Was ist die Gross Revenue Retention?
Stell dir vor, du gewinnst ab heute keinen einzigen neuen Kunden mehr und verkaufst niemandem ein Upgrade. Wie viel deines Abo-Umsatzes ist in einem Jahr noch da? Genau das misst die Gross Revenue Retention, kurz GRR.
Du nimmst den wiederkehrenden Umsatz deiner Kunden zu Beginn des Zeitraums — also den Monthly Recurring Revenue oder den Jahreswert. Davon ziehst du zwei Dinge ab:
- Kündigungen (Churn): Kunden, die ganz weg sind.
- Downgrades (Contraction): Kunden, die bleiben, aber weniger zahlen — kleineres Paket, weniger Nutzer, Rabatt.
Was nicht zählt: Upsells, Cross-Sells, Preiserhöhungen und Neukunden. Der Analyse-Anbieter ChartMogul schließt neben Neugeschäft und Expansion auch reaktivierte Kunden ausdrücklich aus. Deshalb kann die GRR nie über 100 % liegen.
Wie wird die GRR berechnet?
Standard-Formel
GRR = (Umsatz zu Beginn − Kündigungen − Downgrades) ÷ Umsatz zu Beginn × 100
Beispiel: 20.000 € Abo-Umsatz zu Beginn, 1.200 € gekündigt, 600 € heruntergestuft → GRR = 18.200 ÷ 20.000 × 100 = 91 %
Die Zahlen für den Rechner findest du hier:
- Abo-Analyse-Tools wie ChartMogul, Baremetrics oder Paddle zeigen Churn und Contraction getrennt.
- Zahlungsanbieter wie Stripe liefern die Abo-Beträge je Kunde zum Stichtag.
- Für Agenturen reicht eine Tabelle: Retainer je Kunde zu Beginn und am Ende des Jahres.
Wichtig ist die feste Gruppe: Gemessen werden nur die Kunden, die zu Beginn schon da waren. Wer im Laufe des Jahres neu dazukommt, bleibt draußen. Üblich ist ein Zeitraum von zwölf Monaten.
Was ist eine gute Gross Revenue Retention?
Die belastbarsten Zahlen kommen aus B2B-Software-Umfragen, überwiegend aus den USA. Für Agenturen oder Abo-Shops gibt es keine eigenen Werte. Nimm sie als Orientierung, nicht als Norm.
Vertragsart
Median-GRR
Mehrjahresvertrag
94 %
Jahresvertrag
90 %
Monatlich kündbar
89 %
Alle Firmen
91 %
Die Werte stammen aus der Umfrage 2025 von SaaS Capital unter mehr als 1.000 B2B-Softwarefirmen (Daten für 2024, ohne Firmen unter 1 Mio. $ Jahresumsatz). SaaS Capital zieht eine klare Linie: Um mithalten zu können, muss die GRR mindestens 90 % betragen.
Eine andere Studie misst weniger: Aleph und Benchmarkit kommen für 2025 auf einen Median von 84 %, nach 88 % im Vorjahr (226 Firmen). Produktgeführte Software mit kleinen Verträgen lag dort bei rund 79–80 %, vertriebsgeführte bei 88 %. Realistisch heißt das: Zwischen 84 und 91 % liegt die Mitte. Darunter läuft dein Eimer schneller leer als bei den meisten.
Beispiele aus der Praxis
Case A · Agentur
Agentur mit Retainer-Kunden
20.000 €
Retainer pro Monat zu Beginn
1.800 €
verloren durch Kündigung und Downgrade
GRR = 18.200 ÷ 20.000 × 100 = 91 %
Genau der Median aus der SaaS-Capital-Umfrage. Mit 1.500 € Upsells läge die Net Revenue Retention bei 98,5 % — die Upsells gleichen die Verluste nicht ganz aus.
Case B · Software
Kleines Tool mit Monatsabos
120.000 €
Jahresumsatz aus Abos zu Beginn
19.200 €
verloren durch Kündigung und Downgrade
GRR = 100.800 ÷ 120.000 × 100 = 84 %
Im Median der Aleph-Studie, aber unter den 89 %, die monatlich kündbare Software bei SaaS Capital erreicht. Hier lohnt der Blick auf die Gründe der Kündigungen.
Häufige Fehler
Fehler 1 · Upsells mitrechnen
Sobald Expansion Revenue in die Rechnung rutscht, misst du die Net Revenue Retention. Faustregel: Eine GRR über 100 % ist immer ein Rechenfehler.
Fehler 2 · Downgrades vergessen
Wer nur Kündigungen abzieht, rechnet sich die Kennzahl schön. In ChartMogul lassen sich Downgrades sogar per Einstellung ausblenden — der Anbieter warnt selbst, dass der Wert dann künstlich steigt.
Fehler 3 · Monats- und Jahreswerte vermischen
98 % im Monat klingt super. Über zwölf Monate gerechnet bleiben davon aber nur rund 78 % übrig (0,98 hoch 12). Die Benchmarks oben sind Jahreswerte — vergleich nicht Äpfel mit Birnen.
Fehler 4 · Einmalumsätze einrechnen
Setup-Gebühren, Projekte oder Workshops gehören nicht hinein. Die GRR misst nur wiederkehrenden Umsatz. Sonst schwankt sie mit jedem Sonderauftrag.
So verbesserst du die Gross Revenue Retention
- Kündigungsgründe sammeln: Ein Pflichtfeld beim Kündigen oder ein kurzer Anruf bringt mehr als jedes Dashboard.
- Onboarding schärfen: Wer den Nutzen in den ersten Wochen nicht sieht, ist beim nächsten Rechnungslauf weg.
- Jahresverträge anbieten: Längere Laufzeiten haben in den Daten von SaaS Capital die höhere GRR.
- Downgrades ernst nehmen: Ein kleineres Paket ist oft die Vorstufe zur Kündigung — frag nach dem Grund.
Häufige Fragen
Kann die Gross Revenue Retention über 100 % liegen?
Nein. Weil nur Kündigungen und Downgrades abgezogen werden und nichts dazukommt, ist 100 % die Obergrenze. Wer mehr misst, hat Upsells oder Neukunden mitgezählt — dann ist es die Net Revenue Retention.
Was ist der Unterschied zwischen GRR und NRR?
Beide messen dieselbe Kundengruppe. Die Net Revenue Retention rechnet zusätzlich Upsells, Cross-Sells und Preiserhöhungen dazu und kann deshalb über 100 % liegen. Die GRR zeigt nur die Verluste. Im Median lagen B2B-Softwarefirmen 2025 laut SaaS Capital bei 91 % GRR und 101 % NRR.
Zählen Downgrades zur GRR?
Ja. Ein Kunde, der von 500 auf 300 € im Monat wechselt, kostet dich 200 € wiederkehrenden Umsatz. Der wird genauso abgezogen wie eine Kündigung.
Ist die GRR nur etwas für Software-Firmen?
Nein. Sie passt zu jedem Geschäft mit wiederkehrendem Umsatz: Agenturen mit Retainern, Abo-Boxen, Mitgliedschaften, Wartungsverträge. Nur die Benchmarks stammen fast alle aus der Software-Welt.
Monatlich oder jährlich messen?
Für den Vergleich mit Benchmarks jährlich, auf eine feste Kundengruppe. Monatlich kannst du sie als Frühwarnung verfolgen — aber rechne Monatswerte nicht einfach mal zwölf, sondern hoch zwölf.