kommerziell heißt vergleichen: „beste Buchhaltungssoftware“, „Hubspot vs. Pipedrive“. Transaktional heißt handeln: „Hubspot Starter kaufen“. Der eine will eine Entscheidung vorbereiten, der andere sie ausführen. Google fasst beides unter „Do“ zusammen, die SEO-Tools trennen es.
Kann ein Keyword mehrere Suchintentionen haben?
Ja, und das ist eher die Regel als die Ausnahme. Google nennt das Multi-Intent: „Walmart“ kann Filiale, Website oder Nachrichten meinen. Die Suchergebnisseite mischt dann die Formate. Du entscheidest dich für die dominante Absicht oder baust getrennte Seiten.
Ändert sich die Suchintention mit der Zeit?
Ja. Google geht davon aus, dass Nutzer das Aktuelle meinen: das neueste Modell, das jüngste Ereignis. Dazu verschieben neue Suchfunktionen wie AI Overviews, welche Absichten überhaupt noch Klicks bringen. Ahrefs nennt das Intent Drift und bietet den Vergleich zweier Zeitpunkte an.
Wie viel Prozent der Suchen sind informational?
Je nach Studie zwischen 39 und 81 %. Die oft zitierten 80 % stammen aus einer Dogpile-Analyse von 2008, die die Autoren selbst auf rund 65 % korrigierten. Nach Suchvolumen gezählt dominieren Markensuchen. Eine aktuelle, methodisch offene Zahl für Google gibt es nicht.
Warum ranke ich nicht, obwohl mein Text das Keyword enthält?
Meist, weil das Format nicht zur Absicht passt. Google zeigt für ein Keyword Ratgeber, du bietest eine Produktseite, oder umgekehrt. Schau dir die ersten fünf Ergebnisse an und vergleiche Format, Länge und Aufbau mit deiner Seite.
Quellen
- Google: Search Quality Rater Guidelines
- Google: So funktioniert die Google-Suche – Ergebnisse ranken
- Rose und Levinson (WWW 2004): Understanding User Goals in Web Search
- Jansen, Booth und Spink (2008): Determining the informational, navigational, and transactional intent of Web queries
- Website Boosting / SISTRIX: Suchintention mithilfe von Google-Ergebnissen verstehen (2018)
- Semrush: AI Overviews auf kommerziellen Suchanfragen (2026)