Was ist eine Dark Site?
Stell dir vor, deine Firma wird gehackt, und deine Website ist weg. Kunden suchen Antworten, die Presse ruft an. Wo steht jetzt, was los ist? Für diesen Moment gibt es die Dark Site.
Das ist ein vorab gebauter Satz von Webseiten mit den wichtigsten Informationen für den Notfall. „Dunkel“ heißt: Die Seite bleibt unveröffentlicht, bis sie gebraucht wird. Dann lenkst du deine Adresse auf sie um, und sie ist in kurzer Zeit erreichbar.
Die Idee stammt aus Branchen mit hohem Risiko wie Luftfahrt und Chemie. Seit Ransomware, also Erpressung per Verschlüsselungstrojaner, jeden Betrieb treffen kann, ist sie auch für kleinere Firmen interessant. Der Digitalverband Bitkom schreibt in seiner Studie von 2026: Notfallpläne sollen die Krisenkommunikation klar festlegen und auch bei einem Ausfall der IT verfügbar sein.
Was auf eine Dark Site gehört
Weniger ist mehr. Eine Dark Site ist keine Marketing-Seite, sondern ein Beipackzettel für den Ernstfall:
- Erklärung: Was ist passiert, Stand wann?
- Handlungshinweise: Was sollen Kunden jetzt tun?
- Kontakt: Hotline, Presse-Ansprechpartner, E-Mail, die nicht an der eigenen IT hängt.
- FAQ-Gerüst: Die erwartbaren Fragen, vorbereitet und schnell ergänzbar.
- Aktualisierungen: Fester Bereich für neue Meldungen mit Zeitstempel.
Keine Werbung, keine Kampagnen, kein Bilderkarussell. Die fertigen Texte für den konkreten Fall kannst du natürlich nicht vorschreiben. Vorbereiten lassen sich Stammdaten, Vorlagen und die Struktur.
Wo du sie am besten hostest
Die wichtigste Regel: Nicht auf demselben Server wie deine Website. Fällt der aus, ist die Notfallseite gleich mit weg. Luftfahrt-Fachleute empfehlen deshalb einen unabhängigen externen Server.
- Hosting: Statische Seite bei einem anderen Anbieter, etwa GitHub Pages, Netlify oder Cloudflare Pages.
- Domain: DNS möglichst unabhängig vom Webhoster verwalten. DNS ist das Adressbuch des Internets, darüber lenkst du deine Adresse um.
- Reserve: Eine zweite Domain mit fertigem SSL-Zertifikat, falls du an die erste nicht mehr herankommst.
- Zugang: Passwörter und Anleitung auch offline griffbereit.
- Bedienung: Ohne IT-Fachkraft änderbar, möglichst von unterwegs.
Einzelne Anbieter bieten auch Umschaltungen, die selbst reagieren: Amazon Route 53 lenkt den Verkehr per DNS-Failover von einer gestörten auf eine gesunde Adresse. Das lohnt sich vor allem, wenn deine Website geschäftskritisch ist.
Beispiele aus der Praxis
Beide Fälle zeigen, was im Ernstfall auf eine Website zukommt. Echte Zahlen aus dem Mittelstand gibt es leider kaum.
Case A · Verwaltung
Südwestfalen-IT, Ransomware 2023
72
Mitgliedskommunen
rund 4 Tage
bis zu ersten Notseiten
Kommunen wichen auf provisorische Seiten unter Ersatz-Domains aus.
Der Dienstleister schaltete alle Systeme ab. Mit der eigenen Adresse war erst einmal nichts zu machen. Eine vorbereitete Reserve-Domain hätte Zeit gespart.
Case B · Hochschule
Virginia Tech, April 2007
432 GB
Daten an einem Tag
455 GB
bisheriger Monatsrekord
Die Hochschule schaltete nach dem Amoklauf auf eine abgespeckte, statische Startseite um.
Die Server mussten bis zu 150.000 Besucher pro Stunde verkraften. Der Fall zeigt, warum Kapazität und schlanke Seiten zählen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Dark Site auf dem eigenen Server
Bei einem Angriff oder Überlast nützt dir eine Notfallseite nichts, die am selben Kabel hängt wie alles andere.
Fehler 2 · Ansturm unterschätzen
Im Notfall kommt ein Vielfaches des normalen Verkehrs. Bei der Virginia Tech waren es laut Bericht 3.000 % mehr. Statische Seiten und ein Content Delivery Network, das Inhalte über viele Server verteilt, fangen das ab.
Fehler 3 · Einmal bauen, dann vergessen
Veraltete Nummern, abgelaufene Zugänge, ausgeschiedene Ansprechpartner: Das merkst du sonst erst am Tag X. Prüf die Seite zweimal im Jahr und spiel das Umschalten einmal komplett durch.
Fehler 4 · Nur die IT kann umschalten
Klär vorher, wer im Notfall entscheidet und wer schreibt. Hängt alles an einer Person im Urlaub, hast du ein Problem.
Fehler 5 · Social Media vergessen
Eine Einbahnstraße reicht nicht. Fragen und Gerüchte laufen heute in Echtzeit über soziale Netzwerke. Die Dark Site ist deine verlässliche Quelle, auf die du von dort verweist.
Häufige Fragen
Braucht ein kleines Unternehmen eine Dark Site?
Eine aufwendige nicht, eine einfache oft schon. Wenn Kunden auf dich angewiesen sind oder du ihre Daten speicherst, reicht eine einzelne statische Seite bei einem anderen Anbieter. Das kostet wenig und ist in einem Nachmittag gebaut.
Was ist der Unterschied zwischen Dark Site und Statusseite?
Eine Statusseite ist laufend öffentlich und meldet technische Verfügbarkeit, typisch für Software-Anbieter. Eine Dark Site bleibt offline, bis etwas passiert, und erklärt das Ereignis mit Stellungnahmen, Kontakten und FAQ. Für SaaS-Firmen kann die Statusseite den technischen Teil abdecken.
Was ist der Unterschied zu einer Microsite?
Eine Microsite ist eine kleine, öffentliche Kampagnenseite, geplant und mit Marketingziel. Die Dark Site ist unsichtbar, wird ungeplant eingesetzt und kommt ohne Werbung aus.
Wie schnell muss eine Dark Site online sein?
So schnell wie möglich. Eine feste Vorgabe gibt es nicht, die „goldene Stunde“ ist nur eine Faustregel. Sinnvoll ist, das Umschalten zu üben und die Zeit zu stoppen. Beachte: DNS-Änderungen brauchen je nach Einstellung etwas Zeit, bis sie überall ankommen.
Woher kommt der Name?
Meist wird er so erklärt, dass die Seite „dunkel“ bleibt, also unveröffentlicht, bis sie gebraucht wird. Eine andere Erklärung verweist auf die schlichte Gestaltung ohne Werbung und Branding. Eine eindeutige Herkunft gibt es nicht.